Arbeit mit Beziehungsweise Revolution

Lesedauer: 46 Minuten

Zu Bini Adamczaks Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende

zuerst veröffentlicht in: Paradox-A / Feb. 2018

von Jonathan Eibisch

Teil I – Zusammenfassung und Kommentar

Bei der folgenden Betrachtung eines aktuellen und durchaus inspirierenden Buches von Bini Adamczak möchte ich mich nicht den Geschlechterverhältnisse, und -konstruktionen in den Revolutionen von 1917 und 1968 widmen, obwohl diese begründet in seinem Zentrum stehen. An dieser Stelle und bei meinem derzeitigen Beschäftigungsstand könnte ich dieser Thematik auch nicht gerecht werden. Vielmehr möchte ich mich einerseits der Bezugnahme auf und den Anleihen der Autorin bei anarchistischen Revolutionären bedienen, andererseits der paradoxen Struktur des von Adamczak entfalteten kommunistischen beziehungstheoretischen Denkens nachgehen mit dem Hintergedanken, dass anarchistisches Denken selbst als paradox beschrieben werden könnte. Dies soll allerdings verstärkt im zweiten Teil geschehen. Weil mir die Thematik aus verschiedenen Gründen spannend auch für anarchistische Diskussionen erscheint, möchte ich im ersten Teil ihr Buches ausführlich vorstellen und kommentieren.

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Großbürger kritisiert Kleinbürger – Marx&Proudhon

Lesedauer: 14 Minuten

Originaltitel: Großbürger kritisiert Kleinbürger, weil dessen Klasse nicht ihre Interessen verfolgt

Zum Kleinbürger*innen-Vorwurf von Karl Marx an Pierre-Joseph Proudhon und anarchistischen Umgangsmöglichkeiten damit

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #86 / Feb. 2018

von Jens Störfried

Bei meiner Beschäftigung mit der Kritik am Anarchismus fielen mir in einem vom ZK der SED 1977 herausgegebenen und zusammengestellten Band (neben vielen anderen Dingen wie dem ätzenden Vorwort), zwei zentrale Textstellen ins Auge, die eine wunderbare Diskussionsgrundlage abgeben. Sie verkörpern beispielhaft einen wichtigen, – wenn er aber unreflektiert tausendmal wiederholt wird, total flachen – Vorwurf, welcher Anarchist*innen von Marxist*innen häufig entgegenschlägt: Sie seien Kleinbürger*innen, welche trotz vielerlei revolutionärer Phrasen die eigentlichen historischen Bewegungen und gesellschaftlichen Verhältnisse nicht verstehen könnten und sie falsch interpretieren müssten, da sie nicht die Ideologie des Proletariats vertreten könnten. Der aus großbürgerlichem Hause stammende Karl Marx kann dies jedoch offensichtlich, schließlich entdeckte er den wissenschaftlichen Sozialismus und weiß nun wie der Hase läuft und welche Interessen die*der Proletarier*in im Allgemeinen so hat – auch wenn es ihr*ihm oftmals selbst nicht bewusst ist. Nach einer Vorstellung der Auszüge und einer Zusammenfassung eines Teils von Marx‘ berechtigter Kritik an Proudhon[1], will ich beleuchten, was es mit dem Kleinbürger*innen-Vorwurf auf sich hat und aufzeigen, was eine anarchistische Antwort auf diesen sein könnte. Wer mir dabei widersprechen möchte, soll dies gerne tun.

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