Sozialismus als Schweine-System

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Als ich diese Zeichnung fand, musste ich zunächst herzlich lachen. Selbstverständlich wegen der Moralisierung, die dort drinnen steckt. Jede Herrschaftsordnung ist ein Schweine-System könnte man leicht sagen. Doch was ist mit der „République Sociale“, einer Bezeichnung, die auch Proudhon verwendete? Wenn jedes Schwein das bekommt, was es braucht und verdient hat, ist das dann gerecht? Sicherlich ist das eine Form von Ordnung, vielleicht sogar von einer rationalen und gut gemeinten. Ich hab überhaupt nichts gegen Schweine. Menschen teilen mit ihnen den Großteil ihres Genmaterials. Schweine sind sehr intelligent, sozial und reinlich.

Es sind die miserablen Haltungsbedingungen, welche sie in Konkurrenz setzen, weswegen sie von Dreck umgegeben sind und bösartig werden. Da lässt sich einiges „verbessern“, sicherlich. Aber meine Sehnsucht geht doch eigentlich dahin, ein Wildschwein zu sein. Borstig und ungekämmt, flink und wendig durch das Unterholz und über grüne Wiesen zu rennen. Ich sage nicht, dass dann alles schön wäre? Aber wäre es nicht „Freiheit“? Nun ja, es gibt Argumente für beide Seiten. Denn immerhin entsteht mein romantisches Faible für das Wildschwein-Dasein innerhalb einer technokratischen, durchregulierten, überall institutionalisierten Gesellschaftsform. Die sicherlich auch ihre Vorteile hat, welche ein Großteil nicht missen wollen würde. Würde ich umgekehrt als Wildschwein vielleicht sogar das Schweine-System der sozialen Republik bevorzugen? Das kann gut sein…

Eine Frage, die in diesem Zusammenhang allerdings nicht gestellt wurde, bezüglich jedes der Schweine-Systeme: Steht dahinter nicht doch ein Bauer, der die Dinge so anordnet, wie sie eben sind? Ein dummer und grausamer oder ein kluger und milder?

Introduction to fear

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Einige Gedanken zu Brian Massumi, „Everywhere you want to be. Introduction to fear“ (1993)

Der erwähnte Text, welche nun bereits wieder 28 Jahre alt ist, warf einige weitere Gedanken bei mir auf. Es handelt sich um einen poststrukturalistischen Text, auch wenn er die Annahme Sprache konstruiere soziale Realität, dadurch erweitert, dass die Affekttheorie geradezu von einer Produktion sozialer Realität durch Affekte ausgeht. Ohne mich bisher tiefgehender damit beschäftigt zu haben, erscheint mir diese Herangehensweise sinnvoll, um die Vorstellung des vermeintlich kohärenten, sich selbst setzenden, sich selbst bewussten Subjektes in Frage zu stellen. Mit anderen Worten, davon auszugehen, dass wir uns als fühlende Fleischsäcke durch die Welt bewegen, geformt und motiviert von Affekten, welche auf uns einwirken.

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