Notizen zu Svende Merian: „Der Tod des Märchenprinzen“

Lesedauer: 6 Minuten

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #89/ Juni 2018

von Simone

In meiner Umgebung wurde kürzlich ein Buch herumgereicht und vielfach gelesen, welches bald 40 Jahre auf dem Buckel hat. Nun ist dies kein Kriterium dafür, dass es sich um ein schlechtes Buch handeln muss – obwohl die Autorin dies im Nachwort selbst und selbstkritisch so sieht. Die Bibel ist beispielsweise auch eine Zusammenstellung von Märchen, die vor 3200 bis 1900 Jahre entstanden sind – und dabei können uns gute Märchen durchaus auch für unser Leben heute etwas sagen. Oder auch nicht. Mensch ließt sie auf jeden Fall immer von der jeweiligen Zeit aus und projiziert Vorstellung auf die Vergangenheit zurück… Im Gegensatz zur Bibel ist Svende Merians Buch nicht patriarchal orientiert, sondern stattdessen klar feministisch positioniert. Die Vorstellung vom Märchenprinzen, der kommt und seine Erwählte bis zum Lebensende glücklich macht, hat die junge linke 24-jährige Frau aus Hamburg – wie viele, vielleicht sogar die meisten – in der bürgerlich-kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nach wie vor verinnerlicht. Und das trotz fünf Jahren Frauengruppe und diversen, zweifellos richtig beschissenen Erfahrungen mit Typen von denen sie sexuell ausgebeutet, dumm gemacht und abhängig gehalten wurde.

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Anarchismus und Antifaschismus – ein diskussionswürdiges Verhältnis?

Lesedauer: 6 Minuten

von Friedrich

Anarchist*innen sind auch Antifaschist*innen, das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Das Verhältnis ist dabei wechselseitiger Art: Anarchismus ist der antiautoritäre und herrschaftsfeindliche Gegenpol zur totalitären Gesellschaftsordnung, welche Faschist*innen (und damit sind weite Teile der AfD eindeutig einzuschließen) anstreben. Umgekehrt bekommen Menschen, die antifaschistisch aktiv sind und darunter mehr als bürgerliche Latschdemos und Luftballonhalten verstehen (auch wenn Letzteres in Jena mittlerweile ebenfalls verboten wurde), es relativ schnell mit den staatlichen Repressionsbehörden zu tun – sei es, indem sie direkt von den Bullen auf die Fresse bekommen oder mit der Androhung strafrechtlicher Verfolgung und Überwachung durch die Geheimdienste leben müssen. Dementsprechend stellt sich bei einer konsequenten Haltung gegenüber Faschismus, die vielen gut tun würde, relativ schnell die Frage, in welchem Gesellschaftssystem wir eigentlich leben, welches erst Nazis hervorbringt, dann auch noch schützt und sich schließlich sogar politisch von ihnen treiben lässt (insofern diese von sich selbst sagen, dass sie keine Nazis wären).

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