Wir bauen unsere Welten

Lesedauer: < 1 Minute

Wir bauen unsere Welten
gegen einen Haufen gekränkter Egoschweine
bauen wir am Miteinander
gegen Manipulation und Ausnutzung
bauen wir an Offenheit und Ehrlichkeit
gegen den falschen Schein der Selbstdarstellung
bauen wir an der wirklichen Begegnung
gegen Konkurrenz und Rücksichtslosigkeit
bauen wir an Kooperation und Solidarität
gegen die Sucht, sich an Lebensfetzen zu klammern
bauen wir an der Fülle der Einfachheit
gegen den Wahn, das eigene Glück zu schmieden
bauen wir am Wohlstand für alle
gegen den romantisch-illusionären Radikalitätskitsch
bauen wir an der wirklichen, sozialrevolutionären Bewegung
gegen den Profit, der alle Werte nivilliert
bauen wir am Wert des Lebens von allen
gegen unsere eigene Verhaftung in der Herrschaftsordnung
bauen wir daran, dieser zu entwachsen
Wir bauen unsere neuen Welten
wer baut mit?

Die Zerstörung des Sommertags

Lesedauer: 5 Minuten

Es stimmt, Träume sind persönliche Angelegenheiten und gehören sicherlich nicht mit aller Welt geteilt. Immerhin geben sie Einblick in das intimste Innere einer Person, einem hohen Gut, welches unter Bedingungen unseres heutigen social media-Aktivismus immer brüchiger wird. Darüber hinaus bewegt sich der öffentlich wirkende Intellektuelle (vom Selbstverständnis her, die Reichweite ist erst mal nebensächlich) ja immer im Widerspruch mit seiner eigenen Persönlichkeit zu wirken, um gesellschaftliche Themen zu erschließen und interpretieren – und dies natürlich möglichst anschaulich und aus einer bestimmten Perspektive. Traumtagebücher scheinen ja eher in die postadoleszente Lebensphase zu gehören, in welcher jene, die immer problematisieren und deuten müssen, bekannterweise vieles unheimlich geheimnisvoll und bedeutungsvoll erscheint, was sie in ihrem Inneren entdecken. Und diesen Entdeckungen, wie Traumbildern, wird dann eben unglaublich viel Bedeutungsgehalt zugeschrieben, wie es in der Hybris der romantisierenden Jugend so üblich ist. Bürgerliche Ideologen kommen aus dieser Phase ja nie raus, werden später in der Regel dann aber zynisch, arrogant oder versöhnlich. Dass ich davon noch weit entfernt bin, soll deswegen die Fragmente des folgenden Traums versinnbildlichen…

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Fluch auf die Querschwurbler

Lesedauer: 4 Minuten

Bevor die Genoss*innen aus Kassel die Audioaufnahme zu mei nem Vortrag veröffentlichen, hier schon mal vorab, der eingangs ausgesprochene Fluch, der als Auftakt der Veranstaltung diente. Möge er in zweihundert Jahren im Kanon der digitalen Lehrbücher stehen!

Fluch auf die Querschwurbler

ein Gedicht von Heinrich Heine

Oh ihr Querschwurbler!

Wie tief seid ihr gesunken! Wie unendlich hohl und niederträchtig ist eure Agenda! Wie bestialisch ist, was zu Tage tritt, wenn ihr euch versammelt; wenn ihr dem Wahnsinn huldigt und die Reste des gesunden Menschenverstandes verächtlich macht!

Euer Hass, der ein Selbsthass ist, eure Menschenfeindlichkeit, stinkt bis zum Himmel. Die Fantasiewelten, in die ihr euch eingerichtet habt und die ihr propagiert, zeugen von eurer Verkommenheit.

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Blumen über den Winter retten

Lesedauer: 5 Minuten

Einer, bei dem die antideutsche Regression ebenfalls um sich griff, fragte mich, wozu ich vor habe zu sprechen bei dem Kongress, antwortete ich: Zu sozialer Revolution und Anarchismus, das Übliche eben. Darauf hin meinte er zu mir: „Blumen über den Winter retten“. Ich sagte, mit Blumen hätte ich eigentlich überhaupt nichts am Hut, aber falls ich mal wieder nach Holland fahren sollte, würde ich mich damit vielleicht doch mal beschäftigen. Damit hatte sich das Gespräch erledigt.

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Konsummentalität

Lesedauer: 3 Minuten

Ich habe einen Freund. Und dieser Freund konsumiert. Ja klar wirst du sagen, so wie wir alle. Das Leben als ein Kreislauf des Einströmens und Ausströmens. Des Imports und Exports könnte man sagen. Alles im Fluss eben. Abgesehen davon, dass die Idiotie und Besessenheit der Menschen sich dermaßen verselbständigt hat, dass sie alles auffressen, alles zertrampeln und zerstückeln. Wir machen da mit. Und wir konsumieren alle, natürlich, das ist Leben. Es könnte nur eben auch ohne Zerstörung stattfinden. Das gilt es festzuhalten.

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Gedanken zu Heimat

Lesedauer: < 1 Minute
free licence unter: https://pixabay.com/de/illustrations/heimat-paradies-fl%C3%BCchtling-hoffnung-949942/

heimat ist
wo das heimatministerium
kampagnen zur erfindung von ursprünlicher kultur auflegt
und auf den verpackungen industriell gefertigter massenprodukte
blühende landschaften abgebildet werden

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poetische Urlaubsergüsse #1

Lesedauer: 4 Minuten

Ohne Urlaub wäre die Arbeit nur halb so schön! Ohne Urlaub für die mittleren Klassen würde der Kapitalismus zusammen brechen. Daher stand es im Corona-Sommer nicht wirklich zur Debatte, ob er gewährt werden kann, sondern nur wie. Urlaub oder Revolte hieß es. Dies war Anlass für mich genug, mal seit Jahren wieder zu versuchen, dem Geheimnis jenes Konsumguts auf meine deklassierte, bescheidene Weise, auf die Spur zu kommen. Dabei habe ich wohl einige weitere Gehirnzellen verloren, jedoch eine Erfahrung gewonnen. Um die volle Urlaubserfahrung zu genießen, wollte ich mich allerdings weniger mit der Fremde auseinandersetzen, sondern sie lediglich für meine eigene Regeneration und Inspiration konsumieren – wie man das halt so macht. Dazu gehört dann selbstverständlich auch deren Darstellung, der Bericht vom Erlebten. Herausgekommen sind unter anderem folgende Textfragmente.

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