Beiträge zur Pflege und Erneuerung anarchistischer Theorie


Anarchistische Theorie & Perspektiven
Beiträge zur Pflege und Erneuerung anarchistischer Theorie

Frage: Ist die akademische Form und die intellektuelle Beschäftigung mit Anarchismus nicht völlig irrelevant für den real-existierenden Anarchismus?

Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt. Da wir nur ein Leben haben, ist es nicht unwesentlich, womit wir unsere Zeit verbringen. Ich könnte auch anderen Tätigkeiten nachgehen, mit denen ich hoffe, die Welt ein kleines Stück zu verändern. Oder mich stattdessen einfach um mein eigenes Glück kümmern. Da mir beides nicht wirklich gelingt, scheine ich einen Sinn darin zu sehen, mich intellektuell mit Anarchismus zu beschäftigen und dies auch weiterhin zu tun.
Dieser liegt beispielsweise darin, dass es Leute braucht, die auf die anarchistische Tradition hinweisen, welche aussterben oder völlig eingehegt werden würde, wenn es keine Leute gäbe, die sich mit ihr beschäftigen und sie weitergeben. Außerdem meine ich, dass wir ohne Theorie nicht ausdauernd, zielgerichtet und flexibel handeln können. Inwiefern meine Tätigkeiten für real-existierende anarchistische Kreise und Szenen relevant sind, kann ich überhaupt nicht beurteilen.
„#4 Relevanz?“ weiterlesenAchtung Nerd-Kram: Weil ich den folgenden Text super spannend fand, habe ich ihn übersetzt. Es handelt sich um einen sehr langen Aufsatz, den ich deswegen in 14 Teilen immer dienstags veröffentlichen möchte. Vielleicht finden sich ja Personen, die sich häppchenweise mit ihm beschäftigen möchte. Eine Bemerkung über Inhalt und Bedeutung des Textes folgt ganz unten.
aus dem Polnischen von Michelle Granas übersetzte Englische Version von:
https://theanarchistlibrary.org/library/edward-abramowski-ethics-and-revolution
übersetzt mit Hilfe von deepl.com
Alle Überschriften wurden von mir gesetzt. Die Trennung in vier Kapitel stammt aus dem Original.
… der vor 20 Jahren in Rostock vom sogenannten NSU ermordet wurde.
Für eine antifaschistische Selbstverteidigung und Migrantifa! Verfassungsschutz abschaffen, faschistische Netzwerke zerschlagen!
Weitere Infos u.a. auf NSU-watch.

Vor zwei Jahren begannen die russischen Streitkräfte eine Großoffensiv in der Ukraine. damit geschah eine Brutalisierung der internationalen Politik, gab es einen Anlass für die besitzenden Klassen, die Inflation anzukurbeln und wurde der Militarismus in einer neuen Welle popularisiert. Zugleich entbrannte eine hitzige Debatte darüber, wie sich Anarchist*innen zu dieser Situation verhalten sollten. Meine Unterstützung der Solidarity Collectives nahmen mir einige krumm.
Ich wiederum kritisierte die Hohlheit der dogmatischen Phrasen einiger, welche angeblich „gegen jede Herrschaft“ sein wollen und verkannten aus ihrem Privileg heraus die Realität. So ignorierten sie etwa, dass das russische Regime tatsächlich faschistisch ist. Auch die verkrustete antiimperialistische Linke und die DDR-Nostalgiker*innen verfielen ihren Anti-NATO, Anti-amerikanischen Reflexen, welche zwar ihre Berechtigung hatten, aber in ihrer Anwendung völlig aus der Zeit gefallen waren. Auf der anderen Seite schrien Linke unverholen nach Waffenlieferungen und machten sich wieder einmal zu Lakaien der Regierungspolitik. Überhaupt verfielen viele wieder in die Sinnlosigkeit des Forderns von diesem und jenem, statt sich selbst zu organisieren und autonome Perspektiven zu entwickeln.
Als Weiße wurden hunderttausende Ukrainer*innen weitgehend reibungslos in den westeuropäischen Ländern aufgenommen und offenbarten den grassierenden Staatsrassismus, nach welchem beispielsweise Syrer*innen, die ab 2015 hierher kamen, wenn es hoch kam eine drittklassige Duldung erhielten.
Dieses Banner jedenfalls hängten Leute vor einem Jahr in Osnabrück auf und zeigten damit auf schöne Weise, dass man wohl noch träumen dürfen wird.
Heulst du noch oder rebelliert du schon?
/ Ist eine berechtigte Frage in unserer Zeit,
in der es einerseits so schwer ist,
einen reflektierten Zugang zu den eigenen Gefühlen zu entwickeln
und sich andererseits so viele so ungeheuer betroffen,
verunsichert, verletzt und verzweifelt fühlen,
/ mit ihren Gefühlsäußerungen andere ungefragt belästigen
Ich habe schon viel rumgeheult
aber ich habe auch rebelliert
wo ist die Grenze bei männlich sozialisierten Personen
zwischen rumheulen und wichtiger Gefühlsäußerung?
wann soll man einfach in den Wald gehen und auf Bäume eindreschen und mit Amseln reden
und wann gilt es sich welche Gesprächspartner*innen zu suchen

Bereits 2015 hat Lilian Türk ihre Doktorarbeit mit dem Titel Religiöser Nonkonformismus und radikale Yidishkayt eingereicht, auf welche ich gestoßen bin und auf die ich hier gerne hinweisen möchte. In der geschichtswissenschaftlichen Arbeit stellt die Autorin die Schnittpunkte zwischen jüdischer Subkultur, Religion und Anarchismus dar, welche in einigen jiddisch sprechenden Milieus in Europa und den USA durchaus vorhanden waren. Eine wichtige Rolle spielte dabei Abba Gordin (1887-1964), welcher während und nach der Revolution in Russland lebte und 1927 in die USA emigrierte, wo er weiter wirksam war.
Gordin verfasste eine Vielzahl an Schriften, vor allem auch in der Zeitung „Fraye Arbeter Shtime„, welche Lilian Türk auswertet und im Kontext ihrer Zeit betrachtet. Interessant ist hierbei unter anderem, dass es unter den radikal-sozialistischen Jüd*innen eine grundlegende Ablehnung von Religion gab, welche zwar ihre Szene zusammenhielt, aber sich zu wenig Gehör verschaffen konnte. Gordin wählt einen anderen Weg im Umgang mit der kritisierten Religion, indem er einige Motive in ihr (in Bezug auf Gemeinschaft, Herrschaftsformen, Selbstbestimmung usw.) thematisiert und anarchistisch weiterdenkt. (Diese Motive sind es im Wesentlichen auch, die für mich persönlich das Thema interessant machen.)
„Religiöser Nonkonformismus und radikale Yidishkayt“ weiterlesen
Selbsterklärend, dass ich auf dieses Event hinweise, das nun zum dritten Mal in Leipzig stattfinden wird. Vermutlich werden auch in Potsdam zum sechsten Mal wieder A-Tage durchgeführt (ein Interview zu den 5. A-Tagen dort). Bekannt sind auch die jährlichen Libertären Tage in Dresden. Aus der Geschichte der vergessenen Ereignisse: Auch in Jena gab es einmalig 2016 A Tage. Abgesehen davon, dass es seit gut einem Jahrzehnt eine Verbreitung des Konzepts von anarchistischen Buchmessen gibt, liegen die Vorläufer solcher Zusammenkünfte wie so oft in der verschlungenen Geschichte des Anarchismus weiter zurück. Aus Erzählungen hörte ich, dass die Libertären Tage in Frankfurt 1987 und 1993 eine äußerst anregende Atmosphäre schufen – die aber leider nicht wiederholt wurde. Zwar wären auch größere Treffen im deutschsprachigen Raum erstrebenswert. Der Trend, viele dezentrale Events zu schaffen, hat aber insofern seine Vorteile, dass sich die lokalen / regionalen Szenen besser kennenlernen können und Menschen die Möglichkeit haben, verschiedene Orte zu besuchen und in Austausch zu kommen. In diesem Sinne hoffe ich, dass das Konzept der A-Tage fortgesetzt und an weitere Orte verbreitet wird.
Die A-Tage 2024 stehen vor der Tür!
übernommen von: https://de.indymedia.org
++English version below++
Rund um den ersten Mai soll es auch dieses Jahr wieder die Anarchistischen Tage geben! Wir sind mit großer Motivation aus dem Anarchistischen Kongress in St. Imier gegangen und wollen den gleichen Geist auch auf die Strassen Leipzigs tragen. In veränderter Konstellation und etwas größerer Gruppe sammeln sich bereits jetzt unglaublich viele tolle neue Ideen und Pläne.
„A Tage Leipzig (29.04. – 12.05.)“ weiterlesenAchtung Nerd-Kram: Weil ich den folgenden Text super spannend fand, habe ich ihn übersetzt. Es handelt sich um einen sehr langen Aufsatz, den ich deswegen in 14 Teilen immer dienstags veröffentlichen möchte. Vielleicht finden sich ja Personen, die sich häppchenweise mit ihm beschäftigen möchte. Eine Bemerkung über Inhalt und Bedeutung des Textes folgt ganz unten.
aus dem Polnischen von Michelle Granas übersetzte Englische Version von:
https://theanarchistlibrary.org/library/edward-abramowski-ethics-and-revolution
übersetzt mit Hilfe von deepl.com
Alle Überschriften wurden von mir gesetzt. Die Trennung in vier Kapitel stammt aus dem Original.

Da ich keinen Urlaub machen kann, versuche ich das freie Zeitfenster, was ich mir geschaffen habe, so zu nutzen, dass ich mein Selbst irgendwo auf einem Wanderweg finde – indem ich alte Dinge hinter mir lasse. Was ist das: Im Moment sein? Sicherlich nicht so, dass ich davon gar keine Vorstellung habe. Erst neulich habe ich beim Knutschen die Zeit vergessen… Aber sonst fällt es mir doch ziemlich schwer aus verschiedenen Abläufen auszubrechen, die mir nur bedingt gut tun. Ironischerweise habe ich sie mir zu einem guten Teil selbst geschaffen – und dennoch sind sie mit Herrschaftsmechanismen verknüpft, welche teilweise über Generationen eingeschrieben und fortgelebt werden. Ich werde sehen, ob der Mensch beim alleine wandern zu sich selbst kommt. Technik macht es möglich, dass ich in diesem Zeitraum dennoch einige Blogartikel voreingestellt habe. Nicht, dass jemand denkt, ich wäre untätig, während ich bezüglicherweise am Selbst arbeite 😉 Aber wer weiß, vielleicht gibt es dann etwas zu berichten, was auch seinen Eingang in diesen Blog findet.
Nothing for Ourselves | Appropriation. Von Klee Benally, Fürsprecher eines Indigenen Anarchismus, gestorben am 30.12.23.