Wider_sacher_in: Die Systematisierung einer Religion?

Lesedauer: 3 Minuten

Klickt man sich etwas durch die Artikel dieses Blogs, kommt man aus dem Rätseln und Staunen nicht mehr raus. Das fängt bei einigen ellenlangen Überschriften einzelner Texte an, setzt sich aber fort im schlingernden Stil, welchen der Autor hervorbringt und kultiviert. Er scheint zu faul zu sein, sich grundlegend Gedanken zu machen, was er schreibt, bevor er es tut, sowie zu faul, um das Produzierte im Nachhinein zu überarbeiten. Ersteres beruht vermutlich auf der Annahme, bei all den Büchern, die er selbst gelesen hat, sei es nun an der Zeit und wäre er selbst in der Position, einfach irgendwas auszukotzen, was dann schon irgendeinen Sinn ergibt. Gut, wenn‘s hilft, das der Kopf nicht platzt, meinetwegen – aber sollte das die Motivation sein, einen Blog zu betreiben und sich permanent mitteilen zu wollen? Seine Texte nicht ordentlich überarbeiten zu wollen, zeugt von einer gewissen Überheblichkeit, insofern doch alle Schreibenden, die etwas zu sagen haben ihre Produkte wieder und wieder überarbeiten müssen – denn das ist nun mal Teil des Arbeitsprozesses, auch wenn der Laie dies in den seltensten Fällen sieht und versteht.

Hieronymus Bosch: Bildelement von „Garten Eden“ (lizenzfrei)
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Wider_sacher_in: Verschleierte Selbstdarstellung

Lesedauer: 3 Minuten

Es ist zweifellos nicht leicht, mit einem fundierten Geistes- und Sozialwissenschaftsstudium eine Lohnarbeit zu finden, welche dem Ausbildungsgrad entspricht. Dies trifft umso mehr zu, insofern zumindest ein Anliegen der Ex-Studierenden ja gerade darin bestand, sich nach Möglichkeit der Lohnarbeit zu entziehen und das Leben selbst zu gestalten. Dieses Privileg aus zu kosten und es als Grundlage zu nehmen, damit tatsächlich auch theoretisch zu arbeiten, führt jedoch dazu, dass ein als verträglich akzeptiertes Lohnarbeitsverhältnis zu finden immer unwahrscheinlicher erscheint. Denn welche Arbeit sollte den Ansprüchen, nach einem würdevollen Lohn, der selbstbestimmten Zeiteinteilung, gering ausgeprägter Hierarchien und vor allem Sinnhaftigkeit genügen? Äußerst unwahrscheinlich ist es, dass der Blogbetreiber mit den Themen, die er sich selbst gewählt hat, irgendwann eine feste Stelle als akademischer Lehrbeauftragter erhalten wird, davon tatsächlich leben kann und sich gleichzeitig nicht völlig überarbeitet.

Hieronymus Bosch: Bildszene aus „Die Versuchung des heiligen Antonius“ (lizenzfrei)
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23 Thesen zum Anarchismus (Gabriel Kuhn)

Lesedauer: 22 Minuten

Vor inzwischen vier Jahren erschien der Text Revolution ist mehr als ein Wort: 23 Thesen zum Anarchismus. Was ich enorm gelungen finde und womit ich mich stark identifizieren kann, ist die involvierte wie zugleich selbstkritische Position, welche Gabriel Kuhn darin einnimmt. Programmatische Thesen zu schreiben hat eine lange Tradition. Werden sie von Personen verfasst, welche sich selbst in einer Rolle der Nur-Theoretiker*innen sehen, verfehlen sie jedoch in der Regel ihren Gegenstand, auch wenn ihre Aussagen aus einer bestimmten Perspektive ihre Richtigkeit haben mögen. Dieser Text hingegen ist ein Anstoß, in welchem deutlich wird, dass der Autor weiß, wovon er spricht. Seine klare Positionierung im anarchistischen Lager ermöglicht erst jene selbstkritische Herangehensweise, die von Menschen, für welche ihre inhaltliche, politische Position stark mit ihren persönlichen Erfahrungen, Wünschen, Sehnsüchte etc. verbunden ist, auch angenommen werden kann.

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Wider_sacher_in: Problemverlagerung

Lesedauer: 2 Minuten

Was soll dieser Blog? Ja klar, angeblich geht es wieder mal um „die“ Sache. Was ist das hier ausgebreitete Konzept von „anarchistischer Theorie“ denn mehr als das Bestreben, anderen die Welt erklären zu wollen? Ist dieses Anliegen nicht gespeist aus der zwar verbreiteten – deswegen gleichwohl keinesfalls weniger traurigen – Grunderfahrung, dass die Welt sich unverständlich, irritierend, all zu oft auch konfliktbehaftet darstellt?

Hieronymous Bosch : Bildelement von „Der Garten der Lüste“ (lizenzfrei)
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