Feministische Realitätszerstückelung

Lesedauer: 5 Minuten

Originaltitel: Die Realitäten zerstückelt, die Männer ent-mannt, alle Konventionen gebrochen und eine Menge Essen verschlungen

Filmempfehlung zu: „Sedmikrasky“ (engl. „Daisies“, dt. „Tausendschönchen“; 1966) von Věra Chytilová

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #85 / Jan. 2018

von Simone

Als „Prager Frühling“ wird von den westlichen Medien die gesellschaftliche Veränderungs- und Aufbruchsbewegung in Tschechien und der Slowakei 1968 bezeichnet. Die Kommunistische Partei ist nach schweren inneren Machtkämpfen auf einen Reformkurs eingeschwenkt und wollte einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ verwirklichen. Dazu kam es allerdings hauptsächlich, weil eine starke Bewegung aus verschiedenen Gruppierungen eine Liberalisierung und Demokratisierung der sozialistischen Gesellschaft einforderte und es nicht zu Letzt auch immer wieder zu wirtschaftlichen Krisen kam, die bei gleichzeitigem kulturellem Aufbruch zu großer Unzufriedenheit führten. Das Jahr 1968 – welches sich dieses Jahr zum 50. Mal jährt – war ein Jahr internationaler Revolten und Umbrüche, nicht nur ein Pariser Ereignis. In der BRD und Italien gab es noch die ganzen Altfaschist*innen in den Institutionen wie Uni, Schule, Stadtverwaltung, Ministerien usw. und die Frage kam auf, wie sich die eigenen Eltern im Krieg verhalten hatten. In den USA gab es die Bürgerrechtsbewegung und militante Auseinandersetzungen für die Rechte von rassistisch unterdrückten Gruppen sowie die Ablehnung des schrecklichen Vietnamkrieges. In den osteuropäischen Ländern wiederum waren nach 1961 eigentlich eine politische „Ent-Stalinisierung“ und wirtschaftliche Reformen versprochen worden.

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„Alles gut!“ – „Sag mal geht’s noch, du Alles-Gut-Mensch?“

Lesedauer: 8 Minuten

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #81 / Sept. 2017

Irmgard die beleidigte Anarchakonservative

Mensch, was brocke ich mir jetzt wieder ein, wenn ich schon zu Beginn des Artikels befürchten muss, manche*n in ihrer*seiner Empfindung, ihrer*seinem Sicherheitsgefühlen – ungewollt! – anzugreifen, in unser Weltbild reinzugrätschen und damit auch ganz mich selbst in Frage zu stellen. Verdammter Regentag, da kann ja nun nichts werden! Selbstzweifel nagen an mir, nagen an dir, die wir beide dann gewohnt sind, sie in Selbstkritik umzudeuten, welcher wir ja doch noch was Positives abgewinnen könnten. Aber darin liegt schon ein grundlegendes Missverständnis: Denn Kritik muss und braucht nicht „konstruktiv“ sein. Deswegen muss unsere Hoffnung dahingehend von vorne herein enttäuscht werden. Immerhin: So eine Ent-täuschung bringt dann vielleicht gelegentlich etwas Klarheit.

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