Einen Frontbrief bitte!

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Schreib mir doch mal wieder einen Brief! An die Front. – Die feuchten Träume der Neuen Rechten haben sich zwar noch nicht erfüllt, den einen Bürgerkrieg gibt es bisher noch nicht. Also bitte keine Kriegsrhetorik und Fetischpflege! Andererseits: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Und wer nicht kämpft, kann die Kämpfenden auch nicht verstehen; jene, die sich die Auseinandersetzung nicht ausgesucht haben, sondern zu ihr getrieben wurden, weil sie die Würde besitzen, sich der Herrschaft entgegen zu setzen. Die Arten, Weisen und Mittel mit denen sie kämpfen können sehr verschiedene sein. Eine ungeklärte Frage bleibt dabei: Schließen sich Lebensgenuß und Kampf kategorisch aus? Ich tendiere zu „Ja“. So singt Rolando Alarcón im Volkslied sinngemäß: An der Front fressen sie Granatsplitter. Daran ist nicht nur aus historischen Gründen zu erinnern. Emma Goldman hat trotzdem recht, wenn sie meint: If I can’t dance, it’s not my revolution. Denn soziale Revolution ist eben nicht nur Kampf…

Ne Znam #9 erschienen – Kritik einer Falschdarstellung des anarchistischen Revolutionsverständnisses

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Von mir unbemerkt erschien die 9. Nummer der Ne Znam. Zeitschrift für Anarchismusforschung. Neben Beiträgen von Olaf Briese, Hartmut Rübner, Jens Kastner und Wolfgang Eckhardt, findet sich auch wieder ein Beitrag von mir darin. Darin kritisiere ich auf eine kleinliche Weise – wie es sonst eigentlich nicht meine Art ist – Florian Grossers Darstellung des anarchistischen Revolutionskonzeptes. Ich zeige auf, dass Grosser die Texte der beiden hauptsächlichen Denker auf die er sich bezieht – Bakunin und Kropotkin – nicht verstanden und möglicherweise noch nicht einmal gelesen hat. Vielmehr scheint Grosser nur seine vagen Vorurteile bestätigen zu wollen. Das ist sehr schade, immerhin handelt es sich um einen Einführungsband zu „Revolution“. Der Beitrag findet sich unter „Texte“…

Hausdurchsuchung anarchistische Bibliothek kalabal!k Berlin

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Heute wurden mindestens 6 Personen in Berlin und Athen von der Polizei besucht. Der lächerliche Vorwurf bezieht sich auf Bildung einer kriminellen Vereinigung nach §129a. Nachdem vor einer Weile erst der „Rote Aufbau“ einen umfassenden Repressionsschlag ausgesetzt war, sind nun offenbar die Anarchist*innen noch mal wegen dem Protest gegen den G20-Gipfel vor 3 Jahren dran. Auch davon betroffen ist die anarchistische Bibliothek kalabal!k. (indymedia) (Tagesschau, Neues Deutschland, rbb berichteten). In Leipzig ist eine Solidemo für die Betroffenen angekündigt (indymedia). Übrigens gab es schon vor 2 Jahren eine Durchsuchung der kalabal!k. Mensch könnte annehmen, die Cops ahnen, dass gewisse Bücher Sprengstoff sein können. Nun eben nicht so, wie sie sich oder eine Staatsanwaltschaft das vorstellen…

Fetischisierung der Jugend

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Am Stadtrand im Wald stand es auf eine kleine Metallbrücke gesprüht. „Jugend voran!“ stand dort in unsauberen Buchstaben geschrieben. Und daneben das Symbol der staatskapitalistischen „kommunistischen“ Herrschaftssysteme. Daran nahm ich dann auch Anstoß, nicht daran, dass hier jemand öffentliches Eigentum beschrieben hatte. Du kennst sie ja, die Kommi-Kidz, dachte ich mir. Vor allem viel Rumgemackere aber wenig dahinter. Hat schon auch seinen subjektiven Grund, dass ich dort nie gelandet bin. Hat natürlich auch biografische Gründe.Wie auch immer, man begegnet sich eigentlich nur, wenn man sich irgendwo anblafft. Was aber sollte das überhaupt sein „Jugend voran!“?

