Heißer Herbst – Wir sind dabei

Lesedauer: 4 Minuten

Antiautoritärer Aufruf sich an den sozialen Protesten gegen die Preissteigerungen in Leipzig zu beteiligen. Kommt am 5.9. zur Demo am Augustusplatz!

Diesen Aufruf habe ich auf Indymedia gefunden und teile ihn zur Dokumentation und weil ich die Stoßrichtung gut finde.

übernommen von der Mobi in sozialen Medien

Die letzten Tage des Monats ist das Geld grade immer alle. Bei jedem von uns. Es ist verdammt bedrückend wenn wir abends nicht mit unseren Freund*innen Bier trinken gehen können, weil wir uns nicht schon wieder was leihen wollen. Wenn der Sportverein gekündigt wird weil die Waschmaschine kaputt gegangen ist. Die Miete steigt vertraglich jedes Jahr aber Hartz4-Satzerhöhung oder der neue Mindestlohn reichen nicht mal um die Inflation auszugleichen. Wir sitzen alle alleine in unseren Wohnungen und fürchten uns vor dem Nebenkostenbescheid im Frühjahr. Diese dauernde Armut macht wütend.An vielen Orten der Welt ist es schon am brodeln. Auch wir können dass hier schon spüren oder zumindest haben wir das Gefühl bald zu explodieren und warten nur noch gespannt darauf, dass es losgeht. Die soziale Spannung ist da. Im Konflikt zwischen Politik/Wirtschaft und den Menschen, die den Scheiß nicht mehr bezahlen wollen, wissen wir welcher Seite unsere Solidarität gilt, auch in Sachsen mit der hier vorherrschenden Rechten Hegemonie.

Solidarität heißt für uns nicht Vereinzelung, heißt nicht Befrieden sozialer Gegensätze. Solidarität heißt für uns Gegenseitige Hilfe, und zusammenstehen gegen Krisen und Unterdrückung.

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Protest fotografieren

Lesedauer: 4 Minuten

zuerst veröffentlicht auf: untergrund-bättle.ch.

In Hochglanz im A5-Format ist ein neues Magazin erschienen, in welchem Protestereignisse im deutschsprachigen Raum fotografisch und mit Berichten festgehalten werden.

Wem ein paar Euro für linke Zine-Kultur und kritischen Journalismus nicht zu schade sind, kann die unregelmäßig erscheinende Bella Ciao[1] von nun an bestellen. Auf 164 Seiten werden von 16 Demos und Aktionen zivilen Ungehorsams berichtet, sowie drei Interviews geführt. Von Freiburg bis Hamburg, von Zwönitz bis Karlsruhe sind darin unterschiedliche linke Ereignisse in der BRD dokumentiert.

Diese Arbeit ist wichtig, um das Geschichtsbewusstsein in emanzipatorischen sozialen Bewegungen aufrecht zu erhalten. Um das Umbruch-Bildarchiv ist eine ähnliche Gruppe organisiert, welche sich seit 1988 dieser Tätigkeit widmet und ihre Homepage vor einiger Zeit auf den neuesten Stand gebracht hat[2]. Mit dem Geschichtsbewusstsein verbunden ist auch das Selbst-Bewusstsein von Aktivitis. Weil die fotografische Dokumentation Reflexion über das eigene Handeln ermöglicht, trägt sie dazu bei, mit den eigenen Ansichten und Anliegen selbstbewusst umzugehen. Nicht zu Letzt auch deswegen, weil längerfristig sichtbar wird, was in verschiedenen Orten in einem Jahr so geschieht.

Ein Spektren-übergreifender Fokus auf den sichtbaren Protest

Der Fokus auf Protestereignisse ist dahingehend sicherlich klassisch. Gruppenprozesse oder Treffpunkte werden von Redaktions-Team in der ersten Ausgabe nicht festgehalten. Dabei ist auch dies wichtig, da die Bedeutung linksradikaler Zentren für die Große, den Organisationsgrad und das Bewusstsein von sozialen Bewegungen oftmals erst in den Blick gerät, wenn sie an eigenen Widersprüchen scheitern, zu bloß subkulturellen Orten verkommen oder durch staatliche Repression zerstört werden.

