Koexistenz der Hybride und ihre Versöhnung

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Zugegeben: Musikalisch und ästhetisch ein deutlicher Bruch zur vorher geposteten Musik. Doch die Kohärenz der Beiträge ergibt sich aus der Gesamtschau. Björk macht keine Musik, die mir selbst bei einer Party oder zum entspannen anhören würde. Gut, dass ist vielleicht bei vielen so, die anspruchsvoll sind… Was ich an Björks Musikvideos richtig abgefahren finde, ist die Darstellung und in gewisser Weise auch die positive Bejahung, eines neuartigen gesellschaftlichen Naturverhältnisses. Der tendenziell herrschaftsfreie Umgang von Menschen mit der nicht-menschlichen Umgebung ist unter heutigen Umständen tatsächlich äußerst schwer denkbar und spürbar zu machen. Hierbei geht es wohlgemerkt keineswegs um ein Zurück zur „Natur“ oder etwa die Idealisierung der Wildnis. Gleichwohl kann die anarchistische Gestaltung der Mitwelt nur aus einer grundlegende Kritik an „Zivilisation“ hervorgehen. Ja, Menschen gestalten diese Welt. Dies allein ist nicht die Unterwerfung und Ausbeutung. Die Hoffnung auf eine herrschaftsfreie Transformation des gesellschaftlichen Naturverhältnisses hat daher die Bejahung der positiven, nicht-zerstörerischen Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit von Menschen zur Voraussetzung. Hierbei entscheidend ist gleichwohl eine Abgrenzung der Hybris, alle Dinge in der Hand zu haben und sie formen zu müssen, nur weil „man es kann“. Es gelingt nur im Wechselverhältnis: Die andere, nicht-entfremdete Erfahrung von Menschen in ihrer Mitwelt, ermöglicht eine wünschenswerte Umformung und eine De-Kommodifizierung (= „außer-Wert-Setzung“) nichtmenschlichen Seins. Die Schaffung von neuartigen Räumen des Miteinander-Lebens und -Seins führt wiederum zum Erlernen und Erfahren einer herrschaftsfreien Beziehung zu den Entitäten. Und diese haben – das deuten Björks Videos an – in der utopischen Zukunft die Gestalt von Hybriden als Verschmelzung von Mensch, Technik und nichtmenschlichen Lebensformen. Entscheidend hierbei ist, dass dies nicht-entfremdet, versöhnt, nicht-zerstörerisch, sondern in friedlicher Koexistenz möglich sein kann. Wenn wir genauer darüber nachdenken, leben wir bereits mit diesen Hybriden. Und abgesehen davon, dass wohl einiges hinzugekommen ist, taten Menschen das wahrscheinlich schon immer. Den die Abtrennung von „Mensch“ und „Natur“ ist ja bereits ein wesentliches Moment der Herrschaft im gesellschaftlichen Naturverhältnis. Ihre Überwindung kann freilich lediglich verknüpft mit jener von Kapitalismus, Patriarchat und Staat gelingen.

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Mach mir eine Dose Frust auf

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Party Party! Krawalle sind nur einmal im Jahr! Doch im Grunde genommen wissen es alle: Jeder Karneval in Köln, jedes Münchner Oktoberfest und all die unzähligen stumpfsinnigen Dorfbesäufnisse richten weit mehr Schaden an, als die eine oder andere Wutentladung. Wer von Sachschaden spricht, sollte vom Material Mensch, das täglich als Arbeitskraft verschlissen und vom nicht-menschlichen Leben, das verheizt wird, nicht schweigen. Grundsätzliche Gesellschaftsveränderungen kommen ohne hobeln und Späne nicht aus. Das ist die historische Erfahrung und wissen vor allem die professionellen Gewalttäter selbst, die Bullen, Soldaten, Söldner und Faschos. Ab wann also wird die Bedrückung so groß und kann nicht mehr politisch vermittelt und eingehegt werden, dass Leute anfangen, aufzubegehren anstatt nur zu labern und sich um sich selbst zu kreisen? Wirkliche Militanz von „linker“ Seite gibt es ohnehin kaum. Diese würde nämlich Selbstreflexion, Organisation und das Erlernen bestimmter Praktiken voraussetzen. Erster Schritt dafür ist deswegen stets den perfiden Spaltungsversuchen anhand der Frage von „Gewalt“ abzulehnen. Eine eigene Meinung zu bestimmten Dingen, sollte man dennoch entwickeln, die Fetische niederlegen und die eigenen Rituale bewusst gestalten, anstatt zur Folklore verkommen zu lassen.

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Einen Frontbrief bitte!

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Schreib mir doch mal wieder einen Brief! An die Front. – Die feuchten Träume der Neuen Rechten haben sich zwar noch nicht erfüllt, den einen Bürgerkrieg gibt es bisher noch nicht. Also bitte keine Kriegsrhetorik und Fetischpflege! Andererseits: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Und wer nicht kämpft, kann die Kämpfenden auch nicht verstehen; jene, die sich die Auseinandersetzung nicht ausgesucht haben, sondern zu ihr getrieben wurden, weil sie die Würde besitzen, sich der Herrschaft entgegen zu setzen. Die Arten, Weisen und Mittel mit denen sie kämpfen können sehr verschiedene sein. Eine ungeklärte Frage bleibt dabei: Schließen sich Lebensgenuß und Kampf kategorisch aus? Ich tendiere zu „Ja“. So singt Rolando Alarcón im Volkslied sinngemäß: An der Front fressen sie Granatsplitter. Daran ist nicht nur aus historischen Gründen zu erinnern. Emma Goldman hat trotzdem recht, wenn sie meint: If I can’t dance, it’s not my revolution. Denn soziale Revolution ist eben nicht nur Kampf…

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Freudig der Zukunft entgegen!

