Pierre Rosanvallon: Gegen-Demokratie

Lesedauer: 11 Minuten

Originaltitel: Subjektive Annäherungen an einen gelungenen liberal-demokratischen Beitrag

Pierre Rosanvallon plädiert in seinem gut zugänglichen Werk für ein komplexes Verständnis von Politik, auf den Ebenen von parlamentarisch-repräsentativer Regierungen, einer zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit (= „gegen-demokratischer Betätigung“) und politischem Prozess. Denn nur ersteres sei bislang umfassend untersucht worden, weswegen Politik im 21. Jahrhundert (noch) unerfasst wäre.

zuerst veröffentlicht auf: untergrund-bättle.ch

Bereits 2005 schrieb der französische Historiker Pierre Rosanvallon das Buch „Gegen-Demokratie“, welches vor drei Jahren übersetzt und von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wurde. Der Autor plädiert in seinem gut zugänglichen Werk für ein komplexes Verständnis von Politik, auf den Ebenen von parlamentarisch-repräsentativer Regierungen, einer zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit (= „gegen-demokratischer Betätigung“) und politischem Prozess. Denn nur ersteres sei bislang umfassend untersucht worden, weswegen Politik im 21. Jahrhundert (noch) unerfasst wäre.

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Recht behalten oder revolutionär mehr werden?

Lesedauer: 8 Minuten

– einige Gedanken v.a. zum Populismus-Verständnis in „Herrschaftsfrei statt populistisch. Aspekte anarchistischer Gesellschaftskritik“ (Wolfgang Haug/Michael Wilk, Edition AV 2018)

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #98, Februar 2019

von Jonathan Eibisch

Als eine gelungene Neuauflage ihres 1995 erschienenen gemeinsamen Buchs „Der Malstrom“ präsentieren Wolfgang Haug und Michael Wilk nun dasselbe mit dem Cover „Herrschaftsfrei statt populistisch. Aspekte anarchistischer Staatskritik“. Ein solch sachliche, undogmatische, Auseinandersetzung mit gesamtgesellschaftlichen Fragen, statt lediglich mit einzelnen Themen, macht das Buch auch heute lesenswert. Ob der Titel nun „herrschaftsfrei“ wie auf Cover oder „herrschaftslos“ im Text lautet, sei dabei dahingestellt – es braucht mehr derartige selbstbewusste Positionierungen von Anarchist*innen in der Öffentlichkeit.

Allerdings handelt es sich genau genommen nicht nur um ein Reprint des alten „Malstroms“, sondern sind diesem noch zwei aktuelle Beiträge vorangestellt mit „Mentaldroge Nationalismus. Völkisches Geschwurbel als politische Strategie“ (Wilk) und „Die Politik der Angst“ (Haug). Hierin, müsste man meinen, sei die Aktualisierung ihrer Gedanken zu finden. Doch schon der Titel macht mich persönlich skeptisch, weswegen ich die beiden Autoren an dieser Stelle einer Infragestellung unterziehen möchte. Diese richte ich an die meisten von uns, mich eingeschlossen. Daher mögen es mir Wolfgang und Michael verzeihen, dass ich meine Infragestellung von ihren Worten ausgehend entfalte. Gern lade sie zu einem guten Essen und einem Vortrag ein. Das ist für mich keine „persönliche“ Angelegenheit und ich fordere sie und euch auch nicht auf, dass ihr „endlich mal mehr machen“ sollt. Ich weiß, ihr sitzt nicht nur im stillen Kämmerlein… Wenn die beiden aber so große Worte wie „anarchische Gesellschaftskritik“ zu Papier bringen, erscheint mir deren kritische Betrachtung mehr als gerechtfertigt.

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