Drama vom pandemischen Ausnahmezustand

Lesedauer: 29 Minuten

Originaltitel:

Von einem, der daheim blieb und das Fürchten noch lernte

oder: Drama vom pandemischen Ausnahmezustandes

Jonathan Eibisch

Gedicht von Thomas Gsella

Personen und Figuren:

Erzählstimme (aus dem Off, maßt sich an allwissend zu sein)

Der einfältige Junge

Die Anarchie

Ein Schelm

Die Regierung:
Die Kanzlerin
Der konservative Hardliner
Der konservative Gemäßigte

Zwei Virologen

Ein Vertreter der Wirtschaftsverbände

Zwei Journalist*innen

Drei Linke:
eine Parteilinke (mit angepinnter roter Nelke)
eine Bewegungslinke (mit Hipsterbrille)
ein Linksradikaler (im Autonomenstil)

Verschwörungstheoretiker*innen und Wutbürger*innen

Ein Rechtspopulist (mit Megaphon und Pistole)

Zwei grünliche Bürger*innen

ein Pfarrer

Krankenschwestern und -pfleger

drei Polizisten

Der Chor

es folgt ein Drama in 5 Akten

Verklärung der Vergangenheit vor der Zeitenwende

Lesedauer: 8 Minuten

zuerst veröffentlicht auf: untergrund-blättle.ch

von Jonathan

Wisst ihr noch wie‘s war im Jahr vor der Zeitenwende, vor Co.? Fast vergesse ich, was war in dieser alten Zeit, weil die neue ja so rasend ist in ihrem Stillstand, so bitter in ihrem süffisanten Frieden, in ihrer Ruhe, die nur durch‘s Gedröhn der medialen Propagandaschlacht gestört wird und ab und an durch eine Razzia in meinem Viertel. (Sie twittern immer, es ginge um die Isolierung von Infizierten.)

Die Bilder des Vergangenen verblassen in kürzester Zeit und so nimmt es mich Wunder, wie schnell die Geschichte sich umdeuten und umschreiben lässt – als wäre sie selbst nichts weiter, als die eigenartigen Fantasiegebilde, welche die Kleinen sich ab und an zurecht spinnen, weil sie eine schiere Lust daran finden, zu imaginieren, wie‘s noch gewesen sein oder ganz anders sein könnte. Realität und Interpretation verschwimmen. Und das zurecht, sind die Traumwelten, die wir uns bauen, zwar stets verarbeitete Abbilder des in der Vergangenheit und gegenwärtig Erfahrenen, darum aber immer auch Flucht vor einer verstörenden Wirklichkeit, ihrer Unverfügbarkeit und – ja – oft auch ihrer Grausamkeit, vor der unfassbaren alltäglichen Zerstörung, auf welche der Normalbetrieb der Zivilisation beruht.

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Das linke Ghetto aus Perspektive eines Schelmes

Lesedauer: 4 Minuten

Erinnerung an Die Glücklichen (Peter-Paul Zahl, Rotbuch-Verlag 1979)

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #105, November 2019

von: Mona Alona

Ein Knastbuch. Wiedermal. 40 Jahre nach seiner Ersterscheinung habe ich Lust an den Schelmenroman Die Glücklichen des anarchistischen Literaten, Druckers und Aktivisten Peter-Paul Zahl zu erinnern, dass er zwischen 1973 und 1979 während seiner zehnjährigen Haft schrieb. Für die Älteren mag es eine Erinnerung sein, bei den Jüngeren weiß ich nicht, ob jemand den Autoren noch kennt, der wegen seiner Antirepressionsarbeit in der Zeit der RAF abtauchte und dann unabsichtlich in einen Schusswechsel mit den Bullen geriet. Zum Leben von Zahl kann an anderer Stelle geschrieben oder nachgelesen werden. Für seinen überaus populären Roman Die Glücklichen ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, dass er zwischen 1966 und 1972 in West-Berlin lebte und dort die heiße Phase der 68er-Bewegung mitnahm.

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