Ähnliches gilt für (anti-)politische Gruppen oder auch Einzelpersonen, die sich trauen, ihr Gesicht zu zeigen. Sie brauchen dabei nicht als „besonders wichtig“ gelten. Es reicht, wenn sie interessante Geschichten zum Thema zu erzählen haben, die mit ihrem Leben verbunden sind. Zugleich schärft die Konzentration auf Demonstrationen das Profil von Bella Ciao.

Sinnvoll ist ebenso der Spektren-übergreifende Ansatz des Magazins. So sehen und lesen wir etwa von einem sehr „schwarzen“ ersten Mai in Hamburg, wie von einer sehr „roten“ Demonstration zum selben Tag in Frankfurt am Main. Vom Fridays for Future Zentralstreik und Mietendemo, über Ende Gelände und der Blockade des Ausbaus der A100, bis hin zu Antifa und autonomen Demos sind alle dabei.

Die ästhetische Darstellung von Protestereignissen ist eine wichtige Aufgabe, welche nie auf Kosten der Inhalte oder deren Beliebigkeit geschehen sollte. Denn es ist kein Wert an sich, wenn sich irgendwer irgendwohin bewegt, sondern auch dabei gilt es sich zu positionieren. Die Mitglieder des Redaktions-Teams versuchen dahingehend eine Brücke zu schlagen zwischen sympathisierender Bezugnahme und professioneller Distanz. Sie würde ihnen meiner Ansicht nach noch etwas besser gelingen, gäbe es auch eine knappe Sparte zur Debatte darüber, was emanzipatorischer Protest im fortgeschrittenen 21. Jahrhunderts ist und sein kann.

Die Bedeutung von Demonstrationen für soziale Bewegungen

Mit anderen Worten ist es erforderlich, dass wir begreifen und diskutieren, was wir überhaupt auf welchen Demonstration tun. Erstens sind sie ein wichtiges Ausdruckssymbol, das unsere Stärke symbolisieren kann. Zweitens sind Demos Räume der Versammlung, in denen wir das erwähnte Selbst-Bewusstsein entwickeln und daraus auch Motivation und Kraft für die oft unsichtbaren sozialen Kämpfe im Alltag ziehen können. Drittens werden mit ihnen auch aktuelle Probleme und Herausforderungen der sozialen Bewegungen sichtbar: Etwa ein zu geringer Organisationsgrad in Bezugsgruppen, die diesem Anspruch gerecht werden, eine zu große Beliebigkeit und Unsicherheit in den eigenen Inhalten und Visionen oder die Ausbaufähigkeit von kreativem und spontanem Handeln. Und viertens können Demos Orte des Austauschs und der Begegnung unterschiedlicher Menschen sein – wenn sie denn so gestaltet werden, dass dies möglich ist.

In all dieser Hinsicht haben Demonstrationen wichtige Funktionen für die Integration, Verständigung und Stärkung sozialer Bewegungen. Doch für sozial-revolutionäre Bestrebungen sind sie nicht genug bzw. nicht das Eigentliche, gerade weil sich Aktive mit ihnen maßgeblich auf der politischen Ebene bewegen. Ohne im Detail einen Plan zu entwickeln, was es zu tun gälte, kann gesagt werden, dass der Aufbau langfristig funktionierender (anti-)politischer Gruppen und Basisstrukturen ebenso wichtig ist, wie die Ausübung direkter Aktion, die Ausprägung rebellischer Haltungen und Bildungstätigkeiten, inklusive theoretischer Auseinandersetzung. Demonstrationen dürfen also nicht zum Substitut für den langwierigen, anstrengenden und meist unsichtbaren Basisaktivismus im Alltag werden.