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Frei:Raum

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Gestern, als ich die „Soziale Kampfbaustelle“ in Connewitz besuchte, war ich eher in meinen eigenen Gedanken und mit dem Lecken meiner Wunden beschäftigt, als dass ich mich auf Leute und Programm hätte einlassen können. Mit einer massiven Polizeipräsenz wurde die Demo „Kämpfe verbinden“ wegen einer Lappalie aufgelöst und zerstreut. Die Medien berichteten, was sie vorher bereits notiert hatten und doch immer der selbe Schwachsinn ist. Man kennt es, aber es ist ärgerlich. Die viel beschworene „Gewalt“ von Linksautonomen wird herbei geschrieben um den Rechtsterrorismus zu relativieren. Hinzu kam zu späterer Stunde ganz klar, dass die Polizei ihre massives Aufgebot rechtfertigen musste, also den Streit provozierte, der ohne sie gar nicht entstanden wäre.

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Schatzkiste: Revolutionäre Regierung (Peter Kropotkin)

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Eine Reihe verschiedener Schriften verfasste Peter Kropotkin zwischen 1879 und 1882. Sie wurden zunächst nacheinander von einer Londoner anarchistischen Gruppe als Broschüren gedruckt und verteilt. 1922 dann brachte Pierre Ramus die erste deutschsprachige Ausgabe heraus. Seitdem hatten sich die Zeiten stark verändert. Denn zum Zeitpunkt der Abfassung der Texte war Kropotkin erfüllt vom Glauben an eine unmittelbar bevorstehende umfassende Revolution. Die Frage für ihn – und vermutlich auch viele seiner sozialistischen Zeitgenoss*innen – war nicht ob die Revolution kommt oder sogar, wie sie herbeigeführt werden könnte, sondern wie sie gestaltet und in welche Richtung sie geleitet werden könnte. Denn die Erfahrungen der großen Französischen Revolution ein Jahrhundert zuvor, wie auch jene in den 1840ern hatten gelehrte, dass revolutionäre Bewegungen keineswegs nur in eine emanzipatorische, egalitäre und solidarische Richtung führen, sondern ebenso zur Etablierung neuer Herrschaftsordnungen und zum Ausbau des Staates dienen können. Im Text schreibt er:

„Eine Regierung zu stürzen – für einen Bourgeoisrevolutionär ist dies das höchste Ziel. Für uns bedeutet dies nur den möglichen Beginn der sozialen Revolution.“

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Aktionstage: No Summit, but Solidarity (11.-14.09)

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Der riesige EU-China -Gipfel wurde vor einer Weile abgesagt. Die Corona-Pandemie diente als (nachvollziehbarer) Grund, dennoch mögen auch Spannungen in der internationalen Politik ein Verschiebung nahe legen. Immerhin erregte die andauernden demokratischen Proteste in Hongkong und ihre massive Unterdrückung eine große Aufmerksamkeit. Über die Interessensschnittpunkte hinsichtlich von Handelsbeziehungen, militärischer Kooperation und dem Austausch von Überwachungstechnologien der beiden Machtblöcke sollte jedoch nicht hinweg getäuscht werden. Immerhin gibt ab morgen vom 11.-14.09. trotz der Verschiebung des Anlasses, einen kleinen Gegengipfel unter dem Motto „No Summit, but Solidarity“.

Präfiguration muss praktisch werden

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Buchbesprechung zu: Alissa Starodub (2020): Lasst es glitzern, lasst es knallen, Münster: Edition assemblage.

zuerst veröffentlicht auf: untergrundblättle.ch

Mit ihrem aktuellen, an soziale Bewegungen orientierten Buch, teilt Alissa Starodub ihre Gedanken und Erfahrungen in Hinblick auf die Herausbildung einer solidarischen Gesellschaft.

Anhand der vier Hauptbeispiele von solidarisch-ökologischer Landwirtschaft, Freiräumen, den Protesten gegen Gipfeltreffen von Regierungspolitiker*innen und Kollektivbetrieben umkreist sie den Begriff der Präfiguration. In ihren Wort beschreibt diese „eine Art der Bewegung in Richtung Utopie, die potentiell überall auftreten kann, um soziale Transformation von unten zu erzeugen. Prefiguration besteht aus vielen kleinen, ineinander verwobenen Praktiken, aus unfertigen Versuchen, die nie ihr Ziel voll und ganz erreichen. ‚Prefiguration‘ beschreibt eine unendliche Multiplizität von Praktiken, die immer um eigene Aktionen erweitert werden kann“ (S. 17).

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