Na toll, hätte ich auch mal früher bloggen können, wenn ich diese Adresse schon an die große Glocke hänge und bewerbe…
Also ja, ich hatte heute wieder zwei Talks auf dem Chaos Communication Congress und zwar einen Spaziergang mit dem Titel „Mit, gegen, jenseits von Politik?“ und eine Erzählung zu „Für ein neues anarchistisches Bewusstsein“.
An dieser Stelle schon mal die Folien, falls das wer noch mal durchgehen und weiter gehen möchte – und ja: Sowohl die Daten, als auch die Nummerierung des Kongresses ist falsch – Ist bisher niemandem so aufgefallen, aber lässt sich nun nicht mehr ausräumen… Ich kann dazu stehen, weil der ganze Kram letztendlich immer noch „aktivistisch“ aka unbezahlt produziert wird…
Vielen Dank an dieser Stelle nochmals für die Stages der ChaosZone in Halle (die wir auch besuchen durften) und den Space about: future in München. Ich hoffe (und glaube aber auch), meine Beiträge haben gut in euer Programm gepasst.
Falls das noch jemand liest, die*der heute dabei war: Scheut euch nicht, mir eine Email zu schreiben, wenn ihr Anmerkungen, Anregungen, Kritik oder sonstige Fragen habt.
In Hochglanz im A5-Format ist ein neues Magazin erschienen, in welchem Protestereignisse im deutschsprachigen Raum fotografisch und mit Berichten festgehalten werden.
Wem ein paar Euro für linke Zine-Kultur und kritischen Journalismus nicht zu schade sind, kann die unregelmäßig erscheinende Bella Ciao[1] von nun an bestellen. Auf 164 Seiten werden von 16 Demos und Aktionen zivilen Ungehorsams berichtet, sowie drei Interviews geführt. Von Freiburg bis Hamburg, von Zwönitz bis Karlsruhe sind darin unterschiedliche linke Ereignisse in der BRD dokumentiert.
Diese Arbeit ist wichtig, um das Geschichtsbewusstsein in emanzipatorischen sozialen Bewegungen aufrecht zu erhalten. Um das Umbruch-Bildarchiv ist eine ähnliche Gruppe organisiert, welche sich seit 1988 dieser Tätigkeit widmet und ihre Homepage vor einiger Zeit auf den neuesten Stand gebracht hat[2]. Mit dem Geschichtsbewusstsein verbunden ist auch das Selbst-Bewusstsein von Aktivitis. Weil die fotografische Dokumentation Reflexion über das eigene Handeln ermöglicht, trägt sie dazu bei, mit den eigenen Ansichten und Anliegen selbstbewusst umzugehen. Nicht zu Letzt auch deswegen, weil längerfristig sichtbar wird, was in verschiedenen Orten in einem Jahr so geschieht.
Ein Spektren-übergreifender Fokus auf den sichtbaren Protest
Der Fokus auf Protestereignisse ist dahingehend sicherlich klassisch. Gruppenprozesse oder Treffpunkte werden von Redaktions-Team in der ersten Ausgabe nicht festgehalten. Dabei ist auch dies wichtig, da die Bedeutung linksradikaler Zentren für die Große, den Organisationsgrad und das Bewusstsein von sozialen Bewegungen oftmals erst in den Blick gerät, wenn sie an eigenen Widersprüchen scheitern, zu bloß subkulturellen Orten verkommen oder durch staatliche Repression zerstört werden.
Ähnliches gilt für (anti-)politische Gruppen oder auch Einzelpersonen, die sich trauen, ihr Gesicht zu zeigen. Sie brauchen dabei nicht als „besonders wichtig“ gelten. Es reicht, wenn sie interessante Geschichten zum Thema zu erzählen haben, die mit ihrem Leben verbunden sind. Zugleich schärft die Konzentration auf Demonstrationen das Profil von Bella Ciao.
Sinnvoll ist ebenso der Spektren-übergreifende Ansatz des Magazins. So sehen und lesen wir etwa von einem sehr „schwarzen“ ersten Mai in Hamburg, wie von einer sehr „roten“ Demonstration zum selben Tag in Frankfurt am Main. Vom Fridays for Future Zentralstreik und Mietendemo, über Ende Gelände und der Blockade des Ausbaus der A100, bis hin zu Antifa und autonomen Demos sind alle dabei.
