Autonome Theorieentwicklung – zum Beispiel Jörg Djuren

Lesedauer: 2 Minuten

In meinem Nachdenken über das Verhältnis von Anarchismus, Widerständigkeit, Theorie und Wissenschaft habe ich geäußert, dass es verschiedene Ebenen und Felder gibt, in denen anarchistische Theorie entsteht. So können Erkenntnisse aus akademischer Forschung Werkzeug für Aktive in der anarchistischen Szene liefern, ebenso, wie Entwicklungen in sozialen Bewegungen und ihren Kämpfen Theoretiker*innen inspirieren und ihre Theorie besser machen können. Ohnehin sollten wir derartige Trennungen nur schematisch ziehen. Letztendlich gilt es darauf zu schauen, wo die jeweiligen Personen stehen, welche Anliegen sie verfolgen, welche Mittel sie wählen und an welchen Schnittstellen sie stehen, um beurteilen zu können, ob ihr Handeln anarchistischen Ansprüchen entspricht.

Ich nichts dagegen habe, wenn anarchistische Themen und Perspektiven auch im akademischen Rahmen mehr diskutiert und verbreitet werden. Dies führt meiner Ansicht nach auch keineswegs zu einer „Akademisierung“ des Anarchismus insgesamt, die allerdings auch problematische Seiten hat. Sich theoretischem (und auch strategischem) Denken zu verweigern ist aber eben auch nicht die Lösung. In jedem Fall braucht es eine autonome Theorieentwicklung. Und dies ist leichter gesagt als getan, sind die Ansätze für eine selbstbestimmte Beschäftigung mit Theorie doch in den letzten Jahren zurückgegangen. Zumindest, als kollektive und selbstorganisierte Praxis.

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Eine Analyse des Sozialprotests am 5.9.

Lesedauer: 11 Minuten

Ich spiegele diesen Text von Indymedia zu Dokumentation, weil er meiner Ansicht nach eine wirkliche Analyse der Ereignisse darstellt, in im pragmatisch argumentiert wird, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Thesen im Rückblick auf das Protestspektakel vergangenen Montag in Leipzig und im Ausblick auf eine Eskalation des Heißen Herbstes

1.Ein Bild aus der Zukunft…

Mit großen Erwartungen wurde dem vergangenen Montag (5.9) entgegen geblickt: Sören Pellmann, MdB der Linkspartei, initiierte mehr oder weniger im Alleingang eine Montagsdemonstration gegen die Teuerungen und die kommende Krise, die sich offen an die Proteste gegen die Hartz4-Reformen im Jahr 2004 anlehnen wollte. Während der Elsässer Jürgen und Ziegenbauer Kubitschek sich eine kommenden Querfront herbeisehnten, standen die Irene Kokot und Jürgen Kasek mit einem derart flauen Gefühl am Morgen auf, dass sie gleich ganz Linkstwitter davon in Kenntnis setzen mussten, sämtliche Journaillie von MDR über Sat.1, Compact oder gar ServusTV war mit Kamerateams vor Ort, der Auftakt zum heißen Herbst wollte gründlich aufgezeichnet werden. Nicht gering daher auch die Aufregung unter den eigenen Gefährt*innen, sodass doch das ein oder andere Gesicht zu sehen war, was sich zuletzt nicht mehr allzu häufig auf die Straße verirrt hatte. Auch die Vorbereitung auf die Demo war gründlicher – aber aufgrund der Unklarheit der Situation auch etwas schwieriger als üblich. All die Aufregung: wenig verwunderlich, steht der Bevölkerung der Bundesrepublik doch die größte soziale Verwerfung mindestens seit den Hartz-Reformen der rot-grünen Bundesregierung ins Haus – mitunter sogar recht handfest in Form abenteuerlich teuren Einkäufen in Supermärkten oder den kommenden abstrus Erhöhungen von Gas, Strom, Energie.

