Trostpreis für die ostdeutsche Transformation

Lesedauer: 11 Minuten

Mein für den Eos-Preis der HARP eingereichter Text zum linken Geschichtsverständnis nach 1989 aus philosophischer Perspektive, kam leider nicht in die Auswahl der besten drei. SCHADE! Aber gut, ich bin auch kein Philosoph, zugegeben. Ich denke, er ist dennoch lesenswert und dabei durchaus subjektiv.

Gestern erschienen auf dem Blog der HARP bzw. unter Texte.

Vom Loslassen der Kadaver, dem Begreifen von (Un)Gleichzeitigkeiten und dem Entwurf eines emanzipatorischen Meta-Narrativs

von Jonathan Eibisch

Einige haben vermutet, dass mit dem scheinbaren Triumph von Liberalismus und Kapitalismus diese Geschichte [von Befreiung] nun am Ende ist. Doch das ist unwahrscheinlich. Trotz geringer Beachtung […] kämpfen Millionen von Menschen jeden Tag darum, sich aus der Unterdrückung zu befreien und gleiche Rechte und soziale Gerechtigkeit zu erlangen. Diese Bemühungen werden jedoch häufig von Beobachtern […] als unerklärliche Handlungen verängstigter und verwirrter Menschen (miss-)gedeutet […]. [O]bwohl der liberaldemokratische Kapitalismus weiterhin die Vorstellungen davon prägt, was möglich ist, sollten wir nicht zulassen, dass er die Interessen und Sehnsüchte derjenigen verschleiert und verdeckt, die von ihm marginalisiert und ausgegrenzt werden.“ (Eric Selbin)1

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Wider_sacher_in: Problemverlagerung

Lesedauer: 2 Minuten

Was soll dieser Blog? Ja klar, angeblich geht es wieder mal um „die“ Sache. Was ist das hier ausgebreitete Konzept von „anarchistischer Theorie“ denn mehr als das Bestreben, anderen die Welt erklären zu wollen? Ist dieses Anliegen nicht gespeist aus der zwar verbreiteten – deswegen gleichwohl keinesfalls weniger traurigen – Grunderfahrung, dass die Welt sich unverständlich, irritierend, all zu oft auch konfliktbehaftet darstellt?

Hieronymous Bosch : Bildelement von „Der Garten der Lüste“ (lizenzfrei)
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Kleine Geschichte der Anarchie (Film)

Lesedauer: 4 Minuten

Weil ich davon ausgehe, dass die meisten Lesenden die Doku „Kein Gott, kein Herr! Eine kleine Geschichte der Anarchie“ bereits gesehen haben, hat die Verlinkung eher dokumentarischen Charakter. Tancrède Ramonet produzierte 2013 den Film, welcher dann 2017 glaube ich auch bei Arte in Deutschland lief. D.h. nicht die gesamt vierteilige Reihe, sondern lediglich die ersten beiden Teilen mit den Titeln „Lust an der Zerstörung (1840–1914)“ und „Erinnerung der Besiegten (1911–1945)“. Die beiden letzte Teile wurden dann trotz des Erfolgs der ersten nicht weiter finanziert, ohne, dass es dafür eine Begründung der öffentlich-rechtlichen Sender gegeben hätte. Allerdings kam mittlerweile über eine Crowdfunding-Kampange die Gelder zusammen.

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Einen Frontbrief bitte!

Lesedauer: < 1 Minute

Schreib mir doch mal wieder einen Brief! An die Front. – Die feuchten Träume der Neuen Rechten haben sich zwar noch nicht erfüllt, den einen Bürgerkrieg gibt es bisher noch nicht. Also bitte keine Kriegsrhetorik und Fetischpflege! Andererseits: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Und wer nicht kämpft, kann die Kämpfenden auch nicht verstehen; jene, die sich die Auseinandersetzung nicht ausgesucht haben, sondern zu ihr getrieben wurden, weil sie die Würde besitzen, sich der Herrschaft entgegen zu setzen. Die Arten, Weisen und Mittel mit denen sie kämpfen können sehr verschiedene sein. Eine ungeklärte Frage bleibt dabei: Schließen sich Lebensgenuß und Kampf kategorisch aus? Ich tendiere zu „Ja“. So singt Rolando Alarcón im Volkslied sinngemäß: An der Front fressen sie Granatsplitter. Daran ist nicht nur aus historischen Gründen zu erinnern. Emma Goldman hat trotzdem recht, wenn sie meint: If I can’t dance, it’s not my revolution. Denn soziale Revolution ist eben nicht nur Kampf…