Die ästhetische Darstellung von Protestereignissen ist eine wichtige Aufgabe, welche nie auf Kosten der Inhalte oder deren Beliebigkeit geschehen sollte. Denn es ist kein Wert an sich, wenn sich irgendwer irgendwohin bewegt, sondern auch dabei gilt es sich zu positionieren. Die Mitglieder des Redaktions-Teams versuchen dahingehend eine Brücke zu schlagen zwischen sympathisierender Bezugnahme und professioneller Distanz. Sie würde ihnen meiner Ansicht nach noch etwas besser gelingen, gäbe es auch eine knappe Sparte zur Debatte darüber, was emanzipatorischer Protest im fortgeschrittenen 21. Jahrhunderts ist und sein kann.
Die Bedeutung von Demonstrationen für soziale Bewegungen
Mit anderen Worten ist es erforderlich, dass wir begreifen und diskutieren, was wir überhaupt auf welchen Demonstration tun. Erstens sind sie ein wichtiges Ausdruckssymbol, das unsere Stärke symbolisieren kann. Zweitens sind Demos Räume der Versammlung, in denen wir das erwähnte Selbst-Bewusstsein entwickeln und daraus auch Motivation und Kraft für die oft unsichtbaren sozialen Kämpfe im Alltag ziehen können. Drittens werden mit ihnen auch aktuelle Probleme und Herausforderungen der sozialen Bewegungen sichtbar: Etwa ein zu geringer Organisationsgrad in Bezugsgruppen, die diesem Anspruch gerecht werden, eine zu große Beliebigkeit und Unsicherheit in den eigenen Inhalten und Visionen oder die Ausbaufähigkeit von kreativem und spontanem Handeln. Und viertens können Demos Orte des Austauschs und der Begegnung unterschiedlicher Menschen sein – wenn sie denn so gestaltet werden, dass dies möglich ist.
In all dieser Hinsicht haben Demonstrationen wichtige Funktionen für die Integration, Verständigung und Stärkung sozialer Bewegungen. Doch für sozial-revolutionäre Bestrebungen sind sie nicht genug bzw. nicht das Eigentliche, gerade weil sich Aktive mit ihnen maßgeblich auf der politischen Ebene bewegen. Ohne im Detail einen Plan zu entwickeln, was es zu tun gälte, kann gesagt werden, dass der Aufbau langfristig funktionierender (anti-)politischer Gruppen und Basisstrukturen ebenso wichtig ist, wie die Ausübung direkter Aktion, die Ausprägung rebellischer Haltungen und Bildungstätigkeiten, inklusive theoretischer Auseinandersetzung. Demonstrationen dürfen also nicht zum Substitut für den langwierigen, anstrengenden und meist unsichtbaren Basisaktivismus im Alltag werden.
Das Selbst-Bewusstsein in emanzipatorischen sozialen Bewegungen entfalten
Dies spricht aber umgekehrt nicht dagegen, sie festzuhalten. Die fotografisch qualitativ wertvollen Bilder, sowie die fokussierten Berichte in Bella Ciao stellen deswegen auch eine Wertschätzung des Handelns von Aktiven in emanzipatorischen sozialen Bewegungen dar. Dies ist ein Gegenbild zum verbreiteten jämmerlichen Selbstverständnis – einem im Endeffekt sozialdemokratischen Rudiment –, mit welchem auch radikale Linke ihre Handlungsmacht an Politiker:innen abtreten und sich letztendlich nicht vom Irrglauben an die nutzbare Staatsmacht lösen können. Doch selbstorganisiert und nach Autonomie strebend, tat und tut sich einiges – gerade wenn die (anti-)politische Aktivität über den Symbolcharakter und das Ereignis des Protestes hinausgeht und langfristig das Leben von Menschen verändert. Dabei sollten „wir“ sollten nie vergessen, das „wir“ auch Erfolge zu verbuchen haben.
