Demut beibringen

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Verletzlich zu sein ist ja nichts Schlimmes. Wenn wir unsere Grenzen erfahren, können wir uns selbst – in einer Welt der sinnentleerten kapitalistischen Warenform besonders spüren. Dies ermöglicht uns, eine realistische Einschätzung darüber gewinnen, was wir effektiv schaffen und erreichen können. Das gilt für Einzelnen, Gruppen, sogenannten „Szenen“, aber auch für soziale Bewegungen. In gewisser Hinsicht kann diese Lernerfahrung nur geschehen, wenn wir riskieren, auch Verletzungen zu kassieren. Dies gilt insbesondere, wenn mensch eine konfrontative sozial-revolutionäre Praxis entfalten möchte, die darauf abzielt, Verletzungen zu heilen, indem wir um unsere Würde kämpfen.

Ich möchte gerne so viel mehr machen und Geduld war nie meine Stärke. Es war auch nie meine Stärke, meine Lebenssituation zu akzeptieren, sie anzunehmen – und sie davon ausgehend zu verändern. Stattdessen neige ich dazu, in ihr festzuhängen. Äußere Umstände und bestimmte Gründe, gesellschaftliche Gesamtscheiße und tägliche Apokalypse hin oder her – Mensch steht sich oftmals selbst am meisten im Wege. Selbstbestimmung bleibt ein lebenslanger Prozess, dessen Gelingen davon abhängt, inwiefern mensch sich von anderen inspirieren und mitreißen lässt, ohne sich selbst einzugliedern oder sich mit anderen zu vergleichen.

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