Online: Vortrag zu anarchistischem Syndikalismus

Lesedauer: 2 Minuten

Schließlich noch die Aufzeichnung eines Vortrags, den ich am 23.02. bei der FAU Leipzig gehalten habe, auf:

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Wie immer handelt es sich selbstverständlich um eine bestimmte Sichtweise. D.h. ich spreche hier NICHT im Namen der FAU, auch wenn wir den Lektüre-Workshop in ihrem Rahmen organisiert haben. (Das ist nicht nur eine formale Äußerung, sondern einfach fair gegenüber allen, die andere Sichtweisen haben und auch näher an der gewerkschaftlichen Praxis sind als ich!). Der erste Teil zur Klassengesellschaft ist im Verhältnis zu den anderen Punkten etwas lang g

eraten. Im Grunde genommen bräuchte es eigentlich 5 Grundlagen-Vorträge, in denen die einzelnen Gliederungspunkte angemessen und fundiert ausgeführt werden würden: 1) Klassengesellschaft im 21. Jahrhundert, 2) Geschichte des Anarch@-Syndikalismus, 3) Grundbegriffe, 4) Die Kluft überwinden: Ansprüche und Wirklichkeiten, 5) Konturen eines libertären Sozialismus und die Rolle autonomer Gewerkschaften heute.

Die Folien dazu findet ihr wiederum hier:

Grundlagen des anarchistischen Syndikalismus

Der anarchistische Syndikalismus ist eine Strömung in der Gewerkschaftsbewegung, welche die Selbstorganisation der Arbeiter*innen, ihre Autonomie gegenüber Staat und Parteien und den Föderalismus betont. Mit ihm werden die direkte Aktion als Methode bevorzugt, die Ermächtigung der Arbeiter*innen und die Herausbildung ihres Bewusstseins befördert. Anarchistische Syndikalist*innen gehen dabei von einem weiten Klassenbegriff aus, unter dem sich Lohnabhängige aus unterschiedlichen sozialen Situationen und Positionen in der Klassengesellschaft zusammenschließen können. Dabei dienen die Syndikate zugleich als Kampforganisationen und Keimzellen der angestrebten Gesellschaft und versuchen sie somit bereits im Hier&Jetzt zu verwirklichen.

Die höflichen anarcho-syndikalistischen, libertär-kommunistischen Revolutionäre

Lesedauer: 14 Minuten




Da ich ja zuletzt mit dem Syndikalismus gearbeitet habe, führte mich dies unter anderem auch dahin, einen Blick in den vergilbten Band Ökonomie und Revolution (Wien: Monte Verita-Verlag 1986, bzw. Karin Karmer-Verlag 1975) zu werfen. Den ersten Beitrag von Juan Peiró zu Syndikalismus und Anarchismus (1936) kann ich an dieser Stelle überspringen, da im Wesentlichen Grundlagen des anarchistischen Syndikalismus zusammengefasst werden, welche sich ebenso zum Beispiel bei Rocker und anderen finden und daher hier nicht wiedergegeben werden müssen. Nett darin ist beispielsweise jedoch diese aufrüttelnde Formulierung:

„„Die Welt erobert man nicht mit Worten, sondern mit Taten. […] Bis jetzt ist der Anarchismus nicht mehr als ein Kompendium gesprochener Wahrheiten, ein moralischer und intellektueller Wert, ohne daß er die Realität tatsächlich durchdringt – oder besser gesagt, Möglichkeiten und praktische Aufgaben realisiert, die eine künftige Gesellschaft, und sei es auch nur prinzipiell, antizipieren. Es reicht nicht aus, von einer neuen Gesellschaft, die zunächst nur eine Minderheit will, immerzu nur zu reden. Wir müssen mit Taten zeigen, daß die von uns angestrebte Gesellschaft nicht ein Hirngespinst oder eine Utopie ist, was die Feinde einer wirklichen Gerechtigkeit behaupten.“ (40)

