Schatzkiste: Die anarchistische Synthese (Sebastien Faure)

Lesedauer: 16 Minuten

Neben Errico Malatesta und Voltarine de Cleyre, die für einen „Anarchismus ohne Adjektive“ eintraten, gab es nur wenige Anarchist*innen, welche eine produktive Koexistenz verschiedener anarchistischer Strömungen anstrebten, um daraus gemeinsame Ziele zu verwirklichen.

Antiautoritäre Strömungen stehen vor speziellen Herausforderungen. Denn wie wird Organisation möglich, ohne eine hierarchische Struktur, mit zentralen Leitungsgremien, die immer mehr Kompetenzen an sich ziehen? Wie können in einer pluralistischen Organisation gemeinsam getragene Vereinbarungen eingegangen und verbindliche Entscheidungen getroffen werden, ohne, dass diese den Mitgliedern als Zwang auferlegt werden? Wie ist es möglich innerhalb einer Organisation Konflikte zu schlichten, unterschiedliche Perspektiven zu vermitteln und geteilte ethische Grundlagen zu entwickeln, ohne, dass diese von Einzelpersonen gesetzt werden? Wie lassen sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Ansichten, Erfahrungen und Meinungen heraus, Diskussionsprozesse initiieren und gestalten, mit denen die Formulierung von gemeinsamen Strategien und Zielen möglich wird?

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Material: Strömungen im Anarchismus

Lesedauer: 2 Minuten

Anarchismus ist in sich sehr plural. Von außen betrachtend wirkt er teilweise widerspüchlich. Ich denke, es gibt jedoch einen Zusammenhang insofern sich meiner Ansicht nach alle Anarchist*innen auf die Verwirklichung der Selbstbestimmung von Einzelnen, auf Autonomie als Organisationsprinzip und auf Theorien der Selbstorganisation beziehen.

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Erich Mühsams Beitrag für eine anarchistische Synthese

Lesedauer: 18 Minuten

Originaltitel: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat – Erich Mühsams Beitrag für eine anarchistische Synthese

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #109, Juli 2020

Mit seinem Traktat Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat. Was ist kommunistischer Anarchismus? schrieb Erich Mühsam eine lesenswerte Schrift, die weite Verbreitung gefunden hat. Der Literat, Aktivist und Lebenskünstler verfasste sie im Jahr 1932, das heißt zwei Jahre vor seiner Ermordung durch die Nazis im KZ Oranienburg am 10. Juli 1934. In diesem Beitrag ordne ich den Text historisch ein, stelle dar, warum sein Autor damit einen Beitrag zum synthetischen Anarchismus formuliert und kritisiere einige Annahmen, um ihren Gehalt weiterzuentwickeln.

von Jens Störfried

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Material: Zusammenhang Ethik, Organisierung, Theorie

Lesedauer: 3 Minuten

Vielleicht werde ich immer wieder mal Materialien zur Veranschaulichung bestimmter Aspekte und Denkfiguren anarchistischer Theorie hochladen. Dabei gilt für alle derartigen Schaubilder, dass sie keine Wahrheiten selbst verkörpern, sondern vor allem dazu dienen, das Erfassen komplizierter Themen zu unterstützen.

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Für eine neue anarchistische Ethik!

Lesedauer: 47 Minuten

Jonathan Eibisch

Zusammenfassung:

Wie lässt sich ein gelingendes, reiches, schönes, erfülltes Leben beschreiben? Wie lassen sich die Bedingungen herstellen, die Ressourcen aneignen, die Fähigkeiten erlernen, um es einzurichten? Und wie kann es schließlich für alle möglich werden – nicht gegen-einander, sondern miteinander, in geteilter Verantwortung für uns selbst, für Andere und für die Mitwelt? Diesen Fragen geht die anarchistische Ethik nach, deren Grundzüge in diesem Text dargestellt werden.

Im Wesentlichen bestehen die Aufgaben der Ethik nicht darin, die Mängel der Menschen hervorzukehren und ihm seine ‚Sünden‘ vorzuwerfen; sie muss in positiver Richtung wirken […]. Sie bestimmt und erläutert einige wenige Grundlagen, ohne die weder Tiere noch Menschen in Gesellschaft leben könnten.

Außerdem aber beruft sie sich auf Höheres: auf Liebe, auf Mut, auf Brüderlichkeit, auf Selbstachtung […]. Gleichzeitig sagt sie dem Menschen, dass, wenn er ein Leben führen wolle, bei dem seine Kräfte sich völlig entfalten könnten, er endgültig dem Gedanken entsagen müsse, dass man leben kann, ohne mit den Bedürfnissen und Wünschen der andern zu rechnen.“

– Peter Kropotkin 1902

Für eine neue anarchistische Organisierung!

Lesedauer: 49 Minuten

Jonathan Eibisch

Zusammenfassung:

Es gibt unterschiedlichste Organisationen, die nach anarchistischen Prinzipien funktionieren. Mit verschiedenen Ansätzen streben sie danach, Autonomie zu verwirklichen, direkte Aktionen hervorzubringen, Menschen zu ermächtigen und genossenschaftliche und solidarische Beziehungen zu entwickeln. Um anarchistische Organisierungsprozesse neu anzustoßen, gilt es zunächst ihre Grundgedanken ins Bewusstsein zu rufen und über sie zu reflektieren.

Der Bruch auf dem Kongress von Nantes ging weit über die bloße Trennung von den politischen Elementen hinaus, er markierte den definitiven Bruch mit dem kapitalistischen Regime.

Die Arbeiterklasse war dabei, sich autonome Organe zu schaffen, die einstweilen Kampforgane sein, aber in Zukunft genügend revolutionäre Kraft entwickeln sollten, um den politischen und Verwaltungsinstitutionen der Bourgeoisie entgegentreten und sie je nach Bedarf zerstören oder übernehmen können.“

– Émile Pouget 1905

Für eine neue anarchistische Theorie!

Lesedauer: 45 Minuten

Jonathan Eibisch

zuerst veröffentlicht in 3 Teilen: Gai Dao # 106, Januar 2020, #107, März 2020, #108, Mai 2020

Zusammenfassung:

Die Ausprägung und Weiterentwicklung anarchistischer Theorie ist ein wichtiger Bestandteil zur Formierung eines sozial-revolutionären Projektes und kein Selbstzweck. In Anschluss an Gedanken zur anarchistischen Synthese gibt dieser Text einen Anstoß zur kollektiven Arbeit an gemeinsamen theoretischen Grundlagen. Damit wird eine nicht-akademische Reflexion über autonome Theorie-Bildung ermöglicht.

Die Geschichte schreitet voran. Es nützt nichts, sich über die Wege zu beschweren, die sie geht. Diese Wege sind das Ergebnis einer langen Evolution. Gleichzeitig wird die Geschichte von Menschen gemacht.

Wenn wir den Verlauf der Geschichte nicht gleichgültig und passiv beobachten, sondern die Ereignisse im Sinne unserer Ideale mitbestimmen wollen, müssen wir uns mit den Tatsachen, vor die sie uns stellt, auseinandersetzen und uns in den historischen Konflikten positionieren.

– Errico Malatesta 1892