Demokratie – kaputt oder ganz?

Lesedauer: 7 Minuten

Kommentar zur Wahl des Eintags-Ministerpräsidenten in Thüringen

zuerst veröffentlicht auf: untergrund-blättle.ch

Jens Störfried

Neben Bratwürsten und Klößen ist Thüringen für seine wunderschöne Landschaft bekannt: Hier gibt es den Naturpark Hainich, die Bleilochtalsperre, den Rennsteig und viele andere Flächen mehr. Das einzige was fehlt, ist eine Küste, ein Meer – aber dann wäre es eben nicht mehr Thüringen. Auch in die politische Landschaft Thüringens lohnt sich ein Ausflug, bietet sie doch eine Vielfalt ohne Gleichen. Doch recht gleich und einig sind sich die Menschen dort scheinbar nicht. Deswegen richtet ja die halbe Medienlandschaft gerade ihren Blick auf das geographische Herz Deutschlands: Weil sich die politisch-kulturelle Spaltung dieser Provinz mit 2,13 EinwohnerInnen dort wie unter einer Käseglocke beobachten lässt.

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Zusammengefasster und erweiterter Antispeziezismus

Lesedauer: 10 Minuten

Ein weiterer Versuch soziale Kämpfe und libertäre Tendenzen zu verbinden.

Zusammenfassung von „Total Liberation“ (Anonymous, Kroatien – Active Distribution /London – Signal Fire 2019)

zuerst veröffentlicht auf: untergrund-blättle.ch

Jonathan Eibisch

Die handliche Flugschrift gelangte zu mir, wie es irgendwie am Schönsten ist: Jemand suchte das Gespräch mit mir und sagte dann, er hätte etwas für mich. Dann drückte die Person mir das kleine Büchlein „Total Liberation“ von einer* anonymen Autor*in in die Hand. Schon der Klappentext machte mich neugierig. Dort heißt es: „Total Liberation sets out an insurrectional project that drawns its strength from social ecology, deep ecology, and anti-speciesism. Casting aside outdated methods, it proposes a holistic, multiform struggle fought in defence of all forms of life – humans, animals, and the earth.“ Ich liebe Schriften, mit denen Menschen selbst denken und sich die Autor*innen positionieren. Darüber hinaus interessiert mich ebenfalls der Ansatz, verschiedene soziale Kämpfe und somit auch Strömungen, Gruppen und Personen zusammen zu bringen. Und zwar auf eine nicht-hierarchische und nicht-avantgardistische Weise.

Revolutionäre Manifeste wollen motivieren und verbinden das Kreisen um alte Fragen mit der Suche nach neuen Antworten, die sich immer in eine bestimmte Tradition stellen. Die Schrift beginnt mit der Feststellung, dass die Atmosphäre, die wir atmen im wörtlichen Sinne vergiftet ist. Die Situation ist also heute unhaltbar, wir leben bereits in der Apokalypse und sind gezwungen, darauf zu reagieren. Während unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Bedürfnisse also förmlich nach einer Revolution schreien, ist die Frage, was Revolution heute überhaupt ist oder sein kann, völlig unklar. Wir haben es mit einer „revolutionären Sackgasse“ zu tun: schon unsere Vorstellungen von radikaler und weitreichenden Veränderungen sind blockiert. In der von Menschen gemachten Katastrophe stehen wir am Abgrund. Dieser eröffnet das Potenzial zur Infragestellung von allem und der Befreiung des Lebens insgesamt. Doch das System bricht nicht aus sich selbst heraus zusammen und führt zu etwas besserem, sondern es braucht unser aktives Handeln, um ihm weitere Stöße zu versetzen, an seiner Stelle allerdings auch etwas Neues aufzubauen (S. 3f.).

Im Folgenden werde ich die Kerngedanken von „Total Liberation“ ihrer Beschreibung nach darstellen und zum Teil auch kommentieren.

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