Unter Neurechten – ein bedrückendes Essay

Lesedauer: 10 Minuten

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #79 / Juli 2017

von Simone

In der literarischen Verarbeitungen der eigenen Vergangenheit stellt der Autor seine Erfahrungen mit einem Kreis der faschistischen „Neuen Rechten“ in Chemnitz dar. Diese bildeten 2002 eine Schülerburschenschaft, gründeten die neurechte Zeitung „Blaue Narzisse“ und gewannen später großen Einfluss als faschistische Intellektuelle, unter anderem auf den völkischen Flügel der AfD unter Björn Höcke sowie die Identitäre Bewegung. Um die Erneuerung des Faschismus zu verstehen, sind Orte und Zeiten zu begreifen, in denen er sich unter einem anti-emanzipatorischen Willen organisiert. Wenn wir uns als ihre grundlegenden Feinde positionieren wollen, gilt es auch die Faschos zu ernst zu nehmen…

Lebensphasenabschnittsumbruchsbedingt komme ich derzeit nicht umhin, über meine eigene Entwicklung und Vergangenes nachzudenken. Reflektierte Menschen sind geschichtliche Wesen, verstehen sich also in ihrem Gewordensein und in den Herausforderungen, die sich für sie im Leben und in ihrer Zeit stellen. Weil sich Zeiten, Räume und Verhältnisse im Wandel befinden, gilt es dauerhaft zu rekapitulieren, was Vergangenes war und wie es zu deuten sei, um vernünftiges Handeln im Hier und Jetzt anzustoßen. Was sich geändert hat sind die politischen Landschaften in den Krisen der neoliberalen globalisierten Herrschaftsordnung in den letzten Jahren. Die autoritäre, antiliberale und antidemokratische Alternative mit ihren neofaschistischen Elementen zeichnet sich klar am Horizont ab und ficht die alte Hegemonie an.

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Rezension zu „Anarchismus zur Einführung“

Lesedauer: 5 Minuten

zuerst veröffentlicht in: GaiDao #79 / Juli 2017

von Jens Störfried

Im Hamburger Junius Verlag erschien im April eine neues Buch über Anarchismus in der sozialwissenschaftlichen Reihe „zur Einführung“. Auf 200 Seiten zeichnet der kritische Theoretiker Daniel Loick sachlich und gut nachvollziehbar wesentliche Elemente anarchistischen Denkens, der Bewegung und Geschichte nach. Sicherlich ist es immer eine Geschmackssache, aber ich für meinen Teil bevorzuge diesen neuen Einführungsband eindeutig vor beispielsweise jenem von Hans Jürgen Degen und Jochen Knoblauch von der theorie.org-Reihe des Schmetterlingsverlages von 2006. Auch andere Einführungsschriften sind (insofern es sich nicht wiederum um kurze Broschüren handelt) entweder restlos veraltet oder ziemliche Schwarten wie Horst Stowassers „Freiheit pur“ von 1995 beziehungsweise „ANARCHIE!“ von 2007.

Die wesentliche Frage in Bezug auf eine Buchbesprechung: „Würdest du dieses Buch als Einführung in den Anarchismus weiterempfehlen?“ kann ich deswegen eindeutig bejahen – vorausgesetzt, die Lesenden lassen sich auf eine akademische Sprache ein (Doch diese kontroverse Diskussion will ich an dieser Stelle nicht aufmachen).

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