Noch einmal zu Ermächtigung… als Praktiken zur partiellen Emanzipation

Lesedauer: 7 Minuten

zuerst veröffentlicht in: Lirabelle #15 / Mai 2017

Mit so etwas wie… nun ja, Erleichterung, las Mona Alona den Artikel von Emily Page in der letzten Ausgabe der Lirabelle (#14). Emily schrieb einen „persönlichen Text“, was Mona einerseits an sich gut bzw. auflockernd findet, andererseits auch ein angemessenes Gegengewicht zum Text von Simon Rubaschow (Lirabelle #12) darstellt, den sie kritisiert. Die folgenden Überlegungen setzen sich damit auseinander, worauf aufbauend ein eigenes Verständnis von Ermächtigung skizziert wird.

Wenn auch inzwischen vor fast einem Jahr veröffentlicht, will ich die Kritik an Rubaschow hiermit nochmals bekräftigen und untermauern. Emily widerspricht ihm dankenswerter Weise, tut dies aber derart, eine andere Perspektive aufzuzeigen. Dennoch finde ich ihre Begründungen, warum „Empowerment“ wichtig sei, nicht als ausreichend. Oder anders gesagt, richtet sich ihre Darstellung an Menschen, die sich in ihrem politischen und persönlichen Handeln ermächtigen und einen gemeinsamen Begriff davon haben. Wenn sie[*] zu Beginn schreibt: „Ein Hoch auf Empowerment – egal in welcher Art und Weise“ (#14, S. 35) oder abschließend: „Und deshalb, genau deshalb ist Empowerment genau das Richtige. Und super wichtig“ (#14, S. 37), spricht das auf empowernde Weise jene an, die diese Erfahrungen teilen, führt aber nicht zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung darum, was unter Empowerment jeweils verstanden wird. Wir gelangen zu einer – möglicherweise notwendigen – schützenden Selbstbestätigung, nicht aber zu einem „einen Ort der solidarischen, wechselseitigen Kritik auch der Bedürfnisse“ (#12, S. 38), auf den Rubaschow in seinem Text die Hoffnung nicht aufgeben will.

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Wenn eins wahr ist, dann, dass Anarchist_innen nicht die Wahrheit haben.

Lesedauer: 10 Minuten

Eine Beschreibung anarchistischer Kritiken

zuerst veröffentlicht in: Lirabelle #15 / Mai 2017

Im folgenden Text versucht Jens Störfried aufzuzeigen, was seiner Ansicht und Erfahrung nach Ansätze anarchistischer Kritiken auszeichnet. Er hält es für wichtig, über die jeweiligen Standpunkte von denen aus die Kritik geäußert wird zu reflektieren und dementsprechend anderen zuzugestehen, dass sie aus vernünftigen Gründen zu anderen Ansichten gelangen können. Dies schließt ein, den eigenen Behauptungen gegenüber selbstkritisch zu sein und sie als strategische Setzungen zu betrachten anstatt hohle Phrasen zu dreschen. Das führt aber nicht zu liberalem Toleranzdenken, Beliebigkeit oder Handlungsunfähigkeit.

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Filmbesprechung: „Eine kleine Geschichte der Anarchie“

Lesedauer: 3 Minuten

zuerst veröffentlicht in: Gai Dao #77 / Mai 2017

von Jens Störfried

Letztens schrieb mir eine Genossin eine SMS mit dem Hinweis: „Spannende Anarchismus-Doku, läuft gerade auf Arte“. Als ich später in die Mediathek schaute, entdeckte ich dort die zwei Teile der mir bisher unbekannten Doku, welche unter der Regie von Tancrède Ramonet schon 2013 in Frankreich produziert worden ist.

Ich denke, es hat sein Für und Wieder, wenn Anarchie/Anarchismus als Thema von professionellen Filmemachern bearbeitet und somit der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird. Wichtiger finde ich eigentlich, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die selbst nach anarchistischen Prinzipien leben, anstatt über Anarchismus als historischen Gegenstand zu sprechen. Der Film „Projekt A“ hat viel eher diesen Fokus, mich persönlich aber nicht sonderlich überzeugt. (siehe den Beitrag von Zottel in der Gaidao #63 „Von Widerstand und Selbstorganisation zur Biogurke“)

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