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Kritischer Kommentar zu „Schwarze Flamme“

Lesedauer: 7 Minuten

Eine Rezension für das große Buch von Michael Schmidt und Lucien van der Walt (englisch 2009, deutsch 2013) brauche ich sicherlich nicht mehr schreiben, aber ja, ich habe es jetzt auch mal ganz gelesen. Ersterer Autor hat politisch ja etwas geirrlichtert, wie man so munkelt. Allerdings ging ich ohnehin davon aus, dass vor allem van der Walt das Werk geschrieben hat, zu welchem der angekündigte zweite Band, in welchem es um Syndikalismus weltweit gehen sollte, leider bisher nie erschienen ist.

Gut und beeindruckend an Schwarze Flamme ist die fundierte Recherche und der nachvollziehbare Argumentationsgang. Die Autoren stecken wirklich in den Debatten der jeweiligen Zeit drin. Syndikalismus wäre in der heutigen Welt mit ihrer armen, („eindeutig“ so zu benennenden) Arbeiter*innenklasse von mehr als 2 Milliarden Menschen und den entsprechenden eklatanten Vermögens- und Machtunterschieden der Klassen im 21. Jahrhundert eine relevante Bewegung. Was jedoch weitgehend vergessen worden wäre, sei die Geschichte des Syndikalismus, weswegen Schmidt und van der Walt ein vorrangig historisches Buch schreiben wollten. Dabei gälte es insbesondere an die „glorreiche“ Zeit des Syndikalismus zwischen 1890 und 1920 zu erinnern. – So weit, so verständlich. Gegen die historische Betrachtung habe ich nichts und zweifellos lässt sich aus vergangenen Debatten und Erfahrungen viel für die heutige Praxis lernen. Zu viel wird immer wieder vergessen und verdreht. Zugleich finde ich die Herangehensweise dahingehend schwierig, als das sie ihren Gegenstand meiner Ansicht nach als angestaubt konserviert und ihn als Sozialromantik konserviert. Wie viele Mitglieder welche syndikalistische Gewerkschaft hier und da irgendwann hatte – meine Güte, ich kann es nicht mehr hören! In gewisser Hinsicht bilden die Autoren damit allerdings tatsächlich den theoretischen Stand des Syndikalismus ab. Eine neue große Geschichte, kann nur geschrieben werden, wenn sie sich auf die alte bezieht, aber auch aus ihre herausschält.

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Mit dem Syndikalismus gegen den Syndikalismus?

Lesedauer: 6 Minuten

Inzwischen kam ich dazu die ersten drei veröffentlichten Teile des Textes Skizze eines konstruktiven Sozialismus von Holger Marcks ganz zu lesen. Da er auf der Homepage der Föderation der FAU erschienen ist und es aktuell kaum andere ausführliche Beiträge aus anarcho-syndikalistischer Richtung gibt wirkt er wie ein Grundlagentext, welcher von FAU-Mitgliedern möglichst gelesen werden sollte. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang jedoch noch mindestens die Schrift von Torsten Bewernitz Syndikalismus und neue Klassenpolitik. Eine Streitschrift.

übernommen von: https://www.fau.org/materialien

Leider habe ich gerade nicht die Zeit und die Muße eine ausführlichere Besprechung von Holger Marcks Text zu leisten, möchte aber dennoch ein paar Eindrücke und Kritikpunkte benennen. Doch zunächst zur Form: Der Text besteht aus den Teilen (1) Syndikalistische Transformationspolitik: Die Vermittlung zwischen Realität und Utopie, (2) Multiple Gewerkschaften als Unterbau: Erste Bausteine der Gegenmacht und (3) Grundlagen der Konstruktion: Das Gefüge transformatorischer Organisation. Im bisher noch nicht veröffentlichten vierten Teil soll es dann um programmatische Konsequenzen aus den mikropolitischen Erfahrungen und die utopische Vision gehen.

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