Konsolidierung und Wartehaltung

Lesedauer: 5 Minuten

Pouget sagt mir, dass ich arbeiten gehen soll

So war es dann also, dass ich immer noch nicht wirklich entspannen konnte, in den Tagen und Wochen nach der Abgabe meiner Arbeit. Ich warte ja auch noch… Auf die Gutachten, auf die Verteidigung. Und je länger der fabrizierte Text ist, desto länger dauert eben das Warten darauf. Was grundsätzlich auch nicht verkehrt ist, denn ich brauche eben auch einige Zeit zur Neuorientierung nach so viereinhalb Jahren Auf und Ab, Ökozid, Faschismus, Pandemie und Krieg. Nach viereinhalb Jahren an etwas arbeiten, von dem du zwischendurch das Zutrauen darin verlierst, dass du das Ganze wirklich einreichen, also auch innerlich halbwegs damit abschließen kannst. Alles recht anstrengend wie gesagt. Und das gute Wetter lässt auch noch auf sich warten…

Neben diversen Selbstverpflichtungen habe ich aber tatsächlich wieder mehr Zeit. Deswegen war ich zumindest mal etwas wie feiern – ein Beitrag, um die Tage später krank zu werden. Bin also doch wieder über die eigenen Kräfte gegangen – keine gute Eigenschaft, die mich an wen erinnert…

Aber mehr Zeit, Zeit, ja. In komplett selbstverantwortlich eingeteilter Arbeit ist das kein objektiver Fakt, sondern mehr ein subjektives Empfinden. Denn die Zeit ist ja immer die gleiche – nur der Druck, denkerische Leistungen zu erbringen ist eben unterschiedlich. Das bedeutet, ich konnte ausgiebig während unserer Vorbesprechung für den kurzen Radiobeitrag kiffen und ebenso als Nachbereitung des Ganzen. Und meine Bekannte und ich haben wunderbar qequasselt und herumgeblödelt, das kann ich wohl sagen. Nachdem ich wieder aufgewacht bin und deutlich länger brauchte, um in den Tag zu starten, simulierte ich Arbeit, in dem ich Emails schrieb, eine Broschüre setzte und vermutlich irgendwas im Internet tat. Das Ganze war sicherlich eher eine Vermeidungsstrategie, um mich nicht mit meinem Leben zu beschäftigen: mit Zukunftsängsten vor Krankheit, Prekarität und Einsamkeit, sowie verschiedenen lange zurückgestellten und unbefriedigten Bedürfnissen.

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Kritischer Kommentar zu „Schwarze Flamme“

Lesedauer: 7 Minuten

Eine Rezension für das große Buch von Michael Schmidt und Lucien van der Walt (englisch 2009, deutsch 2013) brauche ich sicherlich nicht mehr schreiben, aber ja, ich habe es jetzt auch mal ganz gelesen. Ersterer Autor hat politisch ja etwas geirrlichtert, wie man so munkelt. Allerdings ging ich ohnehin davon aus, dass vor allem van der Walt das Werk geschrieben hat, zu welchem der angekündigte zweite Band, in welchem es um Syndikalismus weltweit gehen sollte, leider bisher nie erschienen ist.

Gut und beeindruckend an Schwarze Flamme ist die fundierte Recherche und der nachvollziehbare Argumentationsgang. Die Autoren stecken wirklich in den Debatten der jeweiligen Zeit drin. Syndikalismus wäre in der heutigen Welt mit ihrer armen, („eindeutig“ so zu benennenden) Arbeiter*innenklasse von mehr als 2 Milliarden Menschen und den entsprechenden eklatanten Vermögens- und Machtunterschieden der Klassen im 21. Jahrhundert eine relevante Bewegung. Was jedoch weitgehend vergessen worden wäre, sei die Geschichte des Syndikalismus, weswegen Schmidt und van der Walt ein vorrangig historisches Buch schreiben wollten. Dabei gälte es insbesondere an die „glorreiche“ Zeit des Syndikalismus zwischen 1890 und 1920 zu erinnern. – So weit, so verständlich. Gegen die historische Betrachtung habe ich nichts und zweifellos lässt sich aus vergangenen Debatten und Erfahrungen viel für die heutige Praxis lernen. Zu viel wird immer wieder vergessen und verdreht. Zugleich finde ich die Herangehensweise dahingehend schwierig, als das sie ihren Gegenstand meiner Ansicht nach als angestaubt konserviert und ihn als Sozialromantik konserviert. Wie viele Mitglieder welche syndikalistische Gewerkschaft hier und da irgendwann hatte – meine Güte, ich kann es nicht mehr hören! In gewisser Hinsicht bilden die Autoren damit allerdings tatsächlich den theoretischen Stand des Syndikalismus ab. Eine neue große Geschichte, kann nur geschrieben werden, wenn sie sich auf die alte bezieht, aber auch aus ihre herausschält.

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Mit dem Syndikalismus gegen den Syndikalismus?

Lesedauer: 6 Minuten

Inzwischen kam ich dazu die ersten drei veröffentlichten Teile des Textes Skizze eines konstruktiven Sozialismus von Holger Marcks ganz zu lesen. Da er auf der Homepage der Föderation der FAU erschienen ist und es aktuell kaum andere ausführliche Beiträge aus anarcho-syndikalistischer Richtung gibt wirkt er wie ein Grundlagentext, welcher von FAU-Mitgliedern möglichst gelesen werden sollte. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang jedoch noch mindestens die Schrift von Torsten Bewernitz Syndikalismus und neue Klassenpolitik. Eine Streitschrift.

übernommen von: https://www.fau.org/materialien

Leider habe ich gerade nicht die Zeit und die Muße eine ausführlichere Besprechung von Holger Marcks Text zu leisten, möchte aber dennoch ein paar Eindrücke und Kritikpunkte benennen. Doch zunächst zur Form: Der Text besteht aus den Teilen (1) Syndikalistische Transformationspolitik: Die Vermittlung zwischen Realität und Utopie, (2) Multiple Gewerkschaften als Unterbau: Erste Bausteine der Gegenmacht und (3) Grundlagen der Konstruktion: Das Gefüge transformatorischer Organisation. Im bisher noch nicht veröffentlichten vierten Teil soll es dann um programmatische Konsequenzen aus den mikropolitischen Erfahrungen und die utopische Vision gehen.

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