Das Selbst-Bewusstsein in emanzipatorischen sozialen Bewegungen entfalten

Dies spricht aber umgekehrt nicht dagegen, sie festzuhalten. Die fotografisch qualitativ wertvollen Bilder, sowie die fokussierten Berichte in Bella Ciao stellen deswegen auch eine Wertschätzung des Handelns von Aktiven in emanzipatorischen sozialen Bewegungen dar. Dies ist ein Gegenbild zum verbreiteten jämmerlichen Selbstverständnis – einem im Endeffekt sozialdemokratischen Rudiment –, mit welchem auch radikale Linke ihre Handlungsmacht an Politiker:innen abtreten und sich letztendlich nicht vom Irrglauben an die nutzbare Staatsmacht lösen können. Doch selbstorganisiert und nach Autonomie strebend, tat und tut sich einiges – gerade wenn die (anti-)politische Aktivität über den Symbolcharakter und das Ereignis des Protestes hinausgeht und langfristig das Leben von Menschen verändert. Dabei sollten „wir“ sollten nie vergessen, das „wir“ auch Erfolge zu verbuchen haben.

Insofern ist es wünschenswert, dass das Bella Ciao-Magazin auf Dauer gestellt und weiter entwickelt werden kann. Die Herausgeber:innen fordern auch zur Beteiligung am Projekt auf, womit auch weitere Ereignisse (beispielsweise der feministische Streik am 8. März, die jährliche Demo zum Frauenknast in Chemnitz oder die pro-kurdische Solidaritätsbewegung) festgehalten werden könnten. Ein Blick in die erste Ausgabe lohnt sich in jedem Fall.

Jonathan Eibisch

Fussnoten:

[1] https://www.bellaciaomagazin.de/

[2] https://umbruch-bildarchiv.org/

sp

Protest fotografieren

Lesedauer: 4 Minuten

zuerst veröffentlicht auf: untergrund-bättle.ch.

In Hochglanz im A5-Format ist ein neues Magazin erschienen, in welchem Protestereignisse im deutschsprachigen Raum fotografisch und mit Berichten festgehalten werden.

Wem ein paar Euro für linke Zine-Kultur und kritischen Journalismus nicht zu schade sind, kann die unregelmäßig erscheinende Bella Ciao[1] von nun an bestellen. Auf 164 Seiten werden von 16 Demos und Aktionen zivilen Ungehorsams berichtet, sowie drei Interviews geführt. Von Freiburg bis Hamburg, von Zwönitz bis Karlsruhe sind darin unterschiedliche linke Ereignisse in der BRD dokumentiert.

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Erinnerung: Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg 2017

Lesedauer: < 1 Minute

Das von Ludwig van Beethoven in seiner 9. Sinfonie vertonte Gedicht Friedrich Schillers, war wohl einer der Lieblingssongs Bakunins. Das alle Menschen Geschwister sein werden, gibt Anlass zur Freude und motiviert zum Kampf. Insofern handelt es sich bei ihrer Adaption als Hymne für die EU um eine Instrumentalisierung. Die „Ode an die Freude“ wurde dann auch beim Gipfel selbst in diesem Milliarden-Prestigeobjekt Elbphilharmonie aufgeführt – wenn ich mich recht entsinne gab es dabei auch einige Protest-bedingte Komplikationen. Die Gastgeberregierung wollte damit offenbar das deutsch-europäische Erfolgsmodell des staatlichen Kapitalismus musikalisch untermalen. Bakunin jedenfalls hätte seine helle Freude am Video, welches die Bild-Reporter hier produziert haben. Und zwar einerseits, weil er einer Straßenschlacht mit schwarz vermummten „Autonomen“ sicherlich nicht abgeneigt wäre, andererseits aber, weil er um die Lächerlichkeit dieser Inszenierung gewusst hätte.Was ihn angesprochen hätte, wäre die theatralische Zuspitzung gewesen: Dort die mächtigen, reichen Regierenden, abgeschottet durch Polizei und Militär, abgehoben von den Bedürfnissen und Forderungen der Bevölkerung, welche die ihnen auferlegten Spaltungen überwindet und sich in der Auseinandersetzung gegen die Herrschenden verbündet. Auf der einen Seite, die scheinbare Ruhe und Gelassenheit der von den Sicherheitsapparaten beschützten Regierungen, die in ihrem Kern jedoch an ihren eigenen Widersprüche erodiert, auf der anderen Seite die Protestbewegungen in ihrer ganzen Vielfalt, welche tatsächlich beanspruchen die herrschende Politik und ihr System anzugreifen und zu überwinden. Letzteres wird dann medial als Skandal hingestellt, wobei es tatsächlich weniger die mehr oder weniger militanten Praktiken sind, welche die Protestierenden potenziell) hervorbringen und die als Bürgerschreck dienen sollen, sondern vor allem ihr tief eingegrabener Ungehorsam.