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Ne Znam #9 erschienen – Kritik einer Falschdarstellung des anarchistischen Revolutionsverständnisses

Lesedauer: < 1 Minute

Von mir unbemerkt erschien die 9. Nummer der Ne Znam. Zeitschrift für Anarchismusforschung. Neben Beiträgen von Olaf Briese, Hartmut Rübner, Jens Kastner und Wolfgang Eckhardt, findet sich auch wieder ein Beitrag von mir darin. Darin kritisiere ich auf eine kleinliche Weise – wie es sonst eigentlich nicht meine Art ist – Florian Grossers Darstellung des anarchistischen Revolutionskonzeptes. Ich zeige auf, dass Grosser die Texte der beiden hauptsächlichen Denker auf die er sich bezieht – Bakunin und Kropotkin – nicht verstanden und möglicherweise noch nicht einmal gelesen hat. Vielmehr scheint Grosser nur seine vagen Vorurteile bestätigen zu wollen. Das ist sehr schade, immerhin handelt es sich um einen Einführungsband zu „Revolution“. Der Beitrag findet sich unter „Texte“…

Hausdurchsuchung anarchistische Bibliothek kalabal!k Berlin

Lesedauer: < 1 Minute

Heute wurden mindestens 6 Personen in Berlin und Athen von der Polizei besucht. Der lächerliche Vorwurf bezieht sich auf Bildung einer kriminellen Vereinigung nach §129a. Nachdem vor einer Weile erst der „Rote Aufbau“ einen umfassenden Repressionsschlag ausgesetzt war, sind nun offenbar die Anarchist*innen noch mal wegen dem Protest gegen den G20-Gipfel vor 3 Jahren dran. Auch davon betroffen ist die anarchistische Bibliothek kalabal!k. (indymedia) (Tagesschau, Neues Deutschland, rbb berichteten). In Leipzig ist eine Solidemo für die Betroffenen angekündigt (indymedia). Übrigens gab es schon vor 2 Jahren eine Durchsuchung der kalabal!k. Mensch könnte annehmen, die Cops ahnen, dass gewisse Bücher Sprengstoff sein können. Nun eben nicht so, wie sie sich oder eine Staatsanwaltschaft das vorstellen…

Fetischisierung der Jugend

Lesedauer: 5 Minuten

Am Stadtrand im Wald stand es auf eine kleine Metallbrücke gesprüht. „Jugend voran!“ stand dort in unsauberen Buchstaben geschrieben. Und daneben das Symbol der staatskapitalistischen „kommunistischen“ Herrschaftssysteme. Daran nahm ich dann auch Anstoß, nicht daran, dass hier jemand öffentliches Eigentum beschrieben hatte. Du kennst sie ja, die Kommi-Kidz, dachte ich mir. Vor allem viel Rumgemackere aber wenig dahinter. Hat schon auch seinen subjektiven Grund, dass ich dort nie gelandet bin. Hat natürlich auch biografische Gründe.Wie auch immer, man begegnet sich eigentlich nur, wenn man sich irgendwo anblafft. Was aber sollte das überhaupt sein „Jugend voran!“?

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Frei:Raum

Lesedauer: 3 Minuten

Gestern, als ich die „Soziale Kampfbaustelle“ in Connewitz besuchte, war ich eher in meinen eigenen Gedanken und mit dem Lecken meiner Wunden beschäftigt, als dass ich mich auf Leute und Programm hätte einlassen können. Mit einer massiven Polizeipräsenz wurde die Demo „Kämpfe verbinden“ wegen einer Lappalie aufgelöst und zerstreut. Die Medien berichteten, was sie vorher bereits notiert hatten und doch immer der selbe Schwachsinn ist. Man kennt es, aber es ist ärgerlich. Die viel beschworene „Gewalt“ von Linksautonomen wird herbei geschrieben um den Rechtsterrorismus zu relativieren. Hinzu kam zu späterer Stunde ganz klar, dass die Polizei ihre massives Aufgebot rechtfertigen musste, also den Streit provozierte, der ohne sie gar nicht entstanden wäre.

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