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Sich auf was freuen können. Das muss doch auch mal erlaubt sein auch wenn der Tag noch fern ist! „Qando l’Anarchia Verrà“ – Wenn die Anarchie kommt, wird die ganze Welt verwandelt. Die Regierungen werden nur noch eine Erinnerung an einer schäbige Vergangenheit sein. Die ekelhaften Gesetze, die Priester und Soldaten werden verschwinden. Das Ideal, was uns begeistert wird sich hingegen in der Welt verbreiten. Mit dem Herzen denken wir an die Zukunft, wo Qual und Leid aufhören werden. Gesungen von Teresa Viarengo Amerio.

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Ziehende Vögel und freie Geister

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Langatmig schlagen die Vögel ihre Flügel und ziehen ihre Bahn. Wo die Sonne aufgeht bauen sie ihre Nester und singen ihre Lieder, dort in der Ferne, fern von der Erde. Mit einem feurigem Atmen, in einer kaukasischen Steppe flüstert ein Gedanke und spricht deinen Traum aus. Wie viele Gefängnisse auch gebaut werden und ob auch die Unterdrückung zugenommen hat, unser Geist ist ein verrückter Punk, der immer entkommen wird. Wie so ein freier Geist [σαν αερικό] will ich leben, so, wie ein Freigeist. Poesie vom feinsten von Thanasis Papakonstantinou.

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Kraftvoller Ruf nach Selbstbestimmung

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„Kein Gott, kein Meister“ sang Léo Férre. Eine geballte Sehnsucht nach dem ganzen Leben mit seinen Höhen, Tiefen, Widersprüchen und Kostbarkeiten. Ganz großes Kino.

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Kritik des radical chic

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Ein „Rebellenlied“ von Erich Mühsam, vertont von Slime, die ihm mit dem Video einen ironischen Unterton geben. Immerhin kann durchaus danach gefragt werden, was aus der einen und dem anderen Großstadt- oder Kleinstadtrebell*in im Laufe der Jahre geworden ist. Eine problematische Entwicklung ist die zunehmende Verwendung radikaler Rhetoriken bei gleichzeitig oft schon selbstverständlichem Appell an die bestehenden politischen Institutionen und Machthabenden. Autonome Perspektiven als gelebte Gegenentwürfe und die Erfahrungen in experimentellen, selbstverwalteten Räume scheinen immer seltener zu werden. „Selbstorganisation“ wird dagegen individualistisch in Arbeitsformen gesucht, die Kreativität, Flexibilität und Mobilität versprechen und somit darauf verpflichten – freilich ohne das Leistungsprinzip in Frage zu stellen. Als vermeintliche Selbstbestimmung hingegen gilt beispielsweise der massentaugliche Individualtourismus der Backpacker*innen weltweit. Umgekehrt jedoch stimmt ebenso: Wirkliche Rebellion lässt sich nicht vorrangig am Kleidungs- oder Lebensstil festmachen und kann durchaus auch einen Coolness-Faktor aufweisen (womit keine Nazis in Nadelstreifen gemeint sind). Die Frage lautet also: Ab wann degeneriert der radical style einer Szene zu einem bloßen radical chic. Wo bleibt er – trotz politisch erwünschter Sprachcodes und cleverem ästhetischem Ausdruck – lediglich an der Oberfläche, anstatt als Überzeugung tief zu gründen?

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Rastloses Streben nach Ermächtigung

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Ein Lied in dem Nina Simone mit vehementer Stimme und ein Rhythmus, der die innere Umtriebigkeit ausdrückt, ein rastloses Streben nach Ermächtigung besingt. Die Suche nach Schutz, Zugehörigkeit und Anerkennung ist eine, die es in eine kollektive Ermächtigung zu transformieren gilt. Dies beinhaltet jedoch auch mit unseren eigenen Unzulänglichkeiten und unserer eigenen Verhaftung in das System der Herrschaft zu brechen, was einem Kampf mit Dämonen gleich kommt.

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Post-Pseudo-Party-Depression

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Auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich diesen Blog genau bespiele, scheint mir Musik irgendwie dazu zu gehören. Nach getaner Kopf-Arbeit sucht der Mensch einen Weg, diesen frei zu kriegen. Daher bedient er sich prä-pandemischer Rituale, die auch damals nur gelegentlich funktionierten…

Wie auch immer, die Nerven ironisieren gekonnt den Konservatismus moderner Popmusik, welche mit der Depression kokettiert und danach trachtet, sich ins bestehende Schlechte einzufügen. Bricht das gewohnte miefige Ordnungsgefüge aus patriarchaler Kleinfamilie, Anerkennung in der Arbeitswelt und klaren hierarchischen Strukturen im Politischen auseinander, erscheint dem bürgerlichen Subjekt nach seiner konformistischen Revolte immer noch der Selbstmord näher, als ein sozial-revolutionäres Engagement. Ob im Lied der romantische Kitt freilich tatsächlich untergraben oder ihm gerade durch seine ironische Wendung ein Tribut gezollt wird, liegt im Ohr der Hörenden…

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