Kraftvoller Ruf nach Selbstbestimmung

Lesedauer: < 1 Minute

„Kein Gott, kein Meister“ sang Léo Férre. Eine geballte Sehnsucht nach dem ganzen Leben mit seinen Höhen, Tiefen, Widersprüchen und Kostbarkeiten. Ganz großes Kino.

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poetische Urlaubsergüsse #1

Lesedauer: 4 Minuten

Ohne Urlaub wäre die Arbeit nur halb so schön! Ohne Urlaub für die mittleren Klassen würde der Kapitalismus zusammen brechen. Daher stand es im Corona-Sommer nicht wirklich zur Debatte, ob er gewährt werden kann, sondern nur wie. Urlaub oder Revolte hieß es. Dies war Anlass für mich genug, mal seit Jahren wieder zu versuchen, dem Geheimnis jenes Konsumguts auf meine deklassierte, bescheidene Weise, auf die Spur zu kommen. Dabei habe ich wohl einige weitere Gehirnzellen verloren, jedoch eine Erfahrung gewonnen. Um die volle Urlaubserfahrung zu genießen, wollte ich mich allerdings weniger mit der Fremde auseinandersetzen, sondern sie lediglich für meine eigene Regeneration und Inspiration konsumieren – wie man das halt so macht. Dazu gehört dann selbstverständlich auch deren Darstellung, der Bericht vom Erlebten. Herausgekommen sind unter anderem folgende Textfragmente.

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Material: Strömungen im Anarchismus

Lesedauer: 2 Minuten

Anarchismus ist in sich sehr plural. Von außen betrachtend wirkt er teilweise widerspüchlich. Ich denke, es gibt jedoch einen Zusammenhang insofern sich meiner Ansicht nach alle Anarchist*innen auf die Verwirklichung der Selbstbestimmung von Einzelnen, auf Autonomie als Organisationsprinzip und auf Theorien der Selbstorganisation beziehen.

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Anarchist Studies Network / 6th International Conference

Lesedauer: 17 Minuten

In einem Monat findet die 6. internationale Anarchist Studies Conference statt. Eigentlich wollten wir mit einigen Leuten nach Nottingham fahren. Aufgrund der allgemeinen Lage findet die Konferenz nun digital/virtuell/online wie auch immer statt. Das Programm verspricht allerdings schon einige interessante Themen, wobei der Call for Papers des britischen Anarchist Studies Network schon beendet ist. Ihr findet die Einladung zur Partizipation zum Leitthema „Anarchy in Crisis“ unten auf mehreren Sprachen. Bei Interesse, müsstet ihr auch noch teilnehmen können…

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Vortrag „Soziale Revolution“ (Audio)

Lesedauer: < 1 Minute

Am 24.04. hätte ich in der Bibliothek der Freien einen Vortrag zum Thema Soziale Revolution als wesentlicher Fluchtpunkt und Handlungskonzept im Anarchismus gehalten. Aufgrund der Pandemie fiel er aus, doch ich habe eine Aufnahme dazu gemacht.

Nach einer allgemeineren Annäherung an den Begriff der Revolution, stelle ich dar, dass der anarchistische Begriff von sozialer Revolution als paradoxe Zwischenform von politischer Revolution, sozialer Evolution und politischer Reform verstanden werden kann. Damit einher gehen bestimmte Überlegungen zum prozesshaften, immanenten und konstruktiven Charakter der anarchistischen Revolutionsvorstellung. Im letzten Teil zeige ich, dass neuere linke Transformationstheorien sich implizit auf das anarchistische Konzept von sozialer Revolution beziehen oder sich diesem annähern. Ich diskutiere dies anhand Reale Utopien (Eric Olin Wright 2017), Die Idee des Sozialismus (Axel Honneth 2015), Beziehungsweise Revolution (Bini Adamczak 2017), Praxis und Revolution (Eva von Redecker 2018) und Kapitalismus aufheben (Simon Sutterlütti/ Stefan Meretz 2018).

Die Aufnahme wurde in Kooperation mit der Bibliothek der Freien erstellt und mit den Folien bearbeitet und ist verfügbar auf peertube und youtube.

Dahingehend habe ich noch einiges zu lernen, was die Länge, die technische Umsetzung und die Füllwörter („ähm“, „sozusagen“, „halt“ etc.) angeht…

Gai Dao-Sondernausgabe „Pandemischer Ausnahmezustand“

Lesedauer: 3 Minuten

Schon vor einer Weile erschien die Sonderausgabe der Gai Dao zum „Pandemischen Ausnahmezustand. Statt dies weiter zu kommentieren, spiegele ich unten einfach den Einleitungstext. Downgeloaded werden kann sie hier.