Mit Klick auf das Video erklärst Du Dich einverstanden, dass eine Verbindung zum YouTube-Server hergestellt wird, in deren Folge u.a. auch Analyse-Cookies übertragen werden. Weitere Infos hier.

Das Konzept der Schwarmintelligenz in der Kriegsführung

Lesedauer: 11 Minuten

veröffentlicht auf schwarzerpfeil.de unter dem vollständigen Titel Das Konzept der Schwarmintelligenz in der Kriegsführung: eine Einführung für Aktivist:innen der Frontlinie

Original erschienen bei ILL WILL editions

Anm.: Ein deutschsprachiger Artikel mit Taktiken der Hongkonger Protestbewegung findet sich hier.

Einführung
Im Folgenden soll eine Einführung in das Konzept des „Schwarms“ als Ansatz der Kriegsführung gegeben werden, wie es von John Arquilla und David Ronfeldt in Swarming and the Future of Conflict thematisiert wird, das im Jahr 2000 im Rahmen des National Defense Research Institute der RAND Corporation veröffentlicht wurde. Es besteht die Hoffnung, dass die aufkommenden Frontalkonflikte der Demonstrant:innen, welche vom Hong Kong Democracy Movement 2019 zu den George Floyd Protesten 2020 migriert ist, die Schwarmintelligenz nutzen können, um die oft zitierte Maxime „be water“ zu erweitern.
Bei der Kriegsführung mittels „Schwarmintelligenz“ („Swarm warfare“) geht es darum, horizontale Kommunikation zu nutzen, so dass Gruppen sowohl autonom als auch gemeinsam handeln können, ohne zentralisierte, hierarchische Befehlsstrukturen. Falls das bekannt klingt, ist es kein Zufall: Arquilla und Ronfeldt zitieren die Strategie der Anarchist:innen und Globalisierungsgegner:innen im Vorfeld der Ereignisse um die Schlacht von Seattle 1999 als ein zeitgenössisches Beispiel für „Schwarmbewegungen“ die während der schriftlichen Ausarbeitung aufkeimten. Ausgehend von den Lehren aus den Entwicklungen in der Kriegsführung am Ende des 20. Jahrhunderts schlägt ihre Arbeit „Battle Swarm“ als Militärdoktrin vor, d.h. als normativen Ansatz zur Führung von Kriegen. Der „Battle-Swarm“ ist daher ein Beispiel dafür, wie unsere Feinde aus unserer Art zu kämpfen lernen, um unsere Erkenntnisse gegen uns anzuwenden. Und doch funktioniert das Lernen in beide Richtungen: Bei der Formulierung des Konzepts der Kriegsführung mittels Schwärmen haben uns unsere Feinde geholfen, indem sie wichtige taktische, strategische und logistische Aspekte identifiziert haben, die wir in unseren Kämpfen verbessern können. Daher sollte die folgende Einführung in Schwarmbewegungen als ein Ansatz zur Konfliktbewältigung genutzt werden, um unsere Taktiken auf der Straße kritisch und kreativ zu überprüfen und zu beurteilen, welche Arten von Kommunikationsinfrastrukturen und -praktiken geeignet sind, unsere Aktionen zu koordinieren [1].



