Der „Spaß“ der Anderen dient zum Ossi-Bashing

Lesedauer: 2 Minuten

In der Sächsischen Schweiz in Prossen gab es am 21.01. einen erschreckenden Karnevalsumzug. Der Journalist Julius Geiler verlinkte auf Twitter ein Video des Aufzugs, an dessen Ende ein Wagen mit der Aufschrift „Asylranch“ fuhr. Die als „Indianer“ verkleideten Rassisten auf dem Wagen hatten eine bunt angezogene Person an einen Marterpfahl gebunden. Seitlich am Wagen war der Schriftzug „Deutschland dekadent und krank. Winnetou sucht Asyl in SACHSENLAND“ angebracht. Dass die gesamte Veranstaltung hochgradig sexistisch, rassistisch und antisemitisch konnotiert ist, wird auf den ersten Blick deutlich. Gut also, dass jemand dieses Spektakel mit faschistoiden Elementen abbildet und kritisierbar macht.

Rassistenfasching in der Sächsischen Schweiz

Was mich dann allerdings nicht weniger stark irritierte, waren die linksbürgerlichen Kommentare der Twitter-User. Da ist die Rede davon, die Mauer wieder aufzubauen. Dass Sachsen nach Ungarn ausgegliedert werden sollte. Dass man Sachsen nun erst recht nicht besuchen wolle. Dass das alles zum kotzen und schlimm schlimm wäre.

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(Anti-)Politik bei 99 zu EINS

Lesedauer: < 1 Minute

In der bereits 226. Folge des Podasts 99 zu EINS habe ich mit Daniel über einige Aspekte meiner Arbeit gesprochen, insbesondere auch über mein Verständnis von (Anti-)Politik. (Das war schon im Oktober, also vor der Verteidigung meiner Dissertation vorgestern.) Dieses Online-Diskussionsformat ist noch relativ neu für mich. Außerdem teile ich auch nicht alle Ansichten und Herangehensweisen der Betreibenden (bspw, Stalinisten zu interviewen). Dennoch war mir wichtig, auch hier das Gespräch zu suchen und meine Perspektive einzubringen. Vielleicht auf ein weiteres Mal!

Freundschaften und Unterstützung

Lesedauer: < 1 Minute

Wow. Was für eine Unterstützung! Was für Leute, die mich supporten, dass ich tue, was ich tue! Ich wollte auf diesem Blog nicht zu persönlich werden. Aber es war schon beeindruckend zu sehen und zu spüren, dass da Menschen sind, die mit mir gehen und mit denen ich mitgehe. Auch wenn sich der Alltag oftmals einsam anfühlt. Okay, es war anstrengend. Ich war oft anstrengend. Ich habe meine kämpferische Leidenschaft darin investiert, eine Doktorarbeit zur politischen Theorie des Anarchismus zu schreiben. Warum? Weil ich einen damit vermeintlich vorhandenen radical chic wollte? Nein, sicher nicht. Weil ich Fragen hatte. Weil ich forschen wollte. Weil ich denken wollte. Weil ich wollte, dass wir mit der Sache weiter kommen. Gegen jeden Dogmatismus und Fundamentalismus! Woher ich komme? Ich sortiere es. Wohin ich gehe? Darüber mache ich mir keine Gedanken. Vergangenheit und Zukunft fällt in eins. Fuck, gestern war doch ein besonderer Tag. Das Private ist politisch? Vielleicht. Aber deswegen veröffentlichungswürdig? Wir werden es sehen.

Einen herzlichen Dank an alle Freund*innen und Unterstützer*innen! Wie schön, das wir uns brauchen und helfen.

Auf dem Prüfstand

Lesedauer: 3 Minuten

Manchmal frage ich mich, was ich die letzten fünf Jahre so getan habe. Jemand meinte, Vergesslichkeit sei doch nicht verkehrt, sondern im Grunde genommen Indikator dafür, dass ich viel erleben würde. Aber es gibt auch Dinge, die ich vergessen möchte und bei denen es mir nicht gelingt. Jedes Gehirn ist eben einzigartig.

Dieses Gehirn hatte es vor einigen Jahren für eine gut Idee gehalten, sich auf ein Stipendium zu bewerben und dann eine Doktorarbeit zur politischen Theorie des Anarchismus zu verfassen. Da der Mensch das Stipendium wider Erwarten tatsächlich erhielt, machte er sich dann auch an die Arbeit. Herausgekommen sind diese 418 Seiten Text, der heute abschließend geprüft wird.

