Material: Strömungen im Anarchismus

Lesedauer: 2 Minuten

Anarchismus ist in sich sehr plural. Von außen betrachtend wirkt er teilweise widerspüchlich. Ich denke, es gibt jedoch einen Zusammenhang insofern sich meiner Ansicht nach alle Anarchist*innen auf die Verwirklichung der Selbstbestimmung von Einzelnen, auf Autonomie als Organisationsprinzip und auf Theorien der Selbstorganisation beziehen.

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Erich Mühsams Beitrag für eine anarchistische Synthese

Lesedauer: 18 Minuten

Originaltitel: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat – Erich Mühsams Beitrag für eine anarchistische Synthese

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #109, Juli 2020

Mit seinem Traktat Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat. Was ist kommunistischer Anarchismus? schrieb Erich Mühsam eine lesenswerte Schrift, die weite Verbreitung gefunden hat. Der Literat, Aktivist und Lebenskünstler verfasste sie im Jahr 1932, das heißt zwei Jahre vor seiner Ermordung durch die Nazis im KZ Oranienburg am 10. Juli 1934. In diesem Beitrag ordne ich den Text historisch ein, stelle dar, warum sein Autor damit einen Beitrag zum synthetischen Anarchismus formuliert und kritisiere einige Annahmen, um ihren Gehalt weiterzuentwickeln.

von Jens Störfried

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Material: Zusammenhang Ethik, Organisierung, Theorie

Lesedauer: 3 Minuten

Vielleicht werde ich immer wieder mal Materialien zur Veranschaulichung bestimmter Aspekte und Denkfiguren anarchistischer Theorie hochladen. Dabei gilt für alle derartigen Schaubilder, dass sie keine Wahrheiten selbst verkörpern, sondern vor allem dazu dienen, das Erfassen komplizierter Themen zu unterstützen.

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Für eine neue anarchistische Ethik!

Lesedauer: 47 Minuten

Jonathan Eibisch

Zusammenfassung:

Wie lässt sich ein gelingendes, reiches, schönes, erfülltes Leben beschreiben? Wie lassen sich die Bedingungen herstellen, die Ressourcen aneignen, die Fähigkeiten erlernen, um es einzurichten? Und wie kann es schließlich für alle möglich werden – nicht gegen-einander, sondern miteinander, in geteilter Verantwortung für uns selbst, für Andere und für die Mitwelt? Diesen Fragen geht die anarchistische Ethik nach, deren Grundzüge in diesem Text dargestellt werden.

Im Wesentlichen bestehen die Aufgaben der Ethik nicht darin, die Mängel der Menschen hervorzukehren und ihm seine ‚Sünden‘ vorzuwerfen; sie muss in positiver Richtung wirken […]. Sie bestimmt und erläutert einige wenige Grundlagen, ohne die weder Tiere noch Menschen in Gesellschaft leben könnten.

Außerdem aber beruft sie sich auf Höheres: auf Liebe, auf Mut, auf Brüderlichkeit, auf Selbstachtung […]. Gleichzeitig sagt sie dem Menschen, dass, wenn er ein Leben führen wolle, bei dem seine Kräfte sich völlig entfalten könnten, er endgültig dem Gedanken entsagen müsse, dass man leben kann, ohne mit den Bedürfnissen und Wünschen der andern zu rechnen.“

– Peter Kropotkin 1902

Für eine neue anarchistische Organisierung!

Lesedauer: 49 Minuten

Jonathan Eibisch

Zusammenfassung:

Es gibt unterschiedlichste Organisationen, die nach anarchistischen Prinzipien funktionieren. Mit verschiedenen Ansätzen streben sie danach, Autonomie zu verwirklichen, direkte Aktionen hervorzubringen, Menschen zu ermächtigen und genossenschaftliche und solidarische Beziehungen zu entwickeln. Um anarchistische Organisierungsprozesse neu anzustoßen, gilt es zunächst ihre Grundgedanken ins Bewusstsein zu rufen und über sie zu reflektieren.

Der Bruch auf dem Kongress von Nantes ging weit über die bloße Trennung von den politischen Elementen hinaus, er markierte den definitiven Bruch mit dem kapitalistischen Regime.

