Veranstaltung in Nordhausen

Lesedauer: < 1 Minute

Normalerweise poste ich nicht jede meiner Veranstaltungen oder Hinweise darauf. Dazu ist die Reichweite des Blogs auch zu begrenzt. Diesen sehr schönen Flyer möchte ich dann aber doch gern festhalten und teilen. Darüber hinaus ist es mir auch wichtig, kleinere Städte und den ländlichen Raum mit meinen Inhalten zu unterstützen.

Buchmesse und anarchaqueerfeministischer Kongress (26.-29.05.)

Lesedauer: < 1 Minute

In einer Woche findet in Mannheim die 6. anarchistische Buchmesse statt. Sie wird offenbar stark vom 50. Geburtstag der Zeitung Graswurzelrevolution geprägt sein. Damit kann gesagt werden, dass hier ein bestimmtes Spektrum des Anarchismus zusammen kommt. Auf jeden Fall ein anderes als zeitgleich in Berlin zum anarcha queerfeministischen Kongress together in love an rage.

In Mannheim werde ich eine Veranstaltung beisteuern – muss aber auch zugeben, dass mich der Kongress sehr neugierig macht. Grundsätzlich denke ich, dass es Personen braucht, welche die recht weite Distanz zwischen den jeweiligen anarchistischen Strömungen und Gruppierungen überbrücken, um diese entlang verschiedener Themenachsen vermitteln zu können.

Eine (anti-)politische Romanze

Lesedauer: 6 Minuten

Malatesta erweist mir die Ehre

„Lasst euch nicht erzähl’n, ihr hättet ein Problem! Propaganda der Yuppi-Schweine, Arbeit hat man besser keine!“ höre ich, während ich am See liege, ein Seminar vorbereite, daran denke, dass ich Freitag wieder mal einen Vortrag halten werde und auch daran, dass ich meine Diss in ein handliches, verständliches Buch umschreiben müsste. Also ein neues Buch, dessen Lohn darin bestünde, dass vielleicht ein paar hundert Menschen mehr sich mit meinen Gedanken auseinandersetzen und weiterbilden könnten. Machen wir uns nichts vor: Meine Tätigkeiten sind extrem unsexy und stellen ja vor allem eine Prokrastination von Verantwortungsnahme und Lebensgenuss dar. Wieder einmal beschleicht mich dieses erschreckende Gefühl, dass mein Leben an mir vorbei zieht und immer schneller läuft. Und auch wenn ich denke, dass dies vielleicht allen bisweilen mal so geht, frage ich mich doch, ob sich hier nicht der Schraubschlüssel rein werfen ließe. Doch Leben ist Wandel und Stillstand ist Tod – die Konsequenz daraus wäre also das Gegenteil von dem, was ich anstrebe.

Wenn ich ehrlich bin, möchte ich ja nur meine Ruhe. Und ja, ich beneide auch die Menschen, die ihre Arbeit, ihre Familie, ihren geregelten Alltag, ihren Kleingarten haben. Sie sind damit im Durchschnitt sicherlich nicht mehr oder weniger zufrieden als ich, der ich permanent herum renne in meiner kleinen Welt. Oftmals auch nur innerlich. Naja klar, da fehlen eben Dinge. Sie fehlten schon immer, ebenso wie das Zutrauen darin, dass es besser werden könnte und mein Leben mehr wert sein sollte. Gegen einen gesunden Pessimismus ist nichts einzuwenden, denke ich mir. Gegen funktionale Depression schon. Denn andere können die Dinge eben etwas leichter nehmen oder lassen sich das eigene Glück zumindest nicht vermiesen, weil sie es sich wert sind.

Ich weiß, das klingt wohl ganz schön niederschmetternd. Besser aber die Dinge klar zu benennen, als die ganze Zeit um den heißen Brei herum zu reden. Es hat ja Gründe, warum ein Mensch zum Theoretiker und Anarchisten wird. In meinem Fall als anarchistischer Theoretiker kommen dann noch zwei ungünstige Dispositionen zusammen. Da will ich voranschreiten, doch die Meta-Reflexion hindert mich am unmittelbaren Leben, wie ich unterstelle, dass es meine Gesinnungsgenoss*innen könnten. Und als Theoretiker bin ich eben auch nicht mit mir im Reinen, weil ich wieder das Gefühl habe, ich müsste das erwähnte oder ein anderes Buch schreiben. Doch wozu, wenn es niemanden in der eigenen Szene interessiert und es im akademischen Raum ebenfalls nicht gewertschätzt wird?

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Steh auf, steh auf – zur „letzten Generation“

Lesedauer: 3 Minuten

steh auf, steh auf, grüne deutsche Jugend, steh auf. Für eine bessere Zukunft bauen wir die Heimat auf.

