Pokémon Go Home

Lesedauer: 6 Minuten

Eine sarkastische Kolumne über die Verwirrungen durch Pokémon Go

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #69 / Sept. 2016

von Imgart Edelweiß, der beleidigten Anarchakonservativen

(Entgegnungen, am besten in literarischer Form sind sehr erwünscht!)

Wir saßen vor unserem Haus auf der Couch als wir sie zum ersten Mal bemerkten. Dutzende Menschen, die standen oder auf Geländern saßen und auf in manischer Versessenheit auf ihre smartphones glotzten. Im Grunde genommen keine seltsame Sache in unseren individualisiert, entfremdeten, vernetzten Zeiten. Doch irgendetwas schien seltsam, ungewöhnlich, anders im Verhalten der internetverbundenen und dauerüberwachten Mobilfunknutzer_innen. Es war der zweite Tag an dem Pokémon Go in der BRD rauskam. Desinformiert und von der Mehrheitsgesellschaft abgeschnitten wie stets erfuhr ich erst vom Freund der bei mir saß vom Hype, dessen Ankündigung schon an mir vorbeigegangen war. An dieser Stelle drängt es mich, mich zu outen: Ich verstand meine Umwelt nie und darum ist es eine traurige Tatsache, dass bei mir nicht mal Kindheitserinnerungen wach werden, wenn es um Pokémon geht. Das ist total langweilig, ich weiß. Dabei bin ich nicht mal ohne Fernseher aufgewachsen, sondern hatte früher wohl einfach keine Freund*innen. Oder habe ich mir meine rudimentären Pokémon-Erinnerungen über die Jahre weggesoffen?

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