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Schwarze Anarchist:innen

Lesedauer: 7 Minuten

veröffentlicht auf schwarzerpfeil.de

Wie Schwarze Anarchist:innen die Protestbewegung am Leben erhalten

Wie Schwarze Anarchist:innen die Protestbewegung am Leben erhalten

Veröffentlicht am

Deutsche Übersetzung eines Mic-Artikels von Vanessa Taylor

Mit einer Reihe von Aufständen, die die Vereinigten Staaten erfasst haben, hat Präsident Trump seine Verachtung für die Demonstrierenden nicht verheimlicht. Abgesehen von seinen Drohungen gegenüber den Demonstrierenden in Minneapolis und fragwürdigen Exekutivbefehlen, hat Trump seinen Zorn immer wieder auf eine bestimmte Gruppe gerichtet: „Anarchist:innen“. Trumps ständiges Beschwören von Anarchist:innen, um alle Demonstrierende allgemein zu beschreiben, ist ein kalkulierter Versuch, laufende Kämpfe zu delegitimieren – so viel kann man deutlich in einem von Trumps Tweets von Anfang dieser Woche sehen, wo er schrieb, dass die Demonstrierenden in Portland und Seattle „eigentlich … kranke und gestörte Anarchist:innen und Agitator:innen“ waren.

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Hintergründe zur Rebellion in Belarussland

Lesedauer: 11 Minuten

Aus aktuellem Anlass spiele ich hier einen Text, welcher vom ABC Dresden übersetzt wurde. Da er bereits am 11.08. veröffentlicht wurde und die Runde gemacht hat, handelt es sich eher um eine Dokumentation… Wie bei jeder Umbruchssituation stellt sich bei den lang ersehnten Protesten in Belarussland die Frage, welche Strömungen darin Einfluss gewinnen und in welche Richtung sie dementsprechend Weiterentwicklungen ermöglichen können. Aufgrund der inzwischen 26jährigen Diktatur des Lukaschenko-Regimes, wie auch des früheren „sowjetischen“ Staatskapitalismus, wird der Demokratisierungsprozess sicherlich viele Jahre dauern. Die demokratische Herrschaft westlich-kapitalistischer Staaten bildet vermutlich auch für die meisten progressiven Kräfte das Vorbild. In vielerlei Hinsicht mag es menschenfreundlicher sein. Doch die Enttäuschung darüber ist wie bei der Transformation anderer post-„sowjetischer“ Ländern vorprogrammiert. Auch wenn sich für den Moment logischerweise auf den Sturz eines Diktators konzentriert, gilt es im Grunde genommen, eione ganz neue Gesellschaft aufzubauen…

Wie kam es zur Rebellion gegen die Diktatur in Belarus

Folgenden Text haben wir vom anarchistischen Newsportal pramen.io übersetzt.

Wenn du Leute Anfang 2020 in Belarus gefragt hättest, wie lange die Diktatur von Lukaschenko noch besteht, dann hätten sie dich wie einen Narren angeschaut. In einer respektierten Diktatur werden solche Fragen nicht gestellt, denn alle wissen, was passieren kann. Prinzipiell ist es so, dass die Herrschaft großer Führer eher zeitlos ist. Aber die Situation hat sich in den letzten 8 Monaten so radikal verändert, dass Menschen in Belarus auf die Straße gehen. Zum ersten Mal in der neuen Geschichte Belarus haben die Menschen in mindestens 33 verschiedenen Städten des Landes die Polizei zurückgeschlagen.

