Material: Anarchismus – Sozialismus?

Lesedauer: 3 Minuten

Mit diesem Schema wird deutlich, dass ich den Anarchismus als Hauptströmung des Sozialismus ansehe. Die leite ich einerseits aus der Ideengeschichte ab und andererseits aus der ethischen Wertebasis, die meiner Ansicht nach alle „echten“ Sozialist*innen teilen. Beispielsweise haben sich die anarchistischen in zahlrecihen Debatten und Streits innerhalb des sozialistischen Lagers entwickelt. Als sich der Anarchismus als eigenständige Strömung formierte, geschah dies, um die als ursprünglich angenommenen Organisationsvorstellungen (z.B. den Föderalismus, die Dezentralität) und die Grundanliegen (z.B. der Anti-Nationalismus, Selbstorganisation von unten) entgegen dem hierarchischen Prinzip von sozialistischen Parteien und ihrer Integration in die bestehende politische Ordnung zu verteidigen. John Holloway macht diese Unterscheidungen der Hauptströmungen des Sozialismus in Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen auf und ebenso Erik Olin Wright in Reale Utopien.

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Hinweis auf Sendung „Quarantimes“

Lesedauer: < 1 Minute

Beim FSK-Radio produziert ein Gefährtx seit geraumer Zeit eine Sendung mit dem Titel „Quarantimes“. Anlass war wie bei so einigen die Schockstarre, welche durch kapitalistisch funktionierende Medien und Regierungspropaganda ausgelöst wurde. Die reale Covid19-Pandemie wird in vielerlei Hinsicht bleibende Auswirkungen haben – nicht nur gesundheitliche. Sie dient als passender Vorwand, die Legitimation und Souveränität von Staatlichkeit nach dem 1. Fünftel des 21. Jahrhunderts zu reetablieren. Im Unterschied zu wutbürgerlichen Arschlöchern, welche Verschwörungstheorien anhängen um die Komplexität der Welt zu leugnen, wollen Anarchist*innen die Demontage der Herrschaftsordnung. Definitiv lässt sich auch eine global verbreitete Erkrankung durch Strukturen der Selbstorganisation eindämmen – wenn zugleich ihre Beschleunigungsmotoren wie beispielsweise die industrielle Landwirtschaft abgebaut werden…

All dies gibt also Anlass zum Nachdenken und zwar über viele weitere Themen, über die Gesellschaft, in welcher wir leben und wie sie sich verändern lässt. Darum hört also mal bei Quarantimes rein!

#30 Feuer und Asche

#29 Lieb.ich sein

#28 Bewegung

#27 Testament

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Material: Verhältnis von „Anarchismus“ und „Wissenschaft“

Lesedauer: 4 Minuten

Das Verhältnis von „Wissenschaft“ und“ Anarchismus“ ist zurecht zu problematisieren. Beides steht hier in Anführungsstrichen, weil zunächst definiert werden müsste, was darunter jeweils zu verstehen ist. Wissenschaft kann einen Teil dazu beitragen, zu erhellen, was Anarchismus ist. Aber eben nur einen Teil und nie vollständig, denn er hat mit dem Leben von eigenwilligen und unendlich komplex interagierender Menschen (und anderer Kreaturen) zu tun. Es gibt auch Leute, die überhaupt das Nachdenken über ein Verhältnis von Anarchismus und Wissenschaften pauschal ablehnen. Das ist meiner Ansicht nach ein strategischer Fehler, widerspricht aber auch dem, was Anarchismus auch ist: ein Set an komplexen Weisen, darüber nachzudenken, wie moderne Gesellschaften ohne Herrschaft organisiert werden können. Beispielsweise wurde das Wort und Konzept der „Selbstorganisation“ aus der wissenschaftlichen Diskussion in die politische eingebracht. Wie auch immer, hier zumindest 6 mögliche Konstellationen:

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23 Thesen zum Anarchismus (Gabriel Kuhn)

Lesedauer: 22 Minuten

Vor inzwischen vier Jahren erschien der Text Revolution ist mehr als ein Wort: 23 Thesen zum Anarchismus. Was ich enorm gelungen finde und womit ich mich stark identifizieren kann, ist die involvierte wie zugleich selbstkritische Position, welche Gabriel Kuhn darin einnimmt. Programmatische Thesen zu schreiben hat eine lange Tradition. Werden sie von Personen verfasst, welche sich selbst in einer Rolle der Nur-Theoretiker*innen sehen, verfehlen sie jedoch in der Regel ihren Gegenstand, auch wenn ihre Aussagen aus einer bestimmten Perspektive ihre Richtigkeit haben mögen. Dieser Text hingegen ist ein Anstoß, in welchem deutlich wird, dass der Autor weiß, wovon er spricht. Seine klare Positionierung im anarchistischen Lager ermöglicht erst jene selbstkritische Herangehensweise, die von Menschen, für welche ihre inhaltliche, politische Position stark mit ihren persönlichen Erfahrungen, Wünschen, Sehnsüchte etc. verbunden ist, auch angenommen werden kann.

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Kleine Geschichte der Anarchie (Film)

Lesedauer: 4 Minuten

Weil ich davon ausgehe, dass die meisten Lesenden die Doku „Kein Gott, kein Herr! Eine kleine Geschichte der Anarchie“ bereits gesehen haben, hat die Verlinkung eher dokumentarischen Charakter. Tancrède Ramonet produzierte 2013 den Film, welcher dann 2017 glaube ich auch bei Arte in Deutschland lief. D.h. nicht die gesamt vierteilige Reihe, sondern lediglich die ersten beiden Teilen mit den Titeln „Lust an der Zerstörung (1840–1914)“ und „Erinnerung der Besiegten (1911–1945)“. Die beiden letzte Teile wurden dann trotz des Erfolgs der ersten nicht weiter finanziert, ohne, dass es dafür eine Begründung der öffentlich-rechtlichen Sender gegeben hätte. Allerdings kam mittlerweile über eine Crowdfunding-Kampange die Gelder zusammen.

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Anarchist Studies Network / 6th International Conference

Lesedauer: 17 Minuten

In einem Monat findet die 6. internationale Anarchist Studies Conference statt. Eigentlich wollten wir mit einigen Leuten nach Nottingham fahren. Aufgrund der allgemeinen Lage findet die Konferenz nun digital/virtuell/online wie auch immer statt. Das Programm verspricht allerdings schon einige interessante Themen, wobei der Call for Papers des britischen Anarchist Studies Network schon beendet ist. Ihr findet die Einladung zur Partizipation zum Leitthema „Anarchy in Crisis“ unten auf mehreren Sprachen. Bei Interesse, müsstet ihr auch noch teilnehmen können…

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Erich Mühsams Beitrag für eine anarchistische Synthese

Lesedauer: 18 Minuten

Originaltitel: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat – Erich Mühsams Beitrag für eine anarchistische Synthese

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #109, Juli 2020

Mit seinem Traktat Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat. Was ist kommunistischer Anarchismus? schrieb Erich Mühsam eine lesenswerte Schrift, die weite Verbreitung gefunden hat. Der Literat, Aktivist und Lebenskünstler verfasste sie im Jahr 1932, das heißt zwei Jahre vor seiner Ermordung durch die Nazis im KZ Oranienburg am 10. Juli 1934. In diesem Beitrag ordne ich den Text historisch ein, stelle dar, warum sein Autor damit einen Beitrag zum synthetischen Anarchismus formuliert und kritisiere einige Annahmen, um ihren Gehalt weiterzuentwickeln.

von Jens Störfried

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