Am Ende wurde damit ein C-Klasse Wissenschaftler produziert, dessen Können sicherlich nicht in stringenter Arbeitsweise und logischer Argumentation besteht. Gewürdigt wird seine Originalität und vielleicht auch sein Mut, für ein marginalisiertes Thema einzustehen. Letzteres fällt ihm dann wiederum auf die Füße, weil er sich Milieu-mäßig dem akademischen Laden nicht zugehörig fühlt. Wo er aber sonst hingehört, weiß er auch nicht.

Es rauszufinden, hat er auch aufgeschoben in der Zeit, die er in dieses DING steckte. Ich nenne das Verfahren „Abstieg durch Bildung“. Letztendlich werde ich mich weiter umschauen nach den wenigen Personen, welche eine Vorstellung davon haben, was es bedeutet so ein Vorhaben durchzuziehen und damit einsam zu werden. Heute ist ein kurzer Tag für einen kleinen Menschen, der die schlechte Angewohnheit hat, sich permanent niedriger zu machen, als er ist und sich dann trotzdem gekränkt zu fühlen, weil er nicht mehr Anerkennung erhält. Bedauerlicherweise befindet er auch damit wieder mal sehr im Durchschnitt unter Anarchist*innen.

Es bleibt bei einem langweiligen Mittelmaß. Dabei bin ich schon viel zu lange mit Euch mitgegangen. Es wird Zeit umzukehren. Schluss mit dem Schulterklopfen! Ich will mich erheben – über das Denksystem Wissenschaft, über den akademischen Betrieb Universität, über die ewige Unentschiedenheit, schwierige Vergangenheiten und die eigene Kleingläubigkeit. Viel wichtiger ist, wie ich die größtenteils autodidaktisch erworbenen Fähigkeiten im begrenzten Rahmen, den ich als einzelner Mensch habe zur Veränderung der Welt einsetzen kann.

Dazu braucht es unter anderem auch Perspektivwechsel. Und dies irritiert die Wissenschaftler*innen, verrückt aber auch die Genoss*innen. Was will der Mensch uns sagen mit seiner Paradoxien-Reiterei?! Aber da ich häufig schon zu viel rede, also zu viel darüber rede, was mich persönlich bewegt, offenbar, enthalte ich dies ausnahmsweise an dieser Stelle mal vor. Wen es ernsthaft interessiert, muss sich schon die Mühe machen, zuzuhören, zu lesen und selbst zu denken. Leicht konsumierbar sind meine Erzeugnisse nicht, das gebe ich gerne zu. Aber keine Sorge, ich werde auch in Zukunft bei Gelegenheit weiter erklären, was ich meine 😉 In diesem Sinne: Mit Feuer&Flamme zur Disputation!

Das Faß, ob es überhaupt möglich und sinnvoll ist, anarchistische Theorie in das Korsett einer Doktorarbeit zu pressen, möchte ich an dieser Stelle nicht aufmachen. Ich verrate nur so viel, dass ich mich jahrelang durch diese Frage hindurchgequält und es mir wirklich nicht einfach gemacht habe damit.

Eine Veröffentlichung in einem halben Jahr wäre trotz der einen oder anderen Ungereimtheit und Langatmigkeit des Textes nett, aber dafür gibt es keinerlei Förderungen, leider.

Bewegungslinke, Anarchismus und (Anti-)Politik

Lesedauer: 10 Minuten

Ein Plädoyer für einen Bewegungsanarchismus und (Anti-)Politik

Diesen Text habe ich für den Debattenblog der Interventionistischen Linken (IL) geschrieben, weil ich – nun ja – damit die Debatte suche. Im konkreten Fall ging es mir auch darum, dass es im Anarchismus durchaus ein theoretisches Denken auf höherem Niveau gibt. Deswegen habe ich den Text so geschrieben, wie ich ihn geschrieben habe. An anderer Stelle wäre er kürzer und einfacher zu fassen. In der Funktion eines Intellektuellen sehe ich es als meine Aufgabe an, mich an Schnittstellen zu bewegen und Gratwanderungen zu vollziehen. In diesem Fall zwischen Menschen, die sich als Anarchist*innen verstehen und solchen, die sich vor allem einer „Bewegungs-Linken“ zurechnen. Und selbstverständlich ist das alles als Diskussionsvorschlag zu begreifen…