Die Arbeiterklasse war dabei, sich autonome Organe zu schaffen, die einstweilen Kampforgane sein, aber in Zukunft genügend revolutionäre Kraft entwickeln sollten, um den politischen und Verwaltungsinstitutionen der Bourgeoisie entgegentreten und sie je nach Bedarf zerstören oder übernehmen können.“

– Émile Pouget 1905

Für eine neue anarchistische Theorie!

Lesedauer: 45 Minuten

Jonathan Eibisch

zuerst veröffentlicht in 3 Teilen: Gai Dao # 106, Januar 2020, #107, März 2020, #108, Mai 2020

Zusammenfassung:

Die Ausprägung und Weiterentwicklung anarchistischer Theorie ist ein wichtiger Bestandteil zur Formierung eines sozial-revolutionären Projektes und kein Selbstzweck. In Anschluss an Gedanken zur anarchistischen Synthese gibt dieser Text einen Anstoß zur kollektiven Arbeit an gemeinsamen theoretischen Grundlagen. Damit wird eine nicht-akademische Reflexion über autonome Theorie-Bildung ermöglicht.

Die Geschichte schreitet voran. Es nützt nichts, sich über die Wege zu beschweren, die sie geht. Diese Wege sind das Ergebnis einer langen Evolution. Gleichzeitig wird die Geschichte von Menschen gemacht.

Wenn wir den Verlauf der Geschichte nicht gleichgültig und passiv beobachten, sondern die Ereignisse im Sinne unserer Ideale mitbestimmen wollen, müssen wir uns mit den Tatsachen, vor die sie uns stellt, auseinandersetzen und uns in den historischen Konflikten positionieren.

– Errico Malatesta 1892

Für eine neue anarchistische Synthese!

Lesedauer: 41 Minuten

Jonathan Eibisch

zuerst veröffentlicht in 4 Teilen in: Gai Dao #100, #101, #102, #103

Zusammenfassung:

Mit diesem Text versuche ich eine Position in eine Strategiendebatte einzubringen, die zum Zeitpunkt seines Erscheinens aktuell ist. Zugleich handelt es sich um einen relativ zeitlosen Text, der das grundlegende Thema betrifft – und dieses neu setzen will -, ob und wie eine pluralistische Organisation möglich ist. Der Inhalt der sozialen Revolution ist keineswegs neu, ebenso wenig wie die Erkenntnisse des synthetischen Anarchismus, dass die verschiedenen Strömungen ihre Berechtigung haben und sie sich darum auf das Gemeinsame besinnen sollten, um Stärke und Selbstbewusstsein entwickeln zu können.

Meist sind es jedoch gerade die scheinbar klaren Einsichten, deren Überprüfung eine tiefe Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zum Vorschein bringt. Dies muss kein Problem sein. Immerhin erweisen sich fundamentale Wahrheiten (wie jene, dass wir aufeinander angewiesen sind und dass Vielfalt unsere Stärke ist), deswegen als wahr, weil wir sie nicht zu fassen kriegen und im Letzten nicht definieren können. Was wir scheuen, sind die ernsten solidarischen Auseinandersetzungen, weil wir verlernt haben, uns konstruktiv zu streiten. Doch nur, wenn wir den Tatsachen ins Augen blicken und uns ent-täuschen lassen, können wir die anarchistische Synthese neu eingehen. Denn ihrem Wesen nach ist sie nicht, sondern ist nur im Werden – das heißt, wenn wir sie bilden.

Nie zuvor war ein Zusammenschluß unserer Kräfte so notwendig wie heute. Heute, wo wir fast allein stehen gegen eine Welt von Feinden mit unserem Ideal der Freiheit, das durch die Entwicklung des [neuen] Faschismus und des [diskreditierten] Bolschewismus eine neue Bedrohung erfahren hat. Beeilen wir uns! Laßt uns nicht einen Tag verlieren! […]

Je zerstreuter unsere Kräfte sind, umso schwächer sind wir. Je stärker solidarische Bande uns vereinen, umso mächtiger wachsen uns die Kräfte. Laßt uns diese elementare Wahrheit nie aus dem Auge verlieren. Sorgt dafür, daß sie die Richtlinie unseres Handelns werde!“

– Sebastien Faure 1928