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Geh 20 Reflexionen anstellen

Lesedauer: 11 Minuten

zuerst veröffentlicht in: Lirabelle #16 / Dez. 2017; online auf: http://lirabelle.blogsport.eu/2017/12/12/geh-20-reflexionen-anstellen/

Die vielfältigen Ereignisse in den Tagen des G20-Gipfels in Hamburg bekamen bundesweit, europaweit, wie erwartet große Aufmerksamkeit. Wieder einmal kam es zu einer neuen Stufe von Polizeigewalt, Überwachung und Repression. Als Konsequenz daraus wird von staatstragenden Politiker*innen unter anderem die Ausräucherung von Rückzugsräumen für die „autonome Szene“ gefordert. Endlich sollen eine europaweite Extremist*innen-Datei durchgesetzt und die massive Aufrüstung der Polizei sowie ihr willkürliches Vorgehen gerechtfertigt werden. Im selben Zuge fordern Bewegungslinke fassungslos ein, rechtsstaatliche Prinzipien anzuerkennen und die Gewaltenteilung beizubehalten…

Das Großevent G20-Gipfel wurde wie zu erwarten zu einem prägenden Moment für linke Bewegungen. Mona Alona war im Gefahrengebiet und konzentriert sich in diesem Artikel auf einige diskussionswürdige Aspekte im Zusammenhang mit den Gipfel-Protesten. Noch von den Eindrücken des Gipfels berauscht als auch verstört werden sie nicht chronologisch und bruchstückhaft dargestellt…

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„Thüringen goes Hamburg?“

Lesedauer: 4 Minuten

Einige Gedanken zur Beteiligung Thüringer Bewegungs-Linker an den Protesten gegen den G20-Gipfel

zuerst veröffentlicht in: AIBJ

von Hermann

Was machen ein paar dutzend Thüringer an einem verlängerten Wochenende in Hamburg? Eine Klassenfahrt? Party auf der Reeperbahn? Arbeit suchen in einer der reichsten Städte der BRD? Normalerweise wahrscheinlich sowas in der Art. Das Wochenende um den 7./8. Juli bewog Menschen mehrheitlich aus anderen Gründen die Hafenstadt zu besuchen…

Gründe um gegen das Herrschaftssystem in dem wir leben und seine Auswüchse zu protestieren gibt es so viele wie Menschen, die darunter leiden; Kristallationspunkte für die Manifestation eines antikapitalistischen, emanzipatorischen Aufschreis gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung eigentlich auch. Insofern ist die Frage zu stellen, weswegen gerade der G20-Gipfel als Symbol den Widerstand einer großen Zahl Menschen auf sich zog.

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Hamburg Anfang Juli

Lesedauer: 19 Minuten

Originaltitel: Hamburg Anfang Juli – verspätet campen, tanzen, vernetzen, demonstrieren, protestieren und die Entfaltung der bürgerlichen Hetzjagd

Wie ein linkes Gathering für die Legitimation und den Ausbau des Polizeistaates instrumentalisiert wurde

zuerst veröffentlicht in: GaiDao #80 / Aug. 2017

von Jens Störfried

Der Autor hatte ohnehin vor, aus Interesse, Gewohnheit und dem Bedürfnis nach Protest gegen die internationalisierte Herrschaftsordnung, die unter anderem von den G20-Treffen verkörpert werden, nach Hamburg zu fahren. Schließlich ist es immer spannend wenn so viele unterschiedliche Einzelpersonen und Gruppen zusammen kommen um auf ganz verschiedene Weisen ihren Protest vorbringen. Diesmal betrachtete er das ganze Spektakel als eine Art Studie, wohl wissend, dass er sich sonst maßlos über sehr vieles aufregen würde. Doch auch mit einer gesunden Distanz gegenüber vielen protestierenden Gruppierungen und dem ganzen Spektakel überhaupt, stellten die Gipfeltage eine emotional äußerst belastende Ausnahmesituation dar. Willkommen im seelischen und körperlichen Gefahrengebiet! Willkommen im Polizeistaat! Der Bericht ist chronologisch und bewusst persönlich gehalten. Es werden dabei keine Informationen preisgegeben, die nicht ohnehin bekannt sind. Dennoch sollten sich alle immer wieder genau überlegen, was sie wem und wie erzählen… Die Fußnote zu den bürgerlichen Medien habe ich nicht eingefügt, weil ich von ihnen meine Infos beziehe, sondern um aufzuzeigen, wie die Geschehnisse dort aufgenommen wurden.

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