Wieder einmal haben einige überzeugten Aktivist*innen den Klimawandel zum ersten mal verstanden. Mit zivilem Ungehorsam machen sie nun Politik. Mit spektakuläre Aktionen soll auf ein großes Gesetzespaket hingewirkt werden, um den CO2-Ausstoß zu senken und den Klimawandel in einem überschaubaren Ausmaß zu halten. Dass die Aktiven hierbei reformerisch – also vermeintlich „realistisch“ – denken und anstreben, kleine Erfolge zu erzielen, ist nicht das Problem. Sondern das sie Forderungen an Regierungen formulieren und der Ansicht sind nur durch rasches und umfangreiches Eingreifen des Staates könnte die ökologische Katastrophe ausreichend reguliert werden.

Warum der Staat das aus strukturellen Gründen nicht tut und nicht tun kann, bleibt den Beteiligten in ihrem bürgerlichen Bewusstsein ein Mysterium. Ebenso wenig ist die Rede von Kapitalismus und es bleibt zu vermuten, dass dieser als nicht mehr als ein ungerechte und zerstörerische Produktionsform begriffen wird, deren Eigendynamik, Gesellschaft zu prägen deutlich unterschätzt wird. Wer vom Kapitalismus schweigt, an den Staat appelliert und die Klimakatastrophe nicht als Ausdruck des herrschaftsförmigen gesellschaftlichen Naturverhältnisses begreifen kann, wird auch keine radikalen Antworten hervor bringen können. Das Bewusstsein und die Aktionsformen der „Letzten Generation“ verbleiben also in eingehegtem Rahmen, was in merkwürdigem Kontrast dazu steht, zivilen Ungehorsam als besonders innovativ oder krass darzustellen.

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Für 9 Euro durch’s Land?

Lesedauer: 2 Minuten

Auch ich würde gern mal nach Sylt fahren. Nicht allein, weil es dort so schön ist oder um den Bonzen ihre Strandplätze demokratisch streitig zu machen. Sondern einfach: Weil das eine gute Idee ist für neun Euro. Klar zu anderen Zeiten, in anderen Ländern gäbe es bei Inflationen, Ressourcenverknappung und erforderlichem Wandel der Produktions- und Infrastruktur keine 200 oder 300 Euro auf die Hand und kein 9 Euro Ticket, sondern einen fairen Lohnausgleich und langfristig garantierte niedrige Preise beim ÖPNV. Noch weiter gedacht, würden wir dafür gar nichts zahlen, sondern die öffentlichen Güter gemeinsam produzieren, nutzen und pflegen. Aber ja, das sind ferne Visionen…

Interessant wäre aber sicherlich das gönnerhafte Geschenk der Regierung nicht als solches zu verstehen. Sondern davon ausgehend das allgemeine 9-Euro-Ticket zu fordern. Ein reformistischer, aber naheliegender Schritt. Wenn einfach alle Leute, die im Sommer unterwegs sind und das nutzen, ab September weiterhin nur bereit wären 9 Euro zu zahlen, würde das für einige Überraschungen sorgen. Insbesondere, da die Argumente ja klar auf unserer Seite sind: Die Auto-Kratie muss beendet werden und generell braucht es eine Vergesellschaftung von Produktion und Infrastruktur, wenn wir eine klima- und sozialgerechte Gesellschaft erkämpfen wollen. Bahnfahren ist ein Ansatzpunkt.

Vorerst mache ich erst mal weiter, was ich halbwegs kann und von mir aus gedacht sinnvoll finde. Beiträge und Veranstaltungen, möglichst im direkten Kontakt mit Leuten, die meine Themen interessieren. Insofern bietet sich das 9-Euro-Ticket ja an, etwas rum zu kommen. Aber schade eben, dass es nur bis August gilt und nicht noch mindestens September und Oktober einschließt. Denn im Hochsommer finden in der Regel keine Veranstaltungen statt. Zumindest kaum in den lokalen Szene-Orten. Eher auf Camps. August hätte ich auf jeden Fall noch Kapazitäten, also fragt mich an 😉 Oder auch für später. Aber erst mal schauen, wie es bei mir im Herbst weiter geht… Wie auch immer, wenn ich nichts Besseres finden sollte, fahre ich dann doch einfach nach Sylt. Die Anreise allein könnte spannend und lustig werden.

Danke den unbekannten Künstler*innen für’s Erstellen der geklauten Memes, die ich zu Dokumentationszwecken hier plaziere. Eine der spannendesten Mobilisierungen der letzten Jahre, wie ich finde!