Mit dem folgenden Beitrag möchte ich eine kritische Debatte über unser Politikverständnis anregen, über das Verhältnis von Anarchismus und Bewegungslinke reflektieren und auf meine Tätigkeiten hinweisen. Politik aus anarchistischer Perspektive zu verstehen, kann dazu beitragen, die Diskussion über unsere Strategien und Praktiken zu erweitern. Dazu gilt es, sich die ambivalente Ablehnung von Politik und die Bezugnahme auf sie durch Anarchist*innen anzuschauen, welche sich anders gestaltet als bei linksradikalen Strömungen. Seit vielen Jahren verstehe mich selbst als Anarchist und habe an einigen Ereignissen teilgenommen, zu welchen auch die IL mobilisiert hatte. Darunter waren die Proteste gegen den Naziaufmarsch in Dresden, COP15, Castor Schottern, Blockupy und den G20-Gipfel. Auch wenn sich der Schwerpunkt meiner Aktivitäten inzwischen verändert hat, bin ich weiterhin der Ansicht, dass grundlegender Wandel nur durch Druck auf der Straße, vielfältige direkte Aktionen und selbstorganisierte Basisarbeit gelingen kann.

Anarchist*innen und die Bewegungslinke

In bewegungslinken Gruppierungen und Netzwerken finden sich Personen zusammen, welche sich in den drei Hauptströmungen des Sozialismus verorten lassen: Sozialdemokratie, Parteikommunismus und Anarchismus. Statt vorrangig um ideologische Positionen zu ringen, wie in Gruppen, welche sich nach ihrer Gesinnung zusammenfinden, oder um Programme, Posten und die Wähler*innengunst in Parteien, steht in Gruppen der Bewegungslinken die gemeinsame Aktion im Vordergrund. Auch wenn Kontroversen keineswegs ausbleiben, schafft dies die Grundlage für die Zusammenarbeit von Personen, welche von unterschiedlichen Strömungen geprägt sind. Dies ist begrüßenswert, wenn die Einsicht darin besteht, dass umfassende Gesellschaftstransformation zwar nicht durch die anzuführenden Massen gelingen kann, wohl aber der unterschiedlichen Vielen bedarf, die sich verbünden.

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Fernes Traumhaus

Lesedauer: < 1 Minute

Marjan Farsad singt von ihrem fernen Haus, hinter den Bergen, leeren Wüsten, hinter dem Ozean, den Wolken, den Zypressenwäldern und goldenen Feldern. Bunt, warum und fröhlich ist es dort. Eine wunderschöne Geschichte voller Sehnsucht nach dem verlorenen Zuhause…

Eine sozial-revolutionäre Protagonistin?

Lesedauer: 2 Minuten

Heute schaue ich mir bei linken Feministinnen an, wie sie mit dem Widerspruch umgehen, dass Alexandra Kollontai zwar einerseits grundlegend für die Emanzipation von Frauen, ein anderes Verständnis von Mutterschaft und sexuellen Beziehungen eintrat, aber andererseits den Stalinismus stillschweigend mitrug.

Alexandra Kollontai oder: Revolution für das Leben – Workshop mit Katharina Volk

von: https://monaliesa.de/termine/#Kollontai

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Part #4

Lesedauer: < 1 Minute

#4 anarchist strategies for social transformation

Anarchist ideologies and strategies generated in demarcation of political reform and political revolution. So the transformational concepts of mutualist selforganisation, insurrection, subversion, mass movements and social revolution were developed. How can comprehensiv, long-lasting and radical change be achieved from an anarchist perspective?

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Quasi-faschistische Meta-Politik als Anti-Politik?

Lesedauer: 5 Minuten

Im Folgenden Beitrag wird der von manchen Journalist*innen gelegentlich aufgeworfenen Frage nachgegangen, ob sich der rechte Mob anarchistischen Praktiken und Motiven bedient und es sich damit um eine Anti-Politik im anarchistischen Sinne handeln würde.