Übrigens haben gewisse Leute, die sich selbst als „Insurrektionalist*innen“ bezeichnen, ein Fakesimile dieser Gai Dao-Sonderausgabe erstellt. Vermutlich, um den Austausch über verschiedene Positionen und Stile anzuregen. So inspirierend manche Gedankengänge aus diesem Spektrum immer wieder sind, beruhen sie jedoch meiner Ansicht nach weitgehend auf problematischen Grundannahmen. Die Autor*innen wissen dies natürlich und so bleibt ihnen zur Rechtfertigung ihrer Positionen lediglich der Verweis auf die vermeintliche „Gesamtscheiße“ und die romantische Verklärung von liberaler Freiheit und des bürgerlichen Individuums. Weil sie es nicht aushalten, mit ihren eigenen Widersprüchen umzugehen und weil ihnen eigentlich kaum wer zuhört, bauen sie sich im konstruktiven Anarchismus einen Strohmann auf, den sie vollpöbeln können. Die Abwertung anderer um die eigene Kränkung zu überwinden, die reflexhafte Abwehr von Kritik und die Ausflucht in die idealistische Traumwelt eines post-zivilisatorischen „puren“ Lebens, lässt sich mustergültig als unbearbeiteter Narzissmus interpretieren. Er birgt die Gefahr, ins Autoritäre umzukippen. Doch wird er mit der individualistischen Leistungs- und Selbstdarstellungsgesellschaft untergehen, die ihn hervorgebracht hat. In dieser Hinsicht erscheint die reine Negation durchaus als erstrebenswert. Wie auch immer, wen das interessiert, findet es hier.

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Inspirierendes zur Möglichkeit von (Anti-)Politik

Lesedauer: 14 Minuten

Der Folgende Aufsatz von Martin Dornis aus dem Jahre 2002 hatte mich vor 4 Jahren sehr inspiriert, weswegen ich ihn hier replizieren möchte um deutlich zu machen, dass ich mich seinen Aussagen sehr verbunden fühle. Damit meine ich eine inhaltliche Bezugnahme (Mit dem Bahamas-Umfeld mit dem Dornis offenbar zumindest 2011 assoziiert war, hatte ich nie was zu schaffen und werde dies auch keinesfalls.)

Ich finde Dornis dialektische Gegenüberstellung von Politik und Anti-Politik spannend und bin überrascht, dass sie so ähnlich wie bei Newman (2010) formuliert ist, der doch aus einer ganz anderen Ecke kommt. Verbindungen bestehen hier sicherlich keinerlei. Gleichwohl ist es naheliegend auf ähnliche Denkfiguren zu kommen, wenn das paradoxe Wesen radikaler Politik erfasst werden soll, die in Frage gestellt und überschritten wird. Ausgangspunkt bei Dornis ist die (wertkritische) Kritik der Politik – und dies betrifft auch sogenannte „außerparlamentarische“, „antifaschistische“ und „autonome“ Politik.

Statt eines langen Kommentars möchte ich dies nur an einem einzelnen Punkt verdeutlichen: Dornis schreibt in seiner 14. These:

Die Anti-Politik ist weder revolutionär noch reformerisch. Sie demaskiert „Reform“ und „Revolution“ als Spielarten der Politik. Sie tritt für ein schrittweises, spontanes und unkontrolliertes Ausbrechen aus der Marktwirtschaft und Staatsgesellschaft ein. Sowohl Reform als auch Revolution verblieben bisher in den Grenzen des Bestehenden. Die Anti-Politik jedoch strebt die Überwindung von Markt und Staat an und will diese nicht durch eine „Selbststeuerung der Gesellschaft“ sondern durch die bewusste und diskutierte Gestaltung ersetzen. Gesellschaftliche Verhältnisse will sie zum Gegenstand der Diskussion machen.

Deutlich werden die Schnittpunkte zum anarchistischen Konzept der sozialen Revolution, auf welches Dornis sich freilich nicht dezidiert bezieht, dessen Grundgedanken jedoch spürbar ähnlich sind. Eine Abgrenzung nimmt er vor, indem er sich gegen die ‚Selbststeuerung der Gesellschaft‘ richtet – eine alte anarchistische Vorstellung, die jedoch zur Floskel verkommt, wenn dahinter kein wirkliches Verständnis (bzw. Verstehen-Wollen) von Gesellschaft steht. Vielmehr ist die Frage nach der Organisation einer solidarischen, egalitären und freiheitlichen Gesellschaft auch von anarchistischer Seite zu beantworten, will diese nicht lediglich zersplitterte Opposition, sondern sozial-revolutionäres Vorhaben sein. Mit seinem Anliegen „gesellschaftliche Verhältnisse […] zum Gegenstand der Diskussion “ zu machen, knüpft Dornis meiner Ansicht nach beim Verständnis der intellektuellen Dissidenz von György Konrád (1985). Dies ist aber eine andere Geschichte…

Es folgt der Text von Martin Dornis Anti-Politik ist eine Möglichkeit

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Kritik des radical chic

Lesedauer: < 1 Minute

Ein „Rebellenlied“ von Erich Mühsam, vertont von Slime, die ihm mit dem Video einen ironischen Unterton geben. Immerhin kann durchaus danach gefragt werden, was aus der einen und dem anderen Großstadt- oder Kleinstadtrebell*in im Laufe der Jahre geworden ist. Eine problematische Entwicklung ist die zunehmende Verwendung radikaler Rhetoriken bei gleichzeitig oft schon selbstverständlichem Appell an die bestehenden politischen Institutionen und Machthabenden. Autonome Perspektiven als gelebte Gegenentwürfe und die Erfahrungen in experimentellen, selbstverwalteten Räume scheinen immer seltener zu werden. „Selbstorganisation“ wird dagegen individualistisch in Arbeitsformen gesucht, die Kreativität, Flexibilität und Mobilität versprechen und somit darauf verpflichten – freilich ohne das Leistungsprinzip in Frage zu stellen. Als vermeintliche Selbstbestimmung hingegen gilt beispielsweise der massentaugliche Individualtourismus der Backpacker*innen weltweit. Umgekehrt jedoch stimmt ebenso: Wirkliche Rebellion lässt sich nicht vorrangig am Kleidungs- oder Lebensstil festmachen und kann durchaus auch einen Coolness-Faktor aufweisen (womit keine Nazis in Nadelstreifen gemeint sind). Die Frage lautet also: Ab wann degeneriert der radical style einer Szene zu einem bloßen radical chic. Wo bleibt er – trotz politisch erwünschter Sprachcodes und cleverem ästhetischem Ausdruck – lediglich an der Oberfläche, anstatt als Überzeugung tief zu gründen?

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Wissenswertes vom Anarch@-Nietzscheanismus

Lesedauer: 5 Minuten

zu Paul Stephan: Links-Nietzscheanismus. Eine Einführung (Stuttgart 2020)

Kürzlich ist der zweite Band von Paul Stephans linker Nietzsche-Einführung beim Schmetterlingsverlag erschienen. Das ist sehr erfreulich, denn eine Beschäftigung mit dem Dynamit-Mann ist immer wieder lohnenswert. Stephans Schwerpunkt liegt dabei auf der Rezeptionsgeschichte Friedrich Nietzsches, womit der nachweist und verdeutlicht, welche ungeheuere Relevanz dieser unkonventionelle, eigensinnige, gekränkte Denker für die Philosophie insgesamt hatte. Nietzsche wurde kurz nach der Erscheinung von Stirners Der Einzige und sein Eigentum geboren und es heißt, dass er sich von diesem hat beeinflussen lassen (wobei Stephan einen direkten „Ideenklau“ für unwahrscheinlich hält.) Als Philosophen narzisstischer Kränkung, aus welcher eine lebensbejahende Einstellung entspringt, liegt die Verbindung auf der Hand. Die Parallelen zwischen beiden „liegen vor allem daran, dass beide von einer ähnlichen psychosozialen Situation ausgehen“ (S. 54).

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Lucio Urtubia gestorben – Maurer, Anarchist, Sozialrebell

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Vor zwei Tagen starb der Anarchist Lucio Urtubia in Paris. Schon vor einigen Jahren beeindruckte mich seine außerordentliche Lebensgeschichte, die er mit 70 Jahren, nach der Verjährung seiner potenziellen Straffälligkeit, offenlegte. Ein Interview mit ihm findet sich bei der Graswurzelrevolution. Seine Autobiografie erschien bei Assoziation-A und ist eng an die Dokumentation Lucio Urtubia – Anarchist und Maurer angelehnt. Diese findet sich auch bei youtube und ist unten verlinkt.

Allgemein finde ich das Hervorheben einzelner Personen selten sinnvoll. Das gilt vor allem, wenn andere Menschen zu einer Projektionsfläche eigener Vorstellungen werden, welchen dann aber nicht selbst nachgegangen wird. Ebenfalls finde ich es schwierig, Helden oder Märtyrer zu konstruieren und sie zu verehren. Es scheint jedoch gerade Lucios selbstlose Haltung und sein Handeln im Verborgenen zu sein, weswegen es ihm gelang, so große Dinger zu drehen, wie 1980 die Travellerschecks der Citibank zu fälschen.

Neben seinen individuellen Enteignungsaktionen interessierte mich der Mensch Urtubia – bzw. seine (Selbst)Darstellung in der Autobiografie. Dazu schrieb ich eine Arbeit. Dazu schrieb ich eine geschichtswissenschaftliche Arbeit mit dem Titel Moderner Sozialbandit oder politischer Aktivist? Eine Untersuchung der Autobiographie Lucio Urtubias anhand Eric Hobsbawms Konzeption von Sozialbanditen.

Hier die gut gemachte und spannende Doku in sieben Teilen:

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