Eingesandter Text zur Kritik an staatlicher Pandemiebearbeitung

Lesedauer: 16 Minuten

Die Gruppe Autonomie und Solidarität hat mich angefragt, ob ich einen weiteren ihrer Texte veröffentliche. Darüber habe ich mich gefreut, doch es gab auch ein paar inhaltliche Differenzen bzw. solche in der Perspektive auf die Dinge. Wie aber damit korrekt umgehen? Ich denke es ist wichtig, Kontroversen zuzulassen. Ich denke aber auch, es ist wichtig, selbst klar Position zu beziehen. Dies bildet sich dann auch in der Sprache ab. Es bringt aber nicht, dabei kleinlich einzelne Aussagen und Formulierungen zu sezieren und zu kritisieren. Allem voran sollte der Wunsch und Versuch stehen, einander zu verstehen. Um dann beurteilen zu können, wie nah oder fern die jeweiligen Positionen sind. Nun ja, dies führt zu einem Dilemma, für das es keine gute Lösung gibt.

(lizenzfrei gefunden)

Ich habe mich für einige Anmerkungen unter dem Text Anarchistische Kritik an Wissenschaft(en) und staatlichen Narrativen in der Corona-Pandemie entschieden. Wer möchte kann mir gern weitere eigene Texte zukommen lassen.

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Eine Lektion für den zögerlichen und wankelmütigen Skeptiker

Lesedauer: 6 Minuten

Ungefragt kriege ich veranschaulicht, was der Most-Faktor ist

Und da sitze ich nun auf einer Parkbank, niesend vom Heuschnupfen, latent, aber grundlos nervös, gestresst von der Vergangenheit und davon, was die Zukunft bringen mag. Wie jede vernünftige Person versuche ich diese Gedanken zu verdrängen oder lasse sie zumindest nur phasenweise zu. Denn würde ich mir ernsthaft die Fragen stellen, wo es mit mir hingeht, wie ich innerhalb der bestehenden Herrschaftsordnung gute Miene zum bösen Spiel machen kann und ob ich von ihm gespielt werden sollte, nun ja… so würde ich vermutlich ebenfalls keine Antwort finden und trotzdem mein Leben bestreiten müssen. Manchmal beneide ich die Menschen, die einen Plan haben oder zumindest vorgeben und selbst daran glauben, dass sie einen haben. Und manchmal beneide ich auch den strukturierten Alltag und die feststehenden Verpflichtungen und Sozialgefüge, über welche einige Menschen verfügen. Denn ich stelle mir vor, dass damit vieles Einfacher wäre.

Als notorischer Skeptiker habe ich es mir nie einfach gemacht. Und wurde es mir nicht besonders einfach gemacht. Dies ist ja auch einer der Gründe, warum ich den Dogmatismus und Fundamentalismus im eigenen Lager so schlecht ertragen kann – egal ob in syndikalistischer, nihilistischer oder kommunistischer Ausprägung. Es ist ja schön, wenn Menschen ihre Wahrheiten haben. Wenn ich aber per se den insurrektionalistisch-nihilistischen Politikbegriff ablehne oder die Annahme, es nun mal klar, was Anarchismus sei und wie mensch sich „in Feindschaft zum Bestehenden“ positionieren müsste, ärgert das diese Leute. Wie Donnerstag als mich vier von ihnen trollen wollten. Oder was auch immer sie wollten.

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Gedanken zum anarchistischen ersten Mai

Lesedauer: 4 Minuten

In diesem Jahr fanden drei größere anarchistische Demonstrationen in der BRD statt und zwar in Dortmund mit etwa 1000 und in Hamburg und Leipzig mit je über 600 Teilnehmenden. Während es in Dortmund seit 2015 eine Demo zum ersten Mai gibt, wurde an diese Tradition in Hamburg erst vor vier Jahren und in diesem Jahr in Leipzig zum ersten Mal angeknüpft. Darüber hinaus wurden weitere Zusammenkünfte in anderen Städten wiederholt wie die anarchistische Kundgebung zum ersten Mai in Dresden oder der autonome erste Mai in Wuppertal. Auch in Münster oder Stuttgart versammelten sich Anarchist*innen, um ihre Anliegen auf die Straße zu tragen. Während diese stark von Mitgliedern der FAU getragen wurden, beteiligte sich das Leipziger Syndikat explizit nicht an den anarchistischen Tagen oder offiziell an der Demo. Auch der „autonome“ Charakter der Demo in Hamburg unterschied sich von dem einer Jugendbewegung in Dortmund. Den Preis für das kreativste Motto gewann sicherlich Hamburg mit dem Slogan „Verboten gut – Anarchismus in die Offensive“. Was Leipzig angeht war das Motto „Heraus zum anarchistischen ersten Mai“ sicherlich ein gutes Kick-off. Und „Für ein Zukunft ohne Krisen“ ist sicherlich ein guter, umfassender Anspruch, der in Dortmund formuliert wurde.

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