Am 09.01. stürmten tausende aufgebrachte Anhänger*innen von Jair Bolsonaro das Kongress-Gebäude in Brasilia. Sein Rivale Lula da Silva, der bereits 2003 bis 2011 Präsident war, hatte den Faschisten im zweiten Wahlgang mit äußerst knappem Vorsprung abgelöst. Bolsonaro – beziehungsweise seinem politischen Netzwerk – war es in den Jahren zuvor wie nur Trump gelungen, ein Bündnis aus Unternehmern, Militärs und Evangelikalen zu schmieden. Insbesondere Letztere waren entscheidend dafür, die Aufmerksamkeit armer Favela-Bewohner*innen vom sozialen Elend auf jenseitige Heilsversprechen zu lenken und damit Stimmen für die Reaktionären generieren. Auch der Wahlkampf verlief äußerst schmutzig, wobei die Polarisierung der Gesellschaft das größte südamerikanische Land zu einem Pulverfass werden ließ. So blockierten etwa unzählige LKW-Fahrer, die Bolsonaro unterstützen, den Verkehr – ein spürbarerer und kostspieligerer Protest als jede Latschdemo, auf der noch so viel Unmut herausgerufen wird…

Abgesehen davon, dass die Einsetzung der neuen Regierung in Brasilien am 01.01. geschah, wiederholt der aufgebrachte Mob gewissermaßen den Sturm auf das Kapitol in Washington DC, der zwei Jahre zuvor, am 06.01.2021 stattgefunden hatte. Wer sich erinnert: Irgendwie hatte es die Polizei nicht wirklich geschafft, die wütenden Rechtsradikalen davon abzubringen, in das Regierungsgebäude zu stürmen, dort Einrichtungsgegenstände zu zertrümmern und die heiligen Symbole des Staates zu schänden. Selbiges geschah in Brasilien, nur eben nicht unter blau-rot-weißen Farben, sondern mit grün-gelben.

Wer erinnert sich noch an den seltsamen Q-Anon-Schamenen „Jake Angeli“? Was uns in besseren Zeiten ein lautes Lachen aus dem Hals locken sollte, verbreitet sich via Internet wie Gift in die Rest-Herzen und -Hirne verängstigter und verblödeter politischer Idiot*innen. Und das auch in der BRD. So haben auch wir unsere paranoiden und narzisstischen Propagandist*innen des Wahnsinnes, wie Attila Hildmann und den von ihm mitgetragenen „Sturm auf den Reichstag“ am 29.08.2020 gegen die vermeintliche „Corona-Diktatur“.

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Staatliches Morden im Iran – Communiqué der Fédération anarchiste

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Leider hab ich einen ziemlich beschränkten Horizont und schaue vor allem auf meine Umgebgung und den deutschsprachigen Raum, wenn es um Anarchismus geht. Das ist zunächst dem geschuldet, dass ich nicht so mutig war, viel in anderen Gegenden herumzureisen. Darüber hinaus finde ich es aber auch ganz okay, weil die soziale Revolution eben nicht in Vergangenheiten oder Zukünften stattfinden wird, ebenso wenig wie in anderen Gegenden der Welt, sondern hier uns jetzt.

Damit möchte ich nicht sagen, dass der Blick über den Tellerrand enorm wichtig ist. Und abseits der Mainstream-Berichterstattung sind Berichte oder sogar direkte Begegnungen mit Genoss*innen aus anderen Ländern enorm wichtig – gerade um zu erfahren, dass anarchistisches Denken und Fühlen tatsächlich weltweit verbreitet ist. Dabei müssen es nicht immer Griechenland, Rojava, Chiapas oder die USA sein, in denen Anarchist*innen wichtige Kämpfe führen. Auch in Polen oder Frankreich geschehen Dinge – von denen ich leider kaum einen Schimmer habe.

Das folgende Communiqué der Fédération anarchiste soll als Beispiel dienen, wie eine synthetische Föderation funktionieren kann. Selbstverständlich verändern Statements nicht die Welt. Zugleich kommunizieren sie zumindest überhaupt – und machen damit deutlich, dass Anarchist*innen etwas zu sagen haben. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die französische Föderation ausbaufähig, aber deutlich stabiler zu sein scheint, als ihr deutschsprachiges Pendent. Nun aber zum Inhaltlichen:

Stoppt die Staatsverbrechen im Iran!


12-01-2023

Das Regime der Islamischen Republik hat sich wie üblich dafür entschieden, die beispiellose Bewegung „Frau – Leben – Freiheit“, die nach der Ermordung von #Mahsa_Amini am 16. September im Iran begann, blutig niederzuschlagen.

Die Schätzung einer Menschenrechtsorganisation geht von 520 Toten bei den Straßenprotesten aus, darunter 70 Personen unter 18 Jahren, vorläufige Zahlen vom 12. Januar.

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