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„Thüringen goes Hamburg?“

Lesedauer: 4 Minuten

Einige Gedanken zur Beteiligung Thüringer Bewegungs-Linker an den Protesten gegen den G20-Gipfel

zuerst veröffentlicht in: AIBJ

von Hermann

Was machen ein paar dutzend Thüringer an einem verlängerten Wochenende in Hamburg? Eine Klassenfahrt? Party auf der Reeperbahn? Arbeit suchen in einer der reichsten Städte der BRD? Normalerweise wahrscheinlich sowas in der Art. Das Wochenende um den 7./8. Juli bewog Menschen mehrheitlich aus anderen Gründen die Hafenstadt zu besuchen…

Gründe um gegen das Herrschaftssystem in dem wir leben und seine Auswüchse zu protestieren gibt es so viele wie Menschen, die darunter leiden; Kristallationspunkte für die Manifestation eines antikapitalistischen, emanzipatorischen Aufschreis gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung eigentlich auch. Insofern ist die Frage zu stellen, weswegen gerade der G20-Gipfel als Symbol den Widerstand einer großen Zahl Menschen auf sich zog.

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„THIS is Propaganda – Yeah! Yeah! Yeah!“*

Lesedauer: 7 Minuten

*So lautete die Aufschrift eines selbstironisches Plakats bei einer einer Hausbesetzung am 1. und 2. Juli in Jena, die Jens Störfried im Folgenden illustriert und interpretiert.

zuerst veröffentlicht in: Lirabelle #6 / Sept. 2014

von Jens Störfried

Mein Artikel in der letzten Lirabelle endete mit den Worten, das Intervention im Sinne eines kollektiven und widersprüchlichen Bewusstseinsbildungsprozess organisiert werden soll. Seit dem Erscheinen jenes Artikels, aber auch nach der letzten Besetzung ein halbes Jahr zuvor, am 6. Dezember 2013, haben sich die Prozesse weiterentwickelt und mündeten eben in jenem zweiten Versuch am ersten Juli. Inwiefern diese Aktion als gelungen betrachtet werden kann oder nicht, was ihre Erfolge waren und wo sie hinter ihren Ansprüchen zurück blieb, ob der organisatorische Aufwand in angemessenem Verhältnis zu den Zielen stand, und ob es ihr gelang auf der vorherigen Besetzung aufzubauen und diese weiterzuentwickeln – all dies sind Fragen, die es zu diskutieren gilt. Es sind Fragen, die nun diskutiert werden können und zwar nicht im abstrakten luftleeren theoretischen Raum, sondern anhand geschaffener Tatsachen, welche nicht damit vergehen, dass die Besetzer_innen nach 23 Stunden – diesmal zumindest juristisch korrekt – von Schlägern in Uniform geräumt wurden.

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Zur Hausbesetzung in Jena 2013

Lesedauer: 7 Minuten

Originaltitel: Darstellung und Interpretation der Hausbesetzung am 06.12.2013 in der Neugasse 17 in Jena

zuerst veröffentlicht in: Lirabelle #5 / Juni 2014

von Jens Störfried

In diesen Zeiten emanzipatorisch zu überleben ist schwer genug. Dies fällt noch mal schwerer, ist eine_r im Knast und wir daher alle Gefangene sind.[1] Trotz allem Mensch zu sein ist eine schier unendliche Herausforderung, welche für ihre Bewältigung nur durch die Auseinandersetzung in den und gegen die herrschenden Verhältnisse geschehen kann. Das radikale Abarbeiten an den kleinen und großen widersprüchlichen und widerlichen Alltäglichkeiten ist jener konkrete Prozess, welcher das Ziel einer befreiten Gesellschaft stets neu wieder ins Bewusstsein ruft und unsere eigene Orientierung darauf hin zu lenken vermag. Wenn (Anti)Politik sich in diesem Sinne nicht einer Begründung, jedoch einer vollständigen Rechtfertigung entzieht, da sie dem subjektiven Bedürfnis des eigenen menschlichen Überlebens entspringt, braucht es keine (moralischen) Urteile darüber, wer welche Beiträge leistet und wie qualifiziert sie im Detail sind. Wir haben die Wahrheit nicht gepachtet, machen uns aber auf den Weg, verdrängte Wahrheiten ans Licht zu bringen.

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