Konsummentalität

Lesedauer: 3 Minuten

Ich habe einen Freund. Und dieser Freund konsumiert. Ja klar wirst du sagen, so wie wir alle. Das Leben als ein Kreislauf des Einströmens und Ausströmens. Des Imports und Exports könnte man sagen. Alles im Fluss eben. Abgesehen davon, dass die Idiotie und Besessenheit der Menschen sich dermaßen verselbständigt hat, dass sie alles auffressen, alles zertrampeln und zerstückeln. Wir machen da mit. Und wir konsumieren alle, natürlich, das ist Leben. Es könnte nur eben auch ohne Zerstörung stattfinden. Das gilt es festzuhalten.

Aber das meine ich damit nicht, wenn ich an ihn denke. Was ich meine ist diese irritierende Erkenntnis darüber, dass er sich nie zucken wird, nie einen Finger krumm machen wird, wenn das, was er macht, nicht irgendwie mit ihm zu tun hat. Eine im Grunde genommen gute Haltung der Selbstliebe? Ich weiß es nicht. Mich irritiert sie wie gesagt. Wohl auch deswegen, weil ich sie von Menschen mit denen ich sonst zu tun habe, nicht dermaßen eigenartig ausgeprägt kenne.

Er konsumiert das Internet, all die Videos, die sich dort so finden. Er konsumiert Essen und kann tatsächlich sehr gut kochen. Er konsumiert Biere und Zigaretten. Er konsumiert Menschen und sich selbst. Doch leider, ich merke es, in seinem Selbstgenuss droht er dauernd sich zu verzehren. Daher braucht er das Außen, um es zu konsumieren. Anders könnte er seine Leere nicht füllen. Das ist es, warum ich über seine Leerheit klage. Selbstverständlich, ich klage ihn nicht an als Produkt einer Gesellschaftsform, die Sinnlosigkeit erzeugt und alle Werte auf den Wert des Profits reduziert, mithin also Nihilismus produziert.

Ich hätte wohl kaum mit ihm zu tun und würde sicherlich auch nicht darüber schreiben, würde ich die Verzweiflung über das eigene Dasein nicht all zu gut von mir kennen. Ich bräuchte mir darüber keine Gedanken zu machen, hätte ich nicht selbst in den Abgrund geschaut. Zugleich bleibt zu fragen: Wer denn nicht? Offensichtlich gibt es auch Leute, die einen anderen Umgang mit sich selbst und ihrer Umwelt pflegen können, anstatt die Dinge zu nehmen und in das schwarze Loch zu werfen, dass sie doch nur all zu kurz stopfen können.

Was ich an der Konsummentalität bemängele ist nicht, dass da eine Leere ist, die nach Erfüllung schreit. Denn das etwas fehlt ist Produkt der Herrschaftsordnung, in der wir leben. Die destruktive Produktion erzeugt Entfremdung und jene lässt sich nur durch besinnungslosen Konsum füllen. Egal, wie liebevoll das Essen bereitet wurde – etwas fehlt. Unabhängig davon, ob der Sport gut getan hat – etwas fehlt. Auch der Konsum der Körper der anderen pusht das Ego – wieder und wieder – ändert jedoch nichts an der grundlegenden Indifferenz der Welt gegenüber, die mir philosophischer Skepsis gerechtfertigt wird. Und so hat er sich Mauern und Zäune und Labyrinthe gebaut, um sein Verhalten zu erklären und in sozial verträgliche Bahnen zu lenken – welche überdies den Außenstehenden oftmals als äußerst charismatisch und sympathisch erscheinen.

Der Konsument in diesem Sinne bleibt ein Opfer, will ein Opfer bleiben. Er bildet das Gegenstück zum kapitalistischen Produzenten – für diesen kann es auch nie genug sein. Mehr und mehr und effektiver und mehr soll die Produktion gesteigert werden. Aus dieser Eigenlogik gibt es kein Zurück. Es bleibt nur, aus ihr auszusteigen, mit ihr zu brechen und sie zu bekämpfen, wo es geht. Dann erst könnten wir alle Konsumierenden und Produzierenden in einen freiheitlichen, solidarischen und ökologisch verträglichen Austausch treten.