Für eine neue anarchistische Ethik!

Lesedauer: 47 Minuten

Jonathan Eibisch

Zusammenfassung:

Wie lässt sich ein gelingendes, reiches, schönes, erfülltes Leben beschreiben? Wie lassen sich die Bedingungen herstellen, die Ressourcen aneignen, die Fähigkeiten erlernen, um es einzurichten? Und wie kann es schließlich für alle möglich werden – nicht gegen-einander, sondern miteinander, in geteilter Verantwortung für uns selbst, für Andere und für die Mitwelt? Diesen Fragen geht die anarchistische Ethik nach, deren Grundzüge in diesem Text dargestellt werden.

Im Wesentlichen bestehen die Aufgaben der Ethik nicht darin, die Mängel der Menschen hervorzukehren und ihm seine ‚Sünden‘ vorzuwerfen; sie muss in positiver Richtung wirken […]. Sie bestimmt und erläutert einige wenige Grundlagen, ohne die weder Tiere noch Menschen in Gesellschaft leben könnten.

Außerdem aber beruft sie sich auf Höheres: auf Liebe, auf Mut, auf Brüderlichkeit, auf Selbstachtung […]. Gleichzeitig sagt sie dem Menschen, dass, wenn er ein Leben führen wolle, bei dem seine Kräfte sich völlig entfalten könnten, er endgültig dem Gedanken entsagen müsse, dass man leben kann, ohne mit den Bedürfnissen und Wünschen der andern zu rechnen.“

– Peter Kropotkin 1902

Das linke Ghetto aus Perspektive eines Schelmes

Lesedauer: 4 Minuten

Erinnerung an Die Glücklichen (Peter-Paul Zahl, Rotbuch-Verlag 1979)

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #105, November 2019

von: Mona Alona

Ein Knastbuch. Wiedermal. 40 Jahre nach seiner Ersterscheinung habe ich Lust an den Schelmenroman Die Glücklichen des anarchistischen Literaten, Druckers und Aktivisten Peter-Paul Zahl zu erinnern, dass er zwischen 1973 und 1979 während seiner zehnjährigen Haft schrieb. Für die Älteren mag es eine Erinnerung sein, bei den Jüngeren weiß ich nicht, ob jemand den Autoren noch kennt, der wegen seiner Antirepressionsarbeit in der Zeit der RAF abtauchte und dann unabsichtlich in einen Schusswechsel mit den Bullen geriet. Zum Leben von Zahl kann an anderer Stelle geschrieben oder nachgelesen werden. Für seinen überaus populären Roman Die Glücklichen ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, dass er zwischen 1966 und 1972 in West-Berlin lebte und dort die heiße Phase der 68er-Bewegung mitnahm.

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