Das Zombie-Dasein der Allzudeutschen

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Vermutlich weil länger keine inhaltlichen Veranstaltungen mehr in öffentlichen Räumen stattfinden konnten, hatte ich kürzlich einen Irritationsmoment. Bei einem Vortrag von mir kreuzte ein Allzudeutscher auf. Als Klischee seiner selbst, schien er fast wie aus dem Bilderbuch entsprungen. In der Diskussion meinte der verkorkste Dude – der eigentlich eher wie auf Koks wirkte – kritische Fragen zu stellen, als er seine Kommentare abließ, die völlig am Thema vorbei gingen. Nun ja, wenn man Beiträge bringt, sollte man vielleicht auch nicht erst nach der Hälfte der Veranstaltung aufkreuzen. Doch weder dies, noch die Verkennung des Themas oder das Missachten einer angemessenen Diskussionskultur, hielten ihn offensichtlich davon ab, sich Raum zu greifen, wie er möchte und musste, kraft der bloßen Existenz seiner weißen Männlichkeit.

Das Thema sei nicht von den ökonomischen Grundlagen her gedacht, ich ginge von abstrakt konstruierten Utopien aus und überdies könne damit wohl keinerlei Antwort auf den Nah-Ost-Konflikt gefunden werden. So seine Rede. Ich antwortete, dass nun gerade eine wesentliche Kritik der Anarch@-Kommunist*innen an den Individualanarchist*innen darin bestanden habe, dass sie ihre Vorstellung von der Befreiung und Selbstentfaltung der Individuen nicht materialistisch und mithin ökonomisch erden würden – und dass er dies mitbekommen hätte, wäre er nicht erst bei der Hälfte aufgekreuzt.

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