Insofern ist es wünschenswert, dass das Bella Ciao-Magazin auf Dauer gestellt und weiter entwickelt werden kann. Die Herausgeber:innen fordern auch zur Beteiligung am Projekt auf, womit auch weitere Ereignisse (beispielsweise der feministische Streik am 8. März, die jährliche Demo zum Frauenknast in Chemnitz oder die pro-kurdische Solidaritätsbewegung) festgehalten werden könnten. Ein Blick in die erste Ausgabe lohnt sich in jedem Fall.
Nach einem längeren Bearbeitungsprozess ist nun das Doktorand*innen-Jahrbuch der RLS erschienen. Darin findet sich auch der folgende Beitrag von mir. Eine gute Sache, um das Jahr zu beenden…
Kürzlich wies mich ein Genosse darauf hin, dass der Zündlumpen eingestellt wurde – und zwar schon im September mit der 85. Ausgabe. Er fragte, ob ich das gehört und anschließend einen Sekt geöffnet hätte. Beides war nicht der Fall. Da ich viel zu tun habe, kriege ich nun mal nicht alles mit. Angestoßen hätte ich aber auch nicht, wenn ich das just in time erfahren hätte. Im Nachhinein stelle ich fest, dass mein Desinteresse an der Zeitung im selben Maße wie der darin exhibitionistisch zur Schau gestellte narzisstische Selbsthass gewachsen ist. Mit anderen Worten hatte ich mich gar nicht mehr um dieses Käseblatt geschert, welches zunehmend lediglich darüber motiviert zu sein schien, Polemiken um ihrer selbst willen in die Welt zu schreien.
Es handelte sich sozusagen um den Schrei der bedrängten Kreatur: Der Egoismus als Ausgangspunkt und Verfallserscheinung des Anarchismus. Abgesehen davon, dass ich mich in einem anderen Spektrum verorte, wertschätze ich doch die Technikkritik, welche in sogenannten „insurrektionalistischen“ Publikationen formuliert wird. Und auch eine Differenz zu linken Bewegungen aufzumachen und den Geist der Revolte zu schüren, finde ich richtig. Über die Form und vor allem die Absicht lässt sich dann aber streiten. Dafür braucht es allerdings keine Zündlumpen. Deren Provokationen unterm Strich bestanden ja vor allem darin, dass sie Fremdscham auslösten, als etwa in einer Kritik, die zutreffend ist und von anderen angenommen werden kann, weil sie auf eine gemeinsame Debatte abzielt.
Nachträglich kommt hier der Link zu einer Geschichte, welche ich im September in Potsdam erzählt habe: Für ein neues anarchistisches Bewusstsein Da ich mir angewöhnt habe, meine Veranstaltungen immer frei zu halten und in diesem Fall auch keine Notizen hatte, bin ich dann selbst oft gespannt, was ich denken und mitteilen werde. Das ist mal besser, mal schlechter, logisch. Und demnächst werde ich wohl noch einmal zu diesem Thema sprechen, weil meine Broschüren-Texte noch nicht die Verbreitung gefunden haben, die ich mir wünsche.
Naja, die Collage mit der Frau, die zu dem Theorie-Typ aufschaut ist wirklich missverständlich. Es gibt eben einen Unterschied dazwischen, wie es gemeint ist und wie es ankommt. Also die weiblich gelesene Person links unten im Bild soll nicht bewundernd zu dem vermeintlich denkenden Mann* aufschauen, sondern denkt für sich – in diesem Bild auch völlig unabhängig von der anderen Person. Ich bedauere an dieser Stelle die missverständliche Anordnung und halte es für besser, dass zu problematisieren, anstatt mich heraus zu winden…
In Hochglanz im A5-Format ist ein neues Magazin erschienen, in welchem Protestereignisse im deutschsprachigen Raum fotografisch und mit Berichten festgehalten werden.
Wem ein paar Euro für linke Zine-Kultur und kritischen Journalismus nicht zu schade sind, kann die unregelmäßig erscheinende Bella Ciao[1] von nun an bestellen. Auf 164 Seiten werden von 16 Demos und Aktionen zivilen Ungehorsams berichtet, sowie drei Interviews geführt. Von Freiburg bis Hamburg, von Zwönitz bis Karlsruhe sind darin unterschiedliche linke Ereignisse in der BRD dokumentiert.