Talk about our demonstrations

Lesedauer: 9 Minuten

Eine Reflexion über Demonstrationen als Praxis

Ein Beitrag von mir in der dritten Ausgabe des Bella Ciao-Magazins. Auch im dritten Heft finden sich Fotos und Berichte von verschiedenen links-emanzipatorischen Protestereignissen der letzten Monate aus der BRD.

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Ich habe einen Gastbeitrag verfasst, den ich hier etwas zeitverzögert gerne abbilde. Mein Anliegen damit war die Reflexion über unsere Praktiken, die immer wieder vor der Gefahr stehen zu Selbstzwecken zu werden. Auch Demos sind logische und sinnvolle Mittel, um Menschen zu versammeln, Ansichten zu artikulieren, Diskussionen zu beeinflussen und einen Aktionsraum zu bilden. Dennoch ist von mal zu mal abzuwägen, ob eine Demo immer die richtige Aktionsform ist – und wenn ja, welche Ziele wir konkret mit ihr verfolgen und wie wir sie gestalten wollen….

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Souveränitäten jenseits und gegen den Staat

Lesedauer: 7 Minuten

Auf theorieblog.de wurde ein weiterer Beitrag von mir als Antwort auf den Call for Papers zu „Souveränität“ veröffentlicht. Vor zwei Jahren schrieb ich dort bereits zu Soziale Revolution als radikale und umfassende Gesellschaftstransformation. Das vorgegebene Format des Blogs verlangte eine Überarbeitung des Beitrages und führte zu einigen Änderungen, die ich selbst nicht vorgenommen hätte. Trotzdem bedanke ich mich für die hilfreichen Änderungsvorschläge der Redakteur*innen.

von wikimedia commons

Während Marx eine Kritik der politischen Ökonomie hervorbrachte, entwickelten anarchistische Denker*innen eine Kritik der Form, die Politik in spezifischen Herrschaftsordnungen annimmt, als einen wesentlichen Ankerpunkt ihrer Gesellschaftstheorie. Ideengeschichtlich betrachtet entsteht der neuzeitliche, europäische Anarchismus als Hauptströmung im Sozialismus in jener Phase, als der Sozialismus als Graswurzelbewegung politisiert wurde. In Abgrenzung zum sozialdemokratischen Weg der politischen Reformen und dem parteikommunistischen Konzept der politischen Revolution wurden im Anarchismus die mutualistische Selbstorganisation, die Revolte, die Begleitung außerparlamentarischer Bewegungen, sowie die soziale Revolution als Transformationsstrategien entwickelt.

In diesem Beitrag wird ein wesentlicher Aspekt der anarchistischen Kritik der Politik dargestellt, die sich in ihrem Kern an der Anmaßung, Legitimierung und Durchsetzung der Souveränität des Staates festmachen lässt. Dem entgegengestellt werden andere gesellschaftliche Sphären, in welchen (auf bestimmte Weise und mit bestimmten Zielsetzungen) Souveränität erlangt werden soll. Ich werde im Folgenden zeigen, inwiefern die anarchistische Hoffnung darin besteht, der politischen Herrschaft zu entkommen und Alternativen zu ihr aufzubauen.

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Proteste im Iran

Lesedauer: < 1 Minute

Selbstverständlich beschäftigten auch mich die Proteste im Iran, ebenso mit ihrer entschlossenen Kraft, wie mit ihrer brutalen Unterdrückung. Dass Frauen und FLINTA darin eine besondere Rolle zukommt verweist nicht zu Letzt auf deren sozial-revolutionären Charakter. Patriarchat, Staat und Kapitalismus sind miteinander verknüpft und im selben Zuge zu überwinden.

Doch es gibt einen Unterschied dazwischen, ob mich bestimmte Themen beschäftigen oder ob ich direkter involviert bin und etwas sinnvolles dazu beitragen kann. Wo das nicht der Fall ist, gibt es sicherlich andere, die sprechen, schreiben und tun sollten.

Hier eine Artikel-Sammlung zu den Protesten: https://libcom.org/tags/iran-protests2022 und hier dieser Bericht von Crimethinc: https://crimethinc.com/2022/09/28/revolt-in-iran-the-feminist-resurrection-and-the-beginning-of-the-end-for-the-regime

rastloser Aktivismus

Lesedauer: < 1 Minute

Das Leben gönnt dem rastlosen Menschen keine Pause
wie die Krisen der herrschenden Ordnung den Aktivist*innen nicht

Das liegt ja schon im Wesen der Sache:
Würden sie ruhen, wären sie Passivist*innen
und wäre der Mensch nicht rastlos,
dann entweder zufrieden oder tot
/ keine besonders menschlichen Eigenschaften

ob Geldbeschaffung oder Finanzkrise, Liebeskummer oder faschistische Mobilisierung, Einsamkeit oder pandemischer Ausnahmezustand, Streiterei oder Krieg, Krankheit oder Klassenkampf von oben
/ immer ist es ein Gemähre, nie ist’s mal gut
Wie soll man sich bei all der Kriselei nicht gestört fühlen?

Der Mensch nimmt sich zu wichtig im Anthropozän
und zu unwichtig zugleich
So wird der homo crisensis hervorgebracht
und eiert von einer Tortur zur nächsten
damit er sich lebendig fühlt
und sich im rasenden Stillstand im Kreis dreht.

Part #2

Lesedauer: 2 Minuten

#2 anarchist ethical values, organizational principles and theoretical concepts

Anarchism is a complex set of a specific ethic, organizational principles and assumptions in political theory. Although different persons emphasize varied aspects those spheres belong inseparably together. Therefore anarchism can be distinguished from „just“ subculture and ethical lifestyle, „just“ a political theory against all forms of domination and „just“ a libertarian-socialist wing in social movements.

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Material: Folien zu „Für ein neues anarchistisches Bewusstsein“

Lesedauer: < 1 Minute

Die Veranstaltung in Heidelberg fand in einer wunderbaren Atmosphäre statt, da wir erst gemeinsam miteinander gegessen haben, ich spontan zwei bekannte Personen traf und zwei mir vorher unbekannte stabile Genoss*innen kennenlernen durfte, mit denen ich noch bis spät abends diskutierte. Auf den Wunsch mehrerer Personen hin, möchte ich die Folien meines ausgiebigen Vortrags von gestern zugänglich machen.

Für jene, die interessiert sind, aber nicht die Gelegenheit haben, kann der Vortrag noch mal HIER in der Version von vor einem Jahr angehört werden, wobei ich ihn kontinuierlich weiter entwickle..

Witzigerweise erstellte ein weiterer Mensch auch spontan diesen QR-Code zu meinem Blog. Warum nicht, denke ich mir, auch wenn ich das zugleich für modernen Schnickschnack und mystische Zauberei halte 🙂

Vortrag in Heidelberg

Lesedauer: < 1 Minute

Weiterhin werde ich nicht jede meiner Veranstaltungen hier gesondert erwähnen. Unabhängig von meinen eigenen Aktivitäten, werde ich aber von Zeit zu Zeit darauf hinweisen, um zumindest bestimmte Auszüge aus der anarchistischen Szene im deutschsprachigen Raum zu dokumentieren. Denn neben der Wissensvermittlung, Agitation und Unterhaltung, die ich in meinen Veranstaltungen anbiete, werden mit diesen auch Räume für gemeinsamen Austausch und Begegnung geöffnet…

funktional depressiv

Lesedauer: < 1 Minute

guten tag, was darf ich hier nicht machen?
denn ich habe keinen bock auf ihren laden
kann mich nicht einfügen in ihre abläufe
komme nicht klar, mit ihren hierarchien
verstehe nicht, worauf es hier ankommt
mache mein maul auf,
wenn sie es unangemessen finden – immer

schreibe texte
und keine bewerbungen
schieße mich ab
um meine auferlegten verpflichtungen zu umgehen
sabotiere mich selbst
weil ich angst vor veränderungen habe
arbeite durchgehend
um nicht arbeiten gehen zu können

sehne mich nach deiner nähe und will dich halten
aber du schreckst zurück vor meiner bedürftigkeit
will immer mehr
weil ich mich ungenügend fühle

renne weiter
weil ich angst habe
im stillstand tot umzufallen
esse regelmäßig
weil ich das als notwendigkeit begreife

entwickele projekte
die ich alleine gar nicht umsetzen kann
denke dreivierfünfgleisig
um mich nicht fokussieren zu müssen
kämpfe für eine andere gesellschaft
um keine selbstverantwortung zu übernehmen

„selbstverantwortung“ in dem sinne

innerhalb der bestehenden gesellschaftsform

klarzukommen und mitzumachen

ja, das kann ich nicht gut

und bin doch gerade darin ehrlich und konsequent