Radikale Linke, ich trinke noch ein Bier mit dir!

Lesedauer: 8 Minuten

von Jens Störfried

gefunden in: Waschlappen. Zeitschrift für einen pragmatischen Anarchismus, Nr. 54

hier als pdf zum download:

Nach vielen Jahren, in denen ich mich als Anarchist definiere und mit zahlreichen irgendwie-linken und gelegentlich auch linksradikalen Leuten zu tun hatte, weil wir Werte und Vorstellungen teilen, bin ich heute erstaunt, dass ich immer noch überzeugt bin, dass zwischen den verschiedenen Strömungen Verständigung möglich sein muss. Dass ich dies annehme, liegt sicherlich auch daran, dass viele anarchistischen Menschen wie selbstverständlich im radikalen Flügel sozialer Bewegungen teilnehmen und der Anarchismus auch gemeinhin als linksradikale Strömung angesehen wird. Tatsächlich ist dies mit etwas Abstand betrachtet absurd. Unter dem Label „linksradikal“ werden alte und neue Staatskommunist*innen, bis hin zu Stalinist*innen, die Autonomen, Teile der Linkspartei und sogenannte Bewegungslinke verstanden.

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23 Thesen zum Anarchismus (Gabriel Kuhn)

Lesedauer: 22 Minuten

Vor inzwischen vier Jahren erschien der Text Revolution ist mehr als ein Wort: 23 Thesen zum Anarchismus. Was ich enorm gelungen finde und womit ich mich stark identifizieren kann, ist die involvierte wie zugleich selbstkritische Position, welche Gabriel Kuhn darin einnimmt. Programmatische Thesen zu schreiben hat eine lange Tradition. Werden sie von Personen verfasst, welche sich selbst in einer Rolle der Nur-Theoretiker*innen sehen, verfehlen sie jedoch in der Regel ihren Gegenstand, auch wenn ihre Aussagen aus einer bestimmten Perspektive ihre Richtigkeit haben mögen. Dieser Text hingegen ist ein Anstoß, in welchem deutlich wird, dass der Autor weiß, wovon er spricht. Seine klare Positionierung im anarchistischen Lager ermöglicht erst jene selbstkritische Herangehensweise, die von Menschen, für welche ihre inhaltliche, politische Position stark mit ihren persönlichen Erfahrungen, Wünschen, Sehnsüchte etc. verbunden ist, auch angenommen werden kann.

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Wer würdigt wie, wen, warum oder warum nicht?

Lesedauer: 10 Minuten

Von den Schwierigkeiten der Würdigung von Personen in antiautoritären Gruppen

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #71 / Nov. 2017

von Mona Alona

Die folgenden Überlegungen stellen einige nicht abgeschlossenen Gedankengänge dar, die sich aus verschiedenen intensiven und längerfristigen, leider oft unzureichenden bzw. unreflektierten Gruppenprozessen ergeben haben. Sie sind nur eine einzelne Ansicht, können nicht zu generellen Aussagen führen und sind in diesem Sinne als Anstoß zu betrachten. Angeknüpft wird lose an den Text „Grundprobleme von antiautoritären Gruppen in der individualistischen Gesellschaft: Das Bockhaben und die Vermeidung von Vereinbarungen“ (Gaidao #64)

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Was Anarchist*innen in der Wissenschaft machen sei ihnen überlassen

Lesedauer: 6 Minuten

Eine Antwort auf Ben’s Text „Die vierfache (Zweck)Entfremdung wissenschaftlicher Arbeit“, erschienen in der GAIDAO #77

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #78 / Juni 2017

von Mona Alona

In seinem knappen Beitrag in der letzten Gaidao (#77) stellte Ben am Ende die Frage: „Was machen Anarchist*innen im Wissenschaftsbetrieb?“. Die sehr berechtigte Frage wirkt auf mich allerdings rhetorisch. Ben’s Darstellung lässt darauf schließen, dass er für sich die Antwort schon weiß: nichts.

Dabei spricht er ja selbst von einem Dilemma in dem Menschen mit radikalen Vorstellungen und Ansprüchen stecken, wenn sie gezwungen sind, ihre Lohnarbeit zu verkaufen und dies an staatliche Institutionen tun – ein Thema, welches mich und manche*n andere*n – ob direkt oder indirekt – sicherlich schon schwer zu schaffen gemacht hat und möglicherweise lebenslang begleiten wird.

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Grundprobleme von antiautoritären Gruppen

Lesedauer: 7 Minuten

Originaltitel: Grundprobleme von antiautoritären Gruppen in der individualistischen Gesellschaft: Das Bockhaben und die Vermeidung von Vereinbarungen

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #64 / April 2016

von Mona Alona

(Der folgende Text ist eine polemische Zuspitzung, mit dem ernsten Anliegen, auf Probleme in antiautoritären Gruppen aufmerksam zu machen, wobei keine Lösungsvorschläge mitgeliefert werden. Ich vermute, dass auch viele andere Antiautoritären ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass hierarchiefreie, basisdemokratische Prozesse möglich sind und auch produktiv sein können – für anarchistische Ansätze sind sie unumgänglich. Dazu müssen Vereinbarungen getroffen werden, eine kollektive Organisierung geschehen und das „Bockhaben“ Einzelner darf nicht die verbindliche Übernahme von durch die Gruppe definierte Aufgaben ersetzen. Das heißt selbstverständlich nicht, dass alle Aktivitäten in Gruppen